Walldorf: EM-Tickets für Rimke und Wallstein

Träume werden wahr: Benedikt Wallstein und Chantal Rimke lösten am Samstag bei der U18-Gala in Walldorf ihr Ticket für die U18-Europameisterschaften in Jerusalem. Mit Spitzenzeiten brillierte Sprinterin Hanna Räpple, Emma Herwig pulverisierte ihren eigenen Landesrekord über 2.000 Meter Hindernis und Karl Geburek verpasste knapp die EYOF-Norm.

Der Sommer legte ordentlich zu: Bei Temperaturen weit über 30 Grad erlebten die jungen Athleten eine wahre Hitzeschlacht. Schattenplätze waren an jenem Tag mehr als heiß begehrt. Aus dem Schatten ins Licht: Für einen glänzenden Auftakt sorgte Chantal Rimke (LC Jena), die ihre 3-Kilo-Kugel im sechsten und letzten Versuch über die 16-Meter-Marke stieß und als Zweitplatzierte hinter Jolina Lange (LV 90 Erzgebirge; 16,95 m) ihr erstes internationales Ticket für die U18-Europameisterschaften in Jerusalem (Israel; 4. bis 7. Juli) löste. „Chantal hat einen super Wettkampf abgeliefert und erneut gezeigt, wie sie kämpfen kann. Wir hatten die letzten beiden Wochen das Training noch einmal angezogen und in der Kraft die Belastung noch einmal gesteigert. Jetzt folgt die Wettkampfvorbereitung auf Jerusalem“, sagte ihre Trainerin Petra Felke.

Der Traum wird Realität

Ausgelassene Stimmung bei Benedikt Wallstein (Gothaer LAC): Mit einem Doppelerfolg über 100 und 200 Meter krönte der 17-Jährige seinen Wettkampf – und darf sich nun ebenfalls über sein Debüt im Nationaltrikot freuen. „Ich träume davon, seitdem ich als U16-Athlet wusste, die U18-EM findet in Rieti statt. Der Traum ist jetzt Realität. Dabei mache ich eigentlich nur das, was mir Spaß macht und kann ganz nebenbei noch um die Welt reisen“, zeigte er sich dankbar und erfüllt über diese sportliche Möglichkeit.

Aus Rieti wurde Jerusalem: Im Jahr 2020 auf das Jahr 2021 verschobenen, fielen die Titelkämpfe der U18-Talente in Rieti der Corona-Pandemie zum Opfer, sie wurden ganz abgesagt. Nun also Jerusalem. Im Vorfeld der U18-Gala hatte Benedikt Wallstein gleich drei EM-Normen über 100, 200 Meter und im Weitsprung erfüllt. Die Entscheidung fiel zugunsten der Sprintstrecken, wo er Anlauf für die ersten beiden Plätze nahm. Den Erwartungen hielt er stand: Angekündigt im Livestream als „absoluter Dominator über die Kurz-Sprintstrecken“ gewann er den Vorlauf bei leichtem Gegenwind in 10,68 Sekunden. Überragend sein Auftritt im Endlauf, den er mit 10,49 Sekunden für sich entschied.

Aus dem Licht in den Schatten. Vier Stunden galt es anschließend bis zu seinem Start über 200 Meter zu überbrücken. „Wir haben bewusst die Wettkampfstätte verlassen und sind ins klimatisierte Hotel zurück“, erklärte seine Mama Stefanie. Richtig cool geblieben ist ihr Sohn dann über 200 Meter, wo er abermals eine starke Vorstellung ablieferte und in 21,25 Sekunden das zweite EM-Ticket an diesem Tag löste. „Beide Rennen habe ich aus dem vollen Training heraus gemacht. Ich bin mit den Zeiten absolut zufrieden. Meine Bestzeit über 100 Meter habe nochmals bestätigt, über 200 Meter bin ich eine Zehntelsekunde über meiner Bestleistung geblieben“, sagte Benedikt Wallstein.

