Senioren-DM: Hallenrekord, Bestleistungen und Medaillenflut

Immer wieder ballte er seine Hände zu einer Faust – und lächelte dabei. Rudolf König hatte allen Grund zur Freude. Bei den Deutschen Hallenmeisterschaften der Senioren in Erfurt steigerte der Athlet vom Saalfelder LV den fast 14 Jahre alten deutschen Hallenrekord in der M65 über 60 Meter um satte 13 Hundertstel auf 7,94 Sekunden. Die bisherige Bestmarke