Ob in Arnstadt, Dessau oder zuletzt in Bochum: Dominik von Hertlein ist bereits mittendrin in seinem neuen Amt als Stützpunkttrainer der U16/U18 mit Schwerpunkt Sprint/Hürde am Bundes- und Landesstützpunkt in Erfurt. Mitte Mai hat es der 28-Jährige angetreten. Seine eigene Trainingsgruppe will er jetzt nach und nach aufbauen.
Die ersten Wettkämpfe hat Dominik von Hertlein bereits mitgenommen. Nicht nur als Zuschauer, sondern auch als helfende Hand in seinem neuen Amt als Stützpunkttrainer der U16/U18 mit Schwerpunkt Sprint/Hürde am Bundes- und Landesstützpunkt in Erfurt. Sein neues Amt hat er Mitte Mai angetreten. „Es ist ganz gut, dass ich bereits im Mai hergekommen bin, und einige Wettkämpfe verfolgen konnte. Besonders mit dem Blick auf die Altersgruppe der Neunt- und Zehntklässler.“ Bis er richtig durchstarten kann, dauert es noch bis zum Beginn des neuen Schuljahres. „Meine eigene Trainingsgruppe setzt sich jetzt nach und nach zusammen. Angepeilt ist, dass ich sie zum neuen Schuljahr zusammengestellt habe“, sagt Dominik von Hertlein.
Dankbar über Chance
Dass seine Wahl auf Thüringen fiel, hat seine Gründe. So habe er das Bundesland Thüringen schon länger auf dem Schirm gehabt. „Aus Erfahrungen, die ich in Wettkämpfen und im Leistungssport gemacht habe, hatte ich den Eindruck und das Gefühl, dass hier der Stellenwert des Sports ein anderer ist. Das finde ich persönlich sehr angenehm und war mir auch im Hinblick meiner persönlichen Entwicklung immer wichtig. So habe ich die Gelegenheit genutzt, und mich auf die ausgeschriebene Vollzeitstelle, die doch eher selten sind, beworben“, erklärt er die Hintergründe.
Gleichwohl hatte er noch im Hinterkopf eine kombinierte Stelle, wo er seine Kenntnisse der Sportpsychologie mit einbringen kann. „Es hat sich dann herauskristallisiert, dass es mit dieser Traumvorstellung eher schwierig wird. Ich wollte schon gern beides machen, aber jetzt ist es so, dass meine ganze Aufmerksamkeit dem Training gewidmet ist. So wie ich es die letzten zwölf Jahre auch schon praktiziert habe. Dennoch bin ich dankbar über diese Chance und freue mich sehr auf die neue Aufgabe hier im Verband“, sagt Dominik von Hertlein, der sich selbst als Tüftler bezeichnet.
Konkret bedeutet das für ihn: „Ich mag es einfach mit Talenten zu arbeiten, unterschiedliche Leistungsfaktoren parallel zu entwickeln, an Stellschrauben zu drehen, neue Dinge auszuprobieren und in das Training zu integrieren , weitere Leistungsreserven rauszukitzeln.“ Das Thema Sportpsychologie lässt ihn dabei nicht los. Schließlich ist es ein sehr wichtiges Thema. „Dem TLV habe ich es angeboten, es in irgendeiner Weise hier mit reinzubringen. Ich sehe es als wertvolle Ergänzung, jemanden hier zu haben, der das Thema in Form von Workshops, Fortbildungen oder Einzelberatungen abdecken kann. In meiner eigenen Trainingsgruppe kann ich allerdings keine Beratung machen, weil die Bindung zu den Athleten viel zu eng ist.“ Aber soweit ist es noch nicht. Er will langsam in seine neue Aufgabe als Stützpunkttrainer reinwachsen und sich jetzt alles Stück für Stück erarbeiten. „Ich habe immer viele Ideen, aber nicht alles auf einmal.“
Von München über Köln nach Erfurt
Wer ist Dominik von Hertlein? Geboren in München, mit drei Jahren folgte der Umzug aufgrund beruflicher Verpflichtungen seines Vaters nach Bad Homburg, wo er bis zu seinem Studienbeginn wohnte. Köln wurde 2018 seine neue Heimat auf Zeit. Bis jetzt. „Das war wirklich lang. Umso mehr ist jetzt Zeit für etwas Neues. Meinen Lebensmittelpunkt habe ich mit der neuen Trainerstelle nach Erfurt verschoben.“ Seine erste Trainerstelle ist dies aber nicht.
