Der Leichtathletik-Sommer im Ruhrgebiet geht in die nächste Runde: Die zweite „Ladung“ DM-Titel werden am kommenden Wochenende (10. bis 12. Juli) im Lohrheidestadion in Wattenscheid vergeben. Im Fokus stehen dieses Mal die Talente der Jugend U16 und Jugend U20.
Für die Athletinnen und Athleten der U20 geht es aber noch um viel mehr. Die nationalen Meisterschaften sind der entscheidende Qualifizierungswettkampf für die U20-Weltmeisterschaften in Eugene (USA; 4. bis 9. August). Mit Gloria Herold (Race Erfurt) und Nika Helene Illing (LSV Ilmenau 1971) empfahlen sich zwei Thüringer Athletinnen in der Vorwoche für ein WM-Ticket. Die offizielle Nominierung erfolgt dann nach den nationalen Titelkämpfen.
Leonard Kaufmann und Til Stephan aussichtsreich
Zuletzt hatte Sprinter Felix Wolff (LC Jena) immer wieder mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Er ist über 100 Meter gemeldet, seine Zeit 10,85 Sekunden. Für Trainer Rico May hätte sein Schützling das DM-Ticket auch über 200 Meter verdient. Leider spielte der Wind bis zum Stichtag der Meldung nicht mit. „Er ist so ein bisschen unser Unglücksrabe der Saison. Er ist in Dresden und Dortmund zwei Mal die Norm über 200 Meter gelaufen, aber jedes Mal mit zu viel Rückenwind und die Leistung zählt dann nicht für eine Meldung“, erklärte Rico May. Sehr gut gemeldet ist Leonard Kaufmann (LG Ohra Energie) als Fünfter über 3.000 Meter, wo eine Top-5-Platzierung nicht unmöglich ist.
Nach einer ganz schweren Verletzung in der Hallensaison kämpfte sich Hürdensprinter Merlin Leuthardt (LG Ohra Energie) zurück auf die Bahn. „Er hat sich über die Hürden in seinem ersten U20-Jahr gut wieder herangekämpft und sich von Wettkampf zu Wettkampf gesteigert. Das Ziel ist der Einzug ins Halbfinale“, sagte Rico May. Einen starken Eindruck hinterließ zuletzt Til Stephan (Erfurter LAC) über 3.000 Meter Hindernis, er drückte Mitte Juni in Dresden seine Bestzeit auf 9:00,97 Minuten und verpasste dabei die WM-Norm (9:00,00 min) nur knapp. Bei den weiteren Erfurtern Aaron Lautenschläger, Julian Weißenborn und Pablo Martin geht es um die Verbesserung ihrer bisherigen Bestzeiten.
Hammerwurf: Spannender Kampf um Bronze
Die 17-Meter-Marke fiel zuletzt immer öfters: Lenny Dittmar (BiG Gotha) möchte nun bei den nationalen Titelkämpfen seine neue Stärke unter Beweis stellen und die Kugelstoß-Asse ein wenig ärgern. Er steht mit seinen 17,08 Metern auf Rang drei der deutschen Bestenliste. Der Angriff auf die 17 Meter wie eine Medaille scheinen angesichts seiner Vorleistung nicht unmöglich. Im Hammerwurf fand Alexander Brehm (Erfurter LAC) noch rechtzeitig zu alter Stärke zurück. Mit 67,28 Metern ist er hinter den 70-Meter-Werfern Matti Hummel (Eintracht Frankfurt) und Max Baier (TV Fränkisch-Crumbach) als Dritter gemeldet. Ebenfalls aussichtsreich liegt Trainingspartner Bruno Wedemann (Erfurter LAC; 66,14 m) auf Rang vier. Bei Nils Rauch (SSV Erfurt Nord) geht es primär um die Steigerung seiner Bestleistung. Loris Ritter (Erfurter LAC) brachte am vergangenen Wochenende in der U18-Konkurrenz keinen gültigen Versuch ins Protokoll. Besser will er es nun in der älteren Altersklasse machen.
Im jüngeren U20-Jahrgang befindet sich Speerwerfer Zeno-Rafael Musso (Eisenacher LV), er bewies zuletzt aufsteigende Form, was auch seinen Trainer Tobias Schrock zuversichtlich in Richtung DM-Start blicken lässt. „Er hat noch mal bessere Aussichten wie zuletzt bei seinem Start in der U23, wo er sich auch schon gut verkauft hat. Ein Finalplatz sollte drin sein. Wenn er einen guten Tag erwischt, kann er uns auch überraschen. Ich hoffe, wenn er seine Leistung so abrufen kann, dann wäre das Finale realistisch.“
Ausscheidungsrennen über 800 Meter
In der weiblichen Jugend hat sich U18-Athletin Malina Fromm (Erfurter LAC) mit ihrer Bestzeit von 11,93 Sekunden ins vordere Feld der Meldeliste katapultiert. Sie bekommt nun die Chance, sich mit der älteren Konkurrenz zu messen und kann befreit auflaufen. Großer Erfolg für Tabea Schuchert (SV Concordia Großengottern) und Eva Kaebitz (SSV Schiller-Gymnasium Eisenberg), sich für die DM qualifiziert zu haben. Nach ihrem grandiosen Auftritt in der Vorwoche über 200 Meter startet Luise Schüffler (Erfurter LAC) nun in der höheren Altersklasse. „Sie soll nochmal über 200 Meter Erfahrungen sammeln“, sagt ihr Trainer Tobias Schneider. Sowohl Malina Fromm als auch Luise Schüffler sind Teil der 4x100-Meter-Staffel der StG Race/LAC Erfurt, die eine Top-8-Platzierung anpeilt.
