U23-DM: Alina Schönherr holt dank starkem Finish Bronze

Diese Bronzemedaille am Abschlusstag der U23-DM war ein hartes Stück Arbeit: Alina Schönherr kämpfte sich über 800 Meter zur Medaille. Es war zugleich die erste von vier Thüringer Medaillen, die sich die U23-Asse im Wattenscheider Lohrheidestadion erarbeiteten.

Was für ein Finish! Alina Schönherr (LSV Schmölln) gab auf den letzten Metern nochmal richtig Gas und belohnte sich über 800 Meter in 2:06,70 Minuten mit der Bronzemedaille. Nur freuen konnte sie sich in diesem Moment nicht. Ihr Gesicht war gezeichnet von den letzten Metern. Total erschöpft stand sie im Ziel, fasste sich an ihren linken Oberschenkel und humpelte dann mit schmerzverzerrtem Gesicht nur einige Meter weiter, ehe sie sich auf eine etwa hüfthohe Mauer setzte und ihren Oberkörper leicht in das weiche Gras fallen ließ. „Ich dachte, ich bekomme einen Beugerkrampf im Ziel“, erklärte sie ihren Abgang.

Ein hartes Stück Arbeit

Sie blieb dort einige Minuten liegen, ehe sich langsam wieder aufrichtete. Dann verließ sie das Stadion und suchte sich direkt hinter der Tribüne ein schattiges Plätzchen, um sich weiter zu erholen. Dieser Endlauf hatte ordentlich Kräfte gekostet. „Der Vorlauf war schon ein hartes Stück Arbeit. Ich wollte eigentlich ein bisschen langsamer laufen und war dann im schnellsten der drei Läufe. Es war auch noch der erste, wo du dir ein großes „Q“ sichern musst. Ich wusste dann auch nicht, wie schnell wir waren. Das habe ich dann erst im Ziel gesehen“, berichtete Alina Schönherr.

Sie sicherte sich als Zweite das große „Q“ und stand am Folgetag im Finale. Sie hatte sich gesagt, als Sechste war sie gemeldet, „irgendwie mitlaufen und schauen, was am Schluss noch so geht“. Etwa 300 Meter vor dem Ziel lag sie an fünfter Position – in Reichweite zu den Podestplätzen. „Ich bin ehrlich: 300 vor dem Ziel dachte ich kurz, komm du rennst das Ding jetzt irgendwie nach Hause und holst dir den fünften Platz. Das ist auch gut.“ Aber nein. Irgendwas, mag es der innere Ehrgeiz gewesen sein oder das Näherkommen an die vor ihr laufenden Athletinnen, trieben sie zu einem furiosen Endspurt. „Auf der Zielgerade lag ich hinter der Vierten, dann sagt man auch nicht c´est la vie.“ Kämpfen lohnt sich, bis zum letzten Meter. In dem Fall wurde Alina Schönherr mit Bronze belohnt.

Supotimaler Saisonverlauf

Diese Medaillenfarbe hatte es bereits im Vorjahr in Koblenz gegeben. Die Wiederholung dieses Erfolgs war um einiges schwieriger, verlief doch ihre Saison in diesem Jahr eher suboptimal. Drei Rennen hatte sie bis zu ihrem DM-Start in Wattenscheid absolviert. Und das waren eben jene drei Rennen innerhalb von einer Woche. „Das war im Nachhinein betrachtet vielleicht zu viel. Ich bin dann krank geworden und hatte zehn Tage zu kämpfen gehabt. Es war dann schwer wieder reinzukommen. Bis Wattenscheid war ich acht Wochen ohne Wettkampf“, erzählte sie von ihrer eher mäßigen Saison.

Gemeldet war sie bereits vorher schon für die Aktiven-DM in Berlin. Sie verzichtete auf einen Start. Dabei war sie eigentlich fit. „Ich war relativ fit, konnte Dauerläufe machen, aber hatte das Problem, dass ich zehn Tage keine Spikes anhatte und somit keine schnellen Schritte auf der Bahn machen konnte. Das hätte in Berlin richtig schief gehen können, mit einer derben Klatsche. Da spielt dann bei mir auch der Kopf eine große Rolle. Das wollte ich nicht.“ Stattdessen erwies es sich als weise Entscheidung die Aktiven-DM zugunsten der U23-DM auszulassen. „Im Nachhinein auf jeden Fall“, sagte sie lächelnd. Schon einmal musste sie ihren DM-Start in Berlin absagen. Nämlich 2019. Es will einfach nicht klappen – mit ihr und Berlin. „Die Bronzemedaille bei der U23 ist jetzt ein versöhnlicher Abschluss. Aber jetzt, wo die Form passt, könnte ich eigentlich noch den einen oder anderen Wettkampf mitnehmen. Ich hätte schon ganz gern eine 2:05 vorn stehen, weil ich es an sich rennen kann.“

Vielleicht ergibt sich noch die Chance. Wobei das Sportliche in den vergangenen Tagen etwas in den Hintergrund geriet, weil nebenher noch Prüfungen für ihr Studium anstanden. Doch auch diese Zeit hat ein absehbares Ende und ihre Laufsaison könnte dann womöglich in eine „Late Season“ gehen. -sam-