Torun: Ein Motivationskick für den Sommer

Tue ganz einfach das, was du liebst: Im Fall von Julian Wagner schnell rennen. Genau jene Worte waren es, die ihm Heimtrainer Tobias Schneider für sein internationales Debüt bei der Hallen-EM in Torun mit auf den Weg gab. Er stellte keine Erwartungen an seinen Athleten. Der 22-Jährige sorgte mit dem Einzug ins Halbfinale für das i-Tüpfelchen auf eine ohnehin schon grandiose Hallensaison. Eine Verschnaufpause ist ihm nicht gegönnt. Der Fokus liegt auf den World Relays (1./2. Mai) und der Olympia-Qualifikation der deutschen Sprintstaffel.

In diesem Winter hat Julian Wagner (Top Team Thüringen) für reichlich Furore gesorgt. Mit schnellen Rennen wie Zeiten. Der Ausreißer kam bei den Deutschen Hallenmeisterschaften mit der neuen Hallen-Bestzeit von 6,59 Sekunden. Genau in jenem Bereich sollte es für ihn bei seinem ersten internationalen Einzelstart über 60 Meter in Torun gehen. „Ich möchte gern das an Zeiten abrufen, was ich in den vergangenen Wettkämpfen gezeigt habe“, verwies der deutsche Hallen-Vizemeister auf sein stabiles Niveau. In jedem seiner Rennen blieb er unter der Marke von 6,70 Sekunden. Tendenz eher an die magische Marke von 6,60 Sekunden.

Aktiven-Debüt: Julian Wagner sprintet ins Halbfinale

Für ihn war die Qualifikation sowie die Teilnahme an der Hallen-EM schon einer großartiger Erfolg. Seinen Einsatz krönte er am Samstag mit dem Einzug ins Halbfinale. Danach war für ihn Endstation. Etwas haderte er mit seinen Zeiten. Im Vorlauf 6,67 Sekunden, im Halbfinale 6,68 Sekunden. „Ich bin in der Vergangenheit immer stabil unter 6,65 Sekunden gelaufen. Es ärgert mich ein bisschen, dass ich das nicht im Halbfinale zeigen konnte. Eigentlich ist es meine Stärke, bei Höhepunkten das abzurufen, was ich draufhabe. Dennoch bin ich froh, dass ich die Chance hatte hier zu starten“, sagte er nach seinem Halbfinal-Aus gegenüber leichtathletik.de.

Enttäuscht sein muss er nicht. Auch wenn die Vorleistungen etwas anderes suggerierten. „Wir sind nicht zur Hallen-EM mit dem Ziel gefahren, ins Finale zu kommen, das wäre alles nur eine grandiose Zugabe gewesen. Da muss man nun auch einmal mit dem Halbfinale bei seinem ersten Einsatz bei den Aktiven zufrieden sein“, meint Heimtrainer Tobias Schneider, der die Rennen am Livestream verfolgte und gehörig mitfieberte. „Es war auch für mich ein aufregender Tag.“

Die Hallen-EM als Lernprozess: Sein erster internationaler Auftritt bei den Aktiven dürfte Julian Wagner einen gehörigen Schub in Richtung Sommer geben. Das sind Momente wie Tage, die man als Sportler abspeichert, positive wie negative Lehren zieht und sich erinnert, wenn solch eine Situation wieder eintritt. „Wichtig ist es, Erfahrungen zu sammeln, damit ich es im Sommer besser machen kann“, sagte der Youngster. Darauf hofft ebenso sein Trainer: „Aus diesen ganzen Abläufen und Gegebenheiten hoffe ich, dass er diese Erfahrungen mitnimmt für kommende internationale Aufgaben.“

Keine Pause für das erste große Ziel: Olympia-Quali mit Sprintstaffel

Normalerweise würde nach solch einer Hallensaison eine kurze Saisonpause folgen. Nicht aber in diesem sehr speziellen Jahr. Nach der Verlegung der Olympischen Spiele auf diesen Sommer geht es sogleich am Montag wieder ins Training. So steht nämlich noch in diesem Monat ein Staffel-Trainingslager wohl in Zypern an. „Julian Reus und Julian Wagner haben eine Einladung erhalten. Es fliegen acht Mann in dieses Trainingslager. Schließlich muss sich die deutsche Staffel noch für Olympia qualifizieren“, verweist Tobias Schneider auf herausfordernde Wochen.

Die Zeit sitzt den Trainern wie Athleten etwas im Nacken. Bis zu den World Relays (inoffiziell Staffel-WM) im polnischen Chorzow (1./2. Mai) verbleiben ihnen zwei Monate. Eine Zeit, die ihnen alles abverlangen wird. Julian Wagner blickt dieser aber mit voller Vorfreude entgegen. „Ich hätte mich schon auf eine Saisonpause gefreut. Anderseits muss ich sagen, dass ich mich nach dieser erfolgreichen Hallensaison freue, die gute Form aus der Halle nun draußen auf die Bahn zu bringen.“

Schließlich soll es im Sommer nicht nur für ihn wieder schnelle Rennen geben. Mit Julian Reus, Luis Brandner und Aleksandar Askovic stehen drei weitere schnelle TopTeam-Sprinter in den Startlöchern, die ebenfalls brennen und in der Freiluftsaison wieder angreifen wollen. Getreu dem Motto: Tue ganz einfach das, was du liebst. -sam-