Wattenscheid/Erfurt: Arne Otto erfüllt sich den Traum vom Einzelgold

Der Traum vom Gold: Erfüllte hat sich dieser für Arne Otto bei den Deutschen U16-Meisterschaften in Bochum-Wattenscheid. Er zählte im Hürdensprint mit zu den Titelfavoriten. Bereits im Halbfinale untermauerte er mit 10,44 Sekunden seine Ambitionen. Im Finale drehte der 15-Jährige richtig auf – 10,25 Sekunden, womit er die Deutsche U16-Bestleistung seines Trainingspartners Ole Jannis Gratz egalisierte. Seine Goldmedaille erzählt gleich mehrere Geschichten.

Im Vorjahr bei den Deutschen U16-Meisterschaften in Ulm gab es bereits eine Goldmedaille. Mit der Sprintstaffel des Erfurter LAC in der Besetzung Oskar Schmidt, Ole Jannis Gratz und Eugen Pölitz durfte Arne Otto über den Titel jubeln. Jetzt durfte der 15-Jährige erstmals auch im Einzel bei einer nationalen Meisterschaften starten. Der Weg dorthin kein leichter. Die Hallensaison lief ohne ihn. Ein Ödem am Sitzbein bremste ihn regelrecht aus. „Wir haben es relativ früh gemerkt, bevor es noch schlimmer geworden wäre. Ich hatte schon starke Schmerzen. Sprinten konnte ich überhaupt nicht. Stattdessen nur Stabilisationstraining und ein bisschen Laufen“, erklärte Arne Otto seine Hallenpause.

Packendes Finale über 80 Meter Hürden

Der Sommer verlief verletzungsfrei. Wenngleich ihm nun etwas anderes im Weg stand. Nämlich der Rückenwind. Bei den Landesmeisterschaften in Arnstadt lief er mit ausgebreiteten Armen über die Ziellinie, den Jubelschrei schon auf den Lippen. Aber der Wind verwehte seine schnellen Zeiten. Selbst bei seinem DM-Auftakt über 100 Meter wehte der Rückenwind in seinem Vorlauf einmal mehr zu kräftig (+3,6 m/s). Am Abschlusstag hatte der Wind ein Einsehen – alle Zeiten gingen in die Bestenlisten ein. Im Halbfinale über 80 Meter Hürden unterstrich Arne Otto in 10,44 Sekunden seine Ambitionen. Das Finale sollte einiges an Spannung versprechen. Fabian Stadie (SG Egelsbach 1874 e.V.), er lief im Halbfinale ebenfalls 10,44 Sekunden, galt als Mitfavorit um den Titel.

„Ich hatte am Start ein bisschen die Nase vorn, nach der zweiten Hürde habe ich gemerkt, er kommt, da muss ich mehr Druck machen. Das habe ich gemacht. Dann habe ich es irgendwann hinter mir scheppern gehört, aber ich bin größtenteils mein Rennen gelaufen“, sagte Arne Otto. Hinter ihm war Fabian Stadie an der letzten Hürde gestürzt. „Das war schade für ihn. Ich denke, da wäre im Finale viel gegangen.“ Währenddessen lief Arne Otto als Erster jubelnd über die Ziellinie. Zunächst blinkte auf der Anzeige eine Zeit von 10,26 Sekunden auf. Nur wenige Sekunden später wurde sie auf 10,25 Sekunden nach unten korrigiert. „Unglaublich, dachte ich nach der ersten Zeit. Darüber habe ich mich schon so doll gefreut. Nach dem die Zeit korrigiert und durchgesagt wurde, kam alles raus. In diesen Momenten weiß man, wofür man die letzten Jahre gearbeitet hat. Genau für solche Momente“, beschrieb er die Situation im Zielbereich.

