Ein Auf und Ab der Gefühle erlebten die Thüringer U18-Talente bei den Deutschen U18-Meisterschaften in Bochum-Wattenscheid. Ganz besonders die Athletinnen. Nach ihrem Lauf über 2.000 Meter Hindernis musste sich Lucie Schmied in Geduld üben. Für ihre starke Saison belohnte sich Victoria Keksel mit Bronze über 400 Meter Hürden – auch sie kämpfte noch um ein Ticket für die U18-Europameisterschaften in Rieti (Italien; 16. bis 19. Juli).
Für reichlich Spannung war also gesorgt. Und diese begann aus Thüringer Sicht schon am Freitag. Zunächst startete Kimberly Deidersen (SV 1899 Mühlhausen) im ersten von zwei Finalläufen über 2.000 Meter Hindernis. Diesen gewann sie in einer neuen Bestzeit von 7:01,95 Minuten. Ihr alter Hausrekord stand bei 7:25,82 Minuten. Angesichts dieser Leistungssteigerung fiel die Freude umso größer aus. Der Fokus war dann auf den zweiten Finallauf gerichtet. Mittendrin Lucie Schmied (SV Empor Bad Langensalza), die sich noch Hoffnungen auf die Normerfüllung [6:55,00 min] und das EM-Ticket machte. Startplätze gab es nur zwei.
Hoffen auf EM-Ticket
Auch hier purzelten die Bestleistungen. Mit dabei Lucie Schmied, die als Dritte in persönlicher Bestzeit von 6:46,93 Minuten das Ziel erreichte. „Mein Trainer bereitet mich schon relativ gut auf das Rennen vor. Wir machen schon viele Taktikbesprechungen vorher, weil es so viele Wahrscheinlichkeiten gibt, wie es laufen kann. Ich sollte anfangs die Zeiten laufen, die ich sonst auch laufe und den Abstand zu den anderen nicht so groß werden lassen. Die Zwischenzeiten waren dann ein wenig langsamer als erhofft. Dann bin ich für eine Runde nach vorn gegangen, dann kamen die anderen von hinten und ich hatte noch ganz viel Kraft, um mitzugehen. Das Anfeuern hat mir schon sehr viel geholfen und mich beflügelt“, blickte sie auf ihr Rennen zurück.
Auf den vorderen zwei Plätzen landeten Franziska Gräter (TSG Schwäbisch Hall; 6:44,52 min) und Mila Klein (Berliner SV 1892; 6:44,53 min). Damit waren die EM-Plätze eigentlich schon vergeben – und Lucie Schmied als Dritte mit erfüllter Norm kam auf die Warteliste. Aber sie war weiterhin im Hoffnungsmodus, denn Mila Klein war am Folgetag noch über die 1.500 Meter gemeldet. Diese gewann sie in 4:38,80 Minuten und legte darauf ihre EM-Präferenz. Da ein EM-Start nur in einer Disziplin möglich ist, wählte Mila Klein die 1.500 Meter und gab ihren Startplatz über 2.000 Meter Hindernis an die Drittplatzierte – in dem Fall Lucie Schmied – ab. Im 5.000 Meter Bahngehen erreichte Lilly Fenner (ASV Erfurt) in neuer Bestzeit von 25:57,80 Minuten den vierten Platz.
Smilla Bauer gelingt Meisterstück
Am zweiten Wettkampftag absolvierte Malina Fromm (Erfurter LAC) drei Runden über 100 Meter. Mit einem großen Q erreichte sie in 12,18 Sekunden das Halbfinale, wo es mit 12,03 Sekunden nochmals schneller wurde. Als Dritte des ersten Halbfinals ging es mit einem großen Q weiter ins Finale, wo sie auf eine noch schnellere Zeit hoffte. Sie erhoffte Steigerung blieb in 12,08 Sekunden aus. Sie wurde Achte. „Malina hat sich da schon ein bisschen mehr erhofft. Vielleicht war am Ende der Druck doch zu hoch, aber sie hat alles versucht“, sagte ihr Trainer Tobias Schneider. Nach ihrem Coup über 2.000 Meter Hindernis stand Lucie Schmied nur einen Tag später über 3.000 Meter an der Startlinie. Das Rennen vom Vortag forderte ihren Tribut. Die Beine schwer, aber sie kämpfte sich Runde um Runde durch und wurde sogar mit einer neuen Bestzeit von 10:15,14 Minuten sowie Rang vier belohnt.
Zum DM-Finale am Sonntag gab es zwei weitere Medaillen: Für die erste sorgte Smilla Bauer (Erfurter LAC) über 800 Meter. Angesichts ihrer Vorlaufleistung von 2:09,29 Minuten war die EM-Norm [2:09,00 min] absolut in Reichweite, die sie bei ihren beiden DM-Starts nochmals attackieren sollte. Das gelang in beiden Läufen nicht. Stattdessen holte sie in 2:11,08 Sekunden Gold. Darüber war die Freude natürlich ebenso groß. Bereits im Halbfinale lief Victoria Keksel (Gothaer LAC) über 400 Meter Hürden in 60,69 Sekunden zu einer neuen Bestzeit. Diese Zeit sollte die 16-Jährige im Finale nochmals toppen. Nämlich auf 60,59 Sekunden. Für das direkte EM-Ticket sollte diese dennoch nicht reichen. Zwei andere Läuferinnen waren noch schneller über die Hürden unterwegs. Somit steht Victoria Keksel als Drittplatzierte auf der Warteliste im Falle eins Ausfalls. „Zwei Mal persönliche Bestleistung, zwei starke Rennen – und trotzdem hat es nicht für das Ticket nach Rieti gereicht. Das ist natürlich traurig – auch für sie. Hinter ihr liegt eine ganz starke Saison, in der sie sich von Rennen zu Rennen immer weiter gesteigert hat und das wurde mit Bronze, ihrer ersten DM-Medaille, belohnt“, sagte ihr Trainer Tobias Schneider.
Auf ihrer Paradestrecke, den 200 Metern, hinterließ Luise Schüffler (Erfurter LAC) einen sehr starken Eindruck. Das zeigte sich in zwei Zeiten unter 25 Sekunden. Ihren Halbfinallauf gewann sie in neuer Bestzeit von 24,56 Sekunden, womit sie das Ticket für das Finale löste. Dort stand sie im A-Finale im Startblock und kam in 24,81 Sekunden als Siebte in Ziel. Ihre Trainer Tobias Schneider zeigte sich sehr zufrieden mit ihrem Abschneiden: „Das hat sie wirklich grandios gemacht und ist ein ganz großer Erfolg für sie.“







