Starkes Debüt im Nationaltrikot: Riedel-Zwillinge überzeugen bei Team-EM mit Bestzeiten

Es ist dieser Moment, auf den sie die vergangenen Tage sehnsüchtig hingefiebert haben. Und dann ging alles ganz schnell. Irgendwie zu schnell vorbei. Ihr Debüt im Nationaltrikot verlief für die Nachwuchs-Geherinnen Lena und Sina Riedel mehr als erfolgreich. Sie konnten bei den Team-Europameisterschaften der Geher in Podebrady ihre Bestmarken über 10 Kilometer steigern und belegten in der Teamwertung der Jugendklasse U20 den fünften Platz.

Aufgeregt und hibbelig beschreibt ganz gut die Gefühlslage von Lena und Sina Riedel (ASV Erfurt) vor ihrem ersten großen internationalen Start. Neues prasselte auf die beiden ein. Gerade auch durch die strengen Einreisebeschränkungen nach der Anreise. Sie mussten, wie das gesamte Team, einen PCR-Test machen und dann warten. Quarantäne, sechs Stunden. Sie mussten auf ihrem Zimmer bleiben. Glücklicherweise ein Doppelzimmer. Eine absolute Ausnahme in diesen Zeiten. Normalerweise gibt es für jeden Athleten ein Einzelzimmer. „Wir sind Geschwister, ein Haushalt und waren zusammen auf einem Zimmer. So konnten wir uns entspannt die Zeit vertreiben“, berichtet Lena Riedel.

Ein schneller Streckenkurs

Irgendwann kam die erlösende Nachricht, alle im Team sind negativ. Und sogleich ging es noch am Ankunftstag raus auf die Strecke. Da war es schon 21 Uhr. „Wir haben dann bis 22 Uhr trainiert. Wir waren zugleich froh darüber, dass wir noch zwei Tage bis zum Wettkampf hatten“, berichten beide. Als Unterstützung standen ihre Eltern mit an der Strecke. „Sie waren ganz aufgeregt und enthusiastisch. Pflicht war eine Maske und ein negativer Test, den sie vorweisen mussten, um uns an der Strecke anzufeuern.“ Die Langstrecken-Geher waren schon gut unterwegs, als ihr Startschuss über 10 Kilometer fiel.

Die Nervosität wich. „Als es zum Start ging, war ich schon wieder etwas entspannter“, sagt Lena Riedel. Der 1-Kilometer-Rundkurs in Podebrady sei prädestiniert für schnelle Zeiten. „Die Strecke liegt uns, auf der wir bisher immer sehr gute Zeiten gegangen sind.“ Die ersten fünf Kilometer verliefen nach Plan. Die Zeit stimmte. „Es hat alles gut gepasst“, berichtet Lena Riedel. Es folgten die zweiten fünf Kilometer – und die hatten es mächtig in sich. Insbesondere drei davon. „Von Kilometer sieben bis neun war es schon richtig hart. Man hatte die Trainingskilometer der vergangenen Wochen in den Beinen gespürt und kein ganz frisches Gefühl mehr, um auf den letzten Kilometern noch zusätzliche Energie freizusetzen.“

Auf der Schlussrunde wurde es dann trotzdem nochmal schnell, so dass sich im Ziel zwei völlig verausgabte Nationalkader-Neulinge über zwei Bestzeiten freuen konnten. Lena Riedel wurde in 49:33 Minuten Neunte, Schwester Sina in 49:58 Minuten Elfte sowie Rang fünf in der Teamwertung. „Ich bin einfach nur froh, dass vor dem Komma eine 49 steht. Lena war als Erste von uns beiden im Ziel, hat die Zeit gesehen und gerufen, dass ich schneller gehen sollte. Mein Zielsprint hat sich gelohnt“, sagt Sina lächelnd.

Schritt für Schritt in Richtung internationaler Norm

Völlig erschöpft saßen beide auf dem Asphalt und sahen fast schon ein wenig ungläubig, wie eine nach der anderen Geherin ins Ziel kam. „Das Rennen war eine tolle Erfahrung. Das Positive an diesem Tag überwiegt. Wir haben erstmals internationale Luft geschnuppert und haben uns in diesem Feld mit zwei Top-12-Platzierungen behauptet.“

Gleichwohl deckte das Rennen auch kleinere Schwachstellen auf. Diese gilt es jetzt aufzuarbeiten, zu analysieren und daran zu arbeiten, um es in den nächsten Wettkämpfen besser zu machen. „Erst die Deutschen Meisterschaften, jetzt die Team-EM, man gewinnt von Wettkampf zu Wettkampf an Erfahrung“, sind sich beide einig. Für den weiteren Saisonverlauf sind noch zwei, drei Rennen in Planung, wo sie die Normen gehen können. Nämlich die für die U20-Europameisterschaften in Tallinn (Estland; 15. bis 18. Juli). Dafür sind 49:00 Minuten gefordert. Das wäre der erste Schritt. Der zweite schon mit Weitsicht. Es ist ihr letztes U20-Jahr. Nächstes Jahr starten sie in der U23, die Kadernorm liegt bei 48:30 Minuten.

Ein Trikot, ein Team

Hinter ihnen liegen nun ein paar aufregende Tage. Mit vielen neuen Eindrücken. Die Arbeit, das Training der vergangenen Monate und Jahre wurde in diesen Tagen mit einem tollen Debüt gekrönt. Sie waren am Sonntag erstmals fester Teil des deutschen Teams. Das Nationaltrikot wollen sie nach ihrer Premiere nicht mehr so schnell hergeben. „Es macht einen stolz, selbstbewusster, weil man jetzt ein Teil dieser Gemeinschaft ist. Ja, es ist schon ein geiles Gefühl, es geschafft zu haben“, sagt Lena Riedel.

Es befördert zugleich den Teamgedanken - ein Trikot, ein Team. „Vor unserem Wettkampf haben wir die Geher über 50 Kilometer angefeuert, danach die Starter über 20 Kilometer. Wir haben uns in diesen Tagen wie eine Einheit gefühlt. Jeder feuert jeden an“, beschreibt Sina Riedel das für sie neue Gemeinschaftsgefühl. Dieses wollen sie jetzt noch öfters erleben und auf diese besonderen Tage hinfiebern. -sam-