Vergoldet: Starker Schlussspurt sichert Robin Müller den DM-Titel

Das feine Gespür: Wie gut, dass es Trainer gibt, die die Rundenzeiten stoppen, aufschreiben und auswerten. Vielleicht wäre sonst eine wichtige Erkenntnis verborgen geblieben. In seinen Wettkämpfen kristallisierte sich bei Robin Müller nämlich die Schlussrunde als schnellste heraus. Der 17-jährige Schleizer hatte bei den Deutschen Jugend-Meisterschaften in Heilbronn den besseren „Kick“ und sicherte sich mit einer starken letzten Runde über 3.000 Meter den DM-Titel.

Es war eine Rennen, in dem es hieß, geduldig zu bleiben. Im einträchtigen Miteinander spulte das Nachwuchsfeld der U18 Runde für Runde ab. Kein Athlet ergriff die Initiative, um aus dem Feld auszubrechen. Zwischendurch wanderte der Blick von Robin Müller (Erfurter LAC) auf die Tribüne zu Trainer Enrico Aßmus. Kein Zeichen, das ihm hätte etwas anderes sagen sollen. Wozu auch. Wussten doch Trainer und Athlet um die besondere Stärke auf der Schlussrunde. Und eben jene spielte Robin Müller auf den letzten 400 Metern gekonnt aus.

„Ich habe auf der letzten Runde überhaupt nichts mehr gedacht, habe meinen Kopf ausgeschaltet und bin gelaufen. Du läufst dann nur gegen dich selbst. Im Ziel habe ich dann eine enorme Erleichterung gespürt“, berichtet der neue U18-Meister über 3.000 Meter. Angesichts seiner Vorleistungen zählte er sich mit zu den Medaillenkandidaten. Den Titel hielt der Youngster ebenso für möglich. Doch dafür müssen immens viele Puzzleteile zusammenpassen. In diesem Rennen passte es für den jungen Thüringer, der seinen ersten nationalen Erfolg feiern durfte.

Zweimal ausgebremst

Und das auf einer eher für ihn eher ungewohnten Strecke. Im Vorjahr startete der bei der Jugend-DM in Ulm über 2.000 Meter Hindernis, er wurde Neunter. In diesem Jahr verlief die Planung durch die Corona-Pandemie etwas anders. Im Nachgang ein Umstand, der ihm sicherlich nicht allzu schmerzlich erschien. Doch der Reihe nach: Die Hallensaison musste er auslassen. Für das Aus sorgte eine hartnäckige Erkältung. Also lag nun der Fokus auf der Vorbereitung für die Freiluftsaison - ausgebremst durch die Corona-Pandemie. „Das war keine einfache Zeit. Für mich war es Zuhause schwer, alleine zu trainieren. Irgendwie habe ich mich dann doch motivieren können, alles durchzuziehen. Das hat sich vielleicht jetzt ausgezahlt“, beschreibt Robin Müller die Situation.

Die Hindernisse hatte er für 2020 mit ins Auge gefasst. Nur war es dann schwer, gezieltes Training speziell die Technik allein zu trainieren. Über die Saison verteilt folgten Rennen über 1.500 und 3.000 Meter. „Es hat sich gezeigt, dass ich flach stabilere Leistungen gezeigt habe.“ Für Heilbronn standen die 1.500 Meter nicht zur Debatte. Nach dem Ausloten der Konkurrenzsituation erwiesen sich die 3.000 Meter als die geeignetste Strecke. „Mehr Spaß machen mir die 3.000 Meter. Sie kommen mir mehr entgegen. Das Tempo über 1.500 Meter ist schneller, man muss sich mehr durchbeißen und sich stärker ein Herz fassen, um an der Konkurrenz dranzubleiben.“

Bruder Marcus stellt die Weichen

Schön früh hat sich gezeigt, dass Robin Müller auf den Laufstrecken zu Hause ist. Daheim beim VfB Schleiz, seinem Heimatverein. Zumal sich dort auch die ersten Erfolge einstellten. Damit schlägt er in die Richtung wie sein Bruder Marcus. Ebenfalls erfolgreicher Mittel- und Langstreckenläufer, der nach wie vor läuft, aber nicht mehr im Bereich des Leistungssports. Wie sein großer Bruder wagte Robin Müller den Sprung auf die Sportschule. „Meine Eltern hatten mich mehrmals gefragt, ob ich das auch wirklich will. Ich wollte es, weil ich schon sehr lange für mich als Ziel vor Augen hatte.“

Das war vor zwei Jahren. Bereut hat der Zwölftklässler diesen Schritt nicht. Denn schnell stellten sich bei ihm die ersten Fortschritte ein. In seiner ersten Hallensaison als Sportschüler konnte er seine Bestzeiten steigern. „Ich habe mich in der Technik und im Laufstil enorm verbessert.“ Die Arbeit der Trainer, Enrico Aßmus und Alexander Fromm, trug erste kleine Früchte. Das Training ist täglich durchgetaktet. Mittwochs warte auf ihn die anstrengendste Einheit unter anderem mit Tempoläufen. „Bei uns ist es so, dass wir meistens drei Belastungswochen haben, danach eine Woche Ruhe“, erklärt Robin Müller.

Gelegentliches Training mit den Älteren, Fokus auf 2021 in einer neuen Altersklasse

Es kommt sogar vor, dass die Jüngeren mit den erfahrenen Athleten wie den Hindernisassen Tim Stegemann und Martin Grau trainieren und sich dann den einen oder anderen Tipp holen. Das ist aber eher die Ausnahme. „Oft kommt es nicht vor, dass wir gemeinsam trainieren. Die Älteren haben meist ein anderes Programm oder sind in Trainingslagern.“ Wichtig ist die eigene Trainingsgruppe, in der momentan die weiblichen Nachwuchs-Läuferinnen etwas dominieren. „Das klappt ganz gut“, sagt Robin Müller schmunzelnd.

Nach einem für ihn sehr erfolgreichem Abschluss der Freiluftsaison schaut er schon auf das kommende Jahr voraus. Sein erstes in der neuen Altersklasse U20. Die Hallensaison ist durchaus ein Thema wie auch die Deutschen Jugend-Hallenmeisterschaften. Weiter im Fokus bleiben für den Sommer die Hindernisse. Wenngleich es dafür noch einiges zu tun gibt. Gerade wenn es um die Technik geht. „Es fehlt mir einfach die Erfahrung - sei es über den Wassergraben wie auch über die Hürden. Vom Läuferischen sahen die bisherigen Wettkämpfe nicht schlecht aus. Wenn ich das mit der Technik noch hinbekomme, dann kann es ein richtig gutes Ding werden.“ So wie die 3.000 Meter flach, als ihm in Heilbronn das „große Ding“ gelang.

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