Luise Bauerschlag (LC Jena) startet als jüngerer U20-Jahrgang über 400 Meter. „Nach einer sehr wellenförmigen Saison hoffe ich auf eine Leistung, die in Richtung persönliche Bestzeit geht. Für das Finale wird es noch nicht reichen“, sagte ihr Trainer Rico May. Reichlich Spannung versprechen die 800 Meter mit Helena Guttke und Cäcilia Weimann (beide Race Erfurt), die schon deutlich unter der WM-Norm von 2:07,50 Minuten geblieben sind. In der Meldeliste stehen sie auf den Plätzen eins und drei. Starten wird weiterhin Smilla Bauer (Erfurter LAC). Die Deutsche U18-Meisterin lässt die Saison mit ihrem letzten Start gegen die ältere Konkurrenz in Wattenscheid ausklingen.
Hürdensprinterin Aurora Klotz hochmotiviert
Starten über 3.000 Meter wird Gloria Herold (Race Erfurt), die mit Julia Ehrle (LG farbtex Nordschwarzwald) wie bereits in der Vorwoche über 5.000 Meter starke Konkurrenz an ihrer Seite hat. Ebenfalls stark einzuschätzen ist Pauline Kleesiek (LAV Kassel). Die 3.000 Meter nimmt zudem Helena Manzke (Erfurter LAC) in Angriff. Den positiven Schwung aus der Vorwoche, als Aurora Klotz (LC Jena) das Finale der U23 über 100 Meter Hürden erreichte, gilt es nun in die U20-Konkurrenz mitzunehmen. „Sie ist hochmotiviert. Es geht darum ihre PB anzugreifen, das Finale und vielleicht die U20-WM-Norm [13,70 sec] zu erreichen“, blick ihr Trainer Rico May voraus. Ihre Bestzeit steht bei 13,81 Sekunden. Im letzten Jahr stand Magdalena Huhn (LC Jena) im Hürden-Finale. „Für sie wird es dieses Mal ganz schwer. Umso mehr geht es für sie darum, ihre PB anzugreifen und so nah wie möglich ans Finale heranzulaufen“, sagte Rico May.
Im Konzert der Großen Erfahrungen sammeln, das gilt für die Dritte der U18-DM Victoria Keksel (Gothaer LAC) über 400 Meter Hürden. Angesichts ihrer neuen Bestzeit von 60,59 Sekunden ist ein Finaleinzug nicht unrealistisch. Trainingspartnerin Sandrin Czogalla ist ebenfalls gefordert. „Es wäre toll, wenn sie ins B-Finale rennt. Ich hoffe, sie kann an ihre Trainingspartner anschließen, die allesamt in der Vorwoche starke Ergebnisse geliefert haben“, hofft ihr Trainer Tobias Schneider.
Speerwerferin Lena Benne mit Titel-Chance
Erstmalig bei einer DM dabei ist Leni Hildebrandt (LC Jena) im Weitsprung. „Darauf sind wir richtig stolz. Leni hat noch mehr drauf, ihre Trainingsleistungen sind richtig gut, so dass wir hoffen, dass sie ihre Meldeleistung von 5,80 Meter bestätigen kann und es vielleicht noch weiter nach vorn geht“, meint ihr Trainer Rico May. In der Vorwoche testete Dreispringerin Aspasia Winkler (LC Jena) die Anlage. Mit der Weite zeigten sich Athletin wie Trainer nicht zufrieden. „Die Anläufe waren gut, springerisch lief es noch nicht so richtig. Ich hoffe bei ihr auf eine Endkampf-Teilnahme“, so Rico May. Befreit aufspringen kann Marlene Otto (LC Jena), sie ist die Jüngste aus der Jenaer Trainingsgruppe. „Springerisch hat sie es letzte Woche gut gemacht, aber sie ist nicht zum Brett gekommen und hat viele Zentimeter verschenkt. Das wollen wir jetzt besser machen.“
Beim Schönebecker SoleCup stand endlich die 13 vor dem Komma: Helena Naussed (LC Jena) steigerte sich auf 13,09 Meter im Kugelstoßen. Als Achte gemeldet, ist das Ziel der Einzug in den Endkampf. Das peilt ebenso Laura Berger (ASV Erfurt) mit dem Diskus an. Sie steht als 7. mit 46,65 Metern auf der Meldeliste. Ebenfalls gut platziert ist Hammerwerferin Fabienne Schäfer (ASV Erfurt) als 7. mit 50,86 Metern. Auf Titelmission ist Lena Benne (LC Jena) mit dem Speer unterwegs, sie ist mit der besten Leistung von 49,74 Metern gemeldet.
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