Ole Gratz freut sich für und mit Trainingspartner

Zu der Zeit von 10,25 Sekunden folgte noch ein Zusatz – Deutsche U16-Bestleistung, die vor ihm bereits zwei weitere Hürdensprinter gelaufen sind. Einer davon sein Trainingspartner Ole Jannis Gratz (Erfurter LAC). Das war im Vorjahr bei den Deutschen U16-Meisterschaften in Ulm. Dieser verfolgte das Rennen im Livestream. „Als ich die inoffizielle Zeit [10,26 sec] gesehen habe, hatte ich natürlich erstmals kurzes Bangen, dass er nicht doch meine Zeit geschlagen hat. Umso mehr habe ich mich für ihn gefreut, als ich die offizielle Zeit gesehen habe. Vor allem nach seiner verletzungsgeprägten Hallensaison. Ich wusste auch davor schon, dass er solche Zeiten unter Druck rennen kann und wird. Dass er das dann im Finale gezeigt hat, war klasse. Definitiv“, zeigte sich sein Trainingspartner begeistert.

Nun gibt es also zwei Erfurter Hürdensprinter, die sich mit dieser Spitzenzeit in der Deutschen U16-Bestenliste verewigt haben. „Es ist mir eine sehr große Ehre gemeinsam mit ihm in der Liste zu stehen“, sagte Arne Otto, der nach dem Rennen von einem runden Lauf sprach, aber dennoch mit der letzten Hürde ein wenig haderte. „Die letzte Hürde war nicht mehr ganz so aktiv wie die anderen davor. Hätte ich diese noch ein bisschen sauberer genommen, würde vielleicht eine 10,23 dastehen, aber das spielt keine Rolle.“

Nervenstark zur Deutschen U16-Bestleistung

Diesen Moment durfte er mit seinen Eltern wie Großeltern teilen. Der Dank gebührte abschließend nicht nur der Familie, sondern auch dem Trainerteam wie seinen Trainingskollegen. „Die Unterstützung, die man in Erfurt in der Trainingsgruppe bei Herrn Schneider hat, ist wirklich top. Ich fühle mich sehr, sehr wohl.“ Für seinen Trainer Tobias Schneider war es ebenfalls ein denkwürdiger wie beeindruckender Moment. „Das war ein ganz starker Auftritt von ihm. Vom Startschuss bis zum Ziel war es ein sehr runder Lauf ohne Schwächen. Das hat er für sein junges Alter wirklich hervorragend gemacht, sich da so durchzusetzen und nervenstark zu sein. Dass er dazu noch die Deutsche U16-Bestleistung eingestellt hat, war das absolute i-Tüpfelchen.“

Im Rückblick war sein Titel der krönende Abschluss einer erfolgreichen Sommersaison. „Er hatte eine absolute starke Saison gehabt. Er konnte alle seine Hürdenrennen gewinnen. Ich hoffe, dass dies der Startschuss für ihn ist, da weiter dranzubleiben und im nächsten Jahr in der U18 weiter so stark aufzulaufen. Auf diesem Weg hat er auch einen guten Unterstützer durch seinen Papa“, resümierte Tobias Schneider.

Nach Arne Ottos erste Einzelmedaille werden auch bei Vater Steffen die Erinnerungen an seine aktive Karriere wieder lebendig. Zwei Medaillen liegen nebeneinander - eine silberne, die andere glänzt golden. Das Foto postete Steffen Otto nach dem Triumph seines Sohnes und erinnerte sich: Steffens letzte Einzelmedaille bei einer Deutschen Meisterschaft 2002 in Bochum-Wattenscheid und nun Arne mit seiner ersten. Der einstige Thüringer Topsprinter schrieb im Wattenscheider Lohrheidestadion seine eigene Geschichte. 2002 wurde es nochmals Silber über 200 Meter. „Ich bin danach auch zur EM nach München gefahren, um dort ebenfalls 200 Meter zu laufen. Ich war dann ab 2003 immer verletzt, weshalb es meine letzte Einzelmedaille war. 2004 musste ich dann meine Karriere verletzungsbedingt leider schon beenden“, erklärte der 45-Jährige.Die seines Sohnes hat gerade erst begonnen.