Wie er bereits erwähnte, übt er den Trainerberuf seit zwölf Jahren aus. Angefangen in Bad Homburg, später im Rahmen seines Sportstudiums in Köln. An der Hochschule betreute er zunächst die U16/U18 und nach der Corona-Pandemie eine Erwachsenengruppe, wo er über die Jahre einige sehr gute Athletinnen und Athleten betreuen durfte. Und sogar eine Bobpilotin: Leona Klein. Wodurch er auch Thüringer Luft mit Oberhof schnuppern durfte. So geriet auch Thüringen auf sein Jobradar. „Im Vorfeld wusste ich schon, dass Erfurt ein bekannter Sprintstandort ist, der in der Vergangenheit einige sehr, sehr gute Sprinter hervorgebracht hat und auch immer noch junge Sprinter hat, die wir hier entwickeln müssen. Dafür haben wir hier die Kompetenz und ich hoffe, dass ich meinen Beitrag dazu leisten kann, um den Standort weiter attraktiv zu machen und zu halten.“
Vom einstigen Sprinter zum Trainer
Mit dem Sprint kennt sich Dominik von Hertlein sehr gut aus. War er doch selbst einst Sprinter. Und hatte sogar die Möglichkeit in das Sprintteam von David Corell nach Frankfurt zu gehen. Es sollte anders kommen. „Ich bin nicht so gut geworden, wie es gern sein wollte. Ich war leistungsmäßig einfach nicht in diesem Hochleistungsbereich unterwegs“, sagt der 28-Jährige, der sich parallel um ein Sportstudium an der Sporthochschule in Köln bewarb. Zuerst hieß es noch, er steht auf der Warteliste mit drei Semestern Wartezeit. Darauf hatte er sich innerlich eingestellt und noch auf zwei wunderschöne Sommer als Aktiver auf der Bahn gehofft. Auch mit dem Leistungsgedanken im Kopf – und dem Training in Frankfurt.
Dazu kam es nicht. Er bekam noch einen Nachrückerplatz für sein Sportstudium, den er annahm. Nun ist es so, dass sich mittlerweile viele Studieneinrichtungen auf den Leistungssport eingestellt haben und Rücksicht nehmen. Bei Dominik von Hertlein hätte das so ausgesehen – Studium in Köln, Training in Frankfurt. „Ich hätte nicht in Frankfurt trainieren können und hätte alles allein in Köln machen müssen. Dazu kamen jeden Tag Praxiskurse, so dass eine Regenerationszeit nicht gegeben war. Am Ende war es für mich nicht wirklich machbar, den Leistungssport so nebenher laufen zu lassen. Ich wollte mein Studium auch nicht künstlich in die Länge ziehen. Ich habe mich dann dafür entschieden, meinen Trainerjob auszubauen“, erklärte er.
Im vergangenen Sommer schloss er seinen Master in den Studiengängen Sport und Leistung sowie Sportpsychologie ab. Bereits während des Schreibens seiner Masterarbeit hielt er Ausschau nach entsprechenden Jobangeboten Es sollte nochmal ein gutes Jahr dauern, ehe die Jobsuche erfolgreich war. In Erfurt hat Dominik von Hertlein nun eine neue „Wahl“-Heimat gefunden, wo er sich in den vergangenen Wochen die Thüringer Leichtathletik-Landschaft angeschaut und bereits ein wenig erarbeitet hat. Sei es als Zuschauer oder helfende Hand zur Unterstützung bei den Wettkämpfen.