Kristische Töne, Hanna Räpple mit zwei Spitzenzeiten

An der Seite stand mit Tobias Schneider ein mehr als stolzer Trainer, der sich für seinen Schützling freute. In seine Freude mischten sich auch einige kritische Töne. „Es war von Benedikt zweimal eine gute Leistung. Er hat wieder geliefert, als es drauf ankam. Ihn einfach auch mal zu belohnen, beide Strecken bei der EM rennen zu lassen, da kam man uns leider nicht entgegen – und da bin ich etwas enttäuscht, dass sich Leistung nicht durchsetzt. Es steht nirgendwo in den Nominierungsrichtlinien geschrieben, dass ein Doppelstart ausgeschlossen ist.“

So musste noch am Tag des Wettkampfs eine Entscheidung her: 100 oder 200 Meter? „Wir werden innerhalb von kürzester Zeit gezwungen, zwischen Tür und Angel, eine Entscheidung zu treffen. Wir werden sicherlich die 100 Meter angehen, so haben wir es erstmal präferiert.“ Eine endgültige Entscheidung steht aber noch aus. Abgewartet werden muss jetzt die offizielle Nominierung, wo der endgültige Kader für die U18-EM in den nächsten Tagen bekannt gegeben wird. Und somit auch, ob es für Benedikt Wallstein nicht vielleicht doch ein Happy End gibt. „Ich würde mich natürlich über einen Doppelstart freuen. Ich wäre aber auch nicht sauer, wenn es jetzt nur die 100 Meter sind.“

In einem national hochklassigen Teilnehmerfeld brillierte Hanna Räpple (Gothaer LAC) mit zwei absoluten Spitzenzeiten über 100 und 200 Meter. Als Zweite ihres Vorlaufs erreichte sie mit einem kleinen q das A-Finale, wo sie in sehr flotten 11,87 Sekunden als Drittplatzierte sogar die Norm für die U18-EM unterbot. Zudem pulverisierte sie ihre Bestzeit um mehr als zwei Zehntel. Über 200 Meter folgte mit 24,86 Sekunden die nächste neue Bestzeit. Für sie war es das zweite Rennen in Folge unter der 25-Sekunden-Marke. Im dritten von drei Vorläufen über 100 Meter startete Mia Kirchner (ASV Erfurt), sie erreichte das Ziel in 12,86 Sekunden. Im Hammerwurf erreichte Verena Wesser (LV Gera) mit 52,18 Meter den sechsten Platz.

Topzeiten über 2.000 Meter Hindernis

Die Hindernisläufer zündeten das nächste Feuerwerk der Topleistungen: Zuerst Emma Herwig (SV 1899 Mühlhausen), die sich mit einer starken Zeit über 2.000 Meter Hindernis in 6:59,43 Minuten deutlich steigerte und Rang drei belegte. Sie blieb erstmals unter der 7-Minuten-Marke und verbesserte ihren eigenen Landesrekord um fast fünf Sekunden. Neue Bestleistungen hagelte es zudem bei den Jungs: Bester Thüringer wurde Karl Geburek (ASV Erfurt; 6:11,13 min) als Dritter. Gefolgt von Fabio Schönfeld (Erfurter LAC; 6:13,16 min) und Jonathan Enders (1. TSV Bad Salzungen 1990; 6:21,77 min). Siebter wurde Ben Frerichs (Erfurter LAC; 6:24,80 min).

Mit den Leistungen seiner Athleten war Trainer Enrico Aßmus sehr zufrieden: „Karl ist wirklich alles von vorn gelaufen. Teilweise haben ihn die Älteren ein bisschen verhungern lassen. Er hat es gut gemacht und ist nebenbei nur eine Sekunde an der EYOF-Norm vorbeigelaufen. Alle haben persönliche Bestzeiten bei den sehr heißen Temperaturen realisieren können. Vor den Sportlern muss absolut den Hut ziehen.“ -sam-

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