Der Trend zum Drehstoß: Christian Sperling auf "Werbetour" in Erfurt

Schaut man sich die Rekordbücher oder die letzten WM-Ergebnisse an, wird klar, wohin die Reise geht: der Kugelstoß-Weltrekord liegt seit 1990 bei 23,12 Meter, erzielt vom US-Amerikaner Randy Barnes – ein Drehstoßer. Wie auch alle acht Finalisten bei den Weltmeisterschaften 2019 in Doha. Die Weltspitze dreht. „Die Drehstoßtechniker sind überall präsent. Es gibt kaum noch Athleten in der Weltspitze, die nicht drehen“, sagt DLV-Nachwuchsbundestrainer Christian Sperling. Bei den Frauen hält es sich etwa die Waage, die eine Hälfte gleitet an und die andere dreht.

Seit fünf Jahren beschäftigt sich Christian Sperling mit der Drehstoßtechnik. Mit seinem Wissen zieht er nun über das Land, um für die Drehstoßtechnik zu werben. In Deutschland hinkt man der internationalen Entwicklung deutlich hinterher. „Wir haben den Anschluss verpasst. Im Spitzenbereich sind wir weit weg von der Weltspitze. Es geht nur über die Basisarbeit, jeden Landesverband anzusteuern und bei den Trainern das Interesse für die Drehstoßtechnik zu wecken“, sagt Christian Sperling. Seitens des Thüringer Leichtathletik Verbandes gab es für interessierte Trainer am Freitag ein Angebot zur Weiterbildung.

Neun Trainer unter anderem Harro Schwuchow, Petra Felke (LC Jena), Richard Debuch (ASV Erfurt) und Holger Kade (LG Erfurt) nutzten die Möglichkeit. In der Erfurter „Hartwig-Gauder-Halle“ führte Christian Sperling durch die zweistündige Weiterbildung. Als Proband hatte er den Dritten der U20-DM, Kevin Reim (WSG Schwarzenberg-Wildenau), mitgebracht. Zunächst ging es um die theoretische Vermittlung der Technik anhand von sehr anschaulichen Bilderreihen und Videos.

Gerade der Sequenzen-Vergleich der US-Amerikaner Joe Kovacs, Ryan Crouser und dem Neuseeländer Tomas Walsh machte deutlich, wie unterschiedlich jeder Athlet die Technik für sich angepasst hat, um das Bestmögliche herauszuholen. Im nachfolgenden Praxisteil demonstrierte Christian Sperling anhand seines Probanden Kevin Reim mit einfachen Trainingsmitteln unter anderem einem Medizinball und einer Gymnastikstange eine methodische Reihe zum Erlernen der Technik.

Für den Erfurter Trainer Richard Debuch zeigte sich an diesem Abend eins: „Ich habe vieles richtig gemacht mit Luise (Anmerk. Luise Weber – ehemalige Kugelstoßerin des ASV Erfurt). Es war eine Bestätigung meiner vorgehenden Tätigkeit. Ich habe in der Stoßauslage ein paar andere Auffassungen, die ich mit Luise im Training praktiziert habe. Ich würde die Stoßauslage ein bisschen anderes einnehmen, ähnlich dem Walsh. Ansonsten war es von der methodischen Reihe genauso wie ich es mit Luise trainiert habe.“

Im Gespräch zeigte er sich als Befürworter der Drehstoßtechnik. Um die Technik zu erlernen, braucht es Zeit und Geduld. „Du musst mit den Athleten mindestens ein Jahr üben. Das ist eine Sache, bei der man Ausdauer beweisen muss. Wenn es dann nicht vorwärts geht, dann bleibe ich bei der Angleittechnik.“ Als Beispiel nennt er Luca Julien Fischer (Erfurter LAC), der zunächst drehte und jetzt wieder angleitet.