Wattenscheid U16: Arne Otto egalisiert Deutsche U16-Bestleistung

Das Wattenscheider Lohrheidestadion war am Wochenende erneut Kulisse für Deutsche Jugendmeisterschaften. Um Titel, Medaillen und Bestleistungen ging es dieses Mal für die U16-/U20-Athleten. Fünf Medaillen erkämpften sich die Thüringer Athleten in der männlichen Jugend U16.

Für den ersten goldenen Moment sorgte Lorenz Knorr (Erfurter LAC). Im Weitsprung setzte er die Konkurrenz gleich im ersten Versuch mit 6,64 Metern gehörig unter Druck. Für ihn war es zugleich eine neue Bestmarke, an der die anderen Teilnehmer verzweifeln sollten. „Keine Ahnung, wo ich den Sprung hergeholt habe. Manchmal hat man einfach so einen Sprung. Meiner Trainer hat gesagt, der Sprung war sehr gut. Für mich hat er sich im ersten Moment nicht so weit angefühlt. Ich war ein wenig geschockt“, berichtete der Erfurter, der mit einer schönen Serie glänzte. „In den anderen Versuchen war dann der Druck ein bisschen weg, man ist nicht mehr so angespannt und fühlt sich freier.“

Im sechsten und letzten ging es nochmal auf 6,44 Meter. Der erste Versuch war am Ende Gold wert. „Der Titel bedeutet mir sehr viel. Ich bin gar nicht mit dem ersten Platz in die Konkurrenz gegangen. Ich wollte ein Podest erreichen. Mit dem Titel ist es jetzt umso schöner“, freute er sich über den ersten Platz. Franz Hahn (Erfurter LAC) hatte seinen Trainer Enrico Aßmus über 1.500 Meter Hindernis begeistert. „Er macht über die Strecke den Vize, und wird nur von jemanden geschlagen, der Deutsche U16-Bestleistung laufen muss. Das war top“, sagte Enrico Aßmus. In neuer persönlicher Bestleistung von 4:26,81 Minuten erreichte Franz Hahn den zweiten Platz. Im ersten von zwei Zeitläufen war bereits Emil Mühling (LSV Schmölln) unterwegs gewesen. Er steigerte seine Bestzeit auf 4:41,38 Minuten und wurde Gesamt-Achter. Im Halbfinale über 300 Meter lief Henry Mengs (1. TSV Bad Salzungen) zu einer neun Bestzeit (37,48 sec).

Arne Otto auf den Spuren von Ole Jannis Gratz, Zentimeter-Krimi bei Dreispringern

Am zweiten Wettkampftag lieferten sich die Dreispringer einen Zentimeter-Krimi um die Medaillenplätze. Mittendrin Henry Rudolf Köhler (LC Jena), der im fünften Versuch einen Sprung auf 12,57 Meter in die Grube setzte. Mit dieser Weite lag er vor dem letzten Durchgang auf einem Medaillenplatz. Nun begann das große Zittern. Ihre weitesten Sprünge packten Rafael Hesse (LAZ Soest) und Paul Zukunft (LG Steinlach-Zollern) in der sechsten Runde mit 12,62 und 12,57 Metern aus, die sie auf die Plätze zwei und drei brachten. Aufgrund des besseren zweiten Sprungs gab es für Paul Zukunft Bronze, und für Henry Rudolf Köhler den vierten Platz. Im Hammerwurf gewann Paul Schröder (1. TSV Bad Salzungen 1990) mit 48,67 Metern die Bronzemedaille.

Der Abschlusstag war ein Tag für die Geschichtsbücher. Dafür sorgte Arne Otto (Erfurter LAC) über 80 Meter Hürden. Erst blinkte auf der Anzeige hinter seinem Namen eine Zielzeit von 10,26 Sekunden auf. Nur wenige Sekunden später wurde die Zeit auf 10,25 Sekunden nach unten korrigiert. Es war zugleich die Siegerzeit über 80 Meter Hürden. Aber noch weit mehr als das. Nämlich die Einstellung der deutschen U16-Bestleistung. Im Vorjahr hatte diese Zeit bereits sein Trainingspartner Ole Jannis Gratz (Erfurter LAC) bei den Deutschen U16-Meisterschaften in Ulm egalisiert. Nun war Arne Otto genauso schnell.

„Wenn ich ehrlich sein soll, letztes Jahr als Ole Gratz die Zeit gelaufen ist, dachte ich mir die Wochen danach, vielleicht kann ich das auch und vielleicht will ich das auch schaffen. In den letzten Wochen war ich dann eher zufrieden mit einer 10,40 - eine 10,3 wäre nochmal schön gewesen. Dass jetzt eine 10,25 steht, das hätte ich nicht gedacht. Ein großer Traum hat sich erfüllt“, sagte der Erfurter, der im gleichen Atemzug ein paar Worte an seinen Mitkonkurrenten Fabian Stadie (SG Egelsbach 1874 e.V.) richtete. Dieser war im Finale gestürzt. „Schade natürlich für ihn. Ich denke, für ihn wäre im Finale auch viel gegangen.“ Und noch ein Thüringer setzte sich stark in Szene: Paul Pelger (LG Ohra Energie). Er ergatterte sich nach dem Halbfinale mit einer Zeit von 11,08 Sekunden den letzten Finalplatz. Dort wurde es dann nochmals ein bisschen schneller, er steigerte seine Bestzeit auf 11,03 Sekunden und wurde Siebter.

Louis Charles Görtz mit nächstem 60er, Top-5-Platzierungen für Franz Hahn und Jonas Heinke 

Louis Charles Görtz (Gothaer LAC) hat im Speerwurf gezeigt, dass sein erster Wurf über 60 Meter bei den Thüringer Landesmeisterschaften in Arnstadt keine einmalige Sache und kein glücklicher Wurf über diese Marke war. Zu seinem ersten 60er kam nun in Wattenscheid der zweite hinzu. Im dritten Versuch jagte er sein Arbeitsgerät auf eine neue Bestleistung von 60,63 Metern. „Es war purer Adrenalinschub. Alle haben mich angeklatscht. Dann wirfst du 60,63 – einfach ein geiles Gefühl Ich habe es sofort gespürt, dass es sehr weit ging. Von der Technik her war der Versuch sehr gut“, blickte der Sieger auf seine Spitzenweite zurück. Im Versuch davor hatte er sich mit 58,05 Metern der Marke schon langsam angenähert. „Die 60 Meter waren auch für heute das Ziel. Es hätte vielleicht noch ein Stück weiter gehen können. Aber wir wollen uns nicht beschweren – Deutscher Meister ist Deutscher Meister.“

Mit weiteren Top-Platzierungen endeten die Deutschen U16-Meisterschaften für Franz Hahn, der im Finale über 800 Meter in 2:01,38 Minuten den vierten Platz belegte, und Jonas Heinke (SV Concordia Großengottern), der über 300 Meter Hürden mit neuer Bestzeit von 41,57 Sekunden ins Finale stürmte. Dort wurde er in 41,88 Sekunden starker Fünfter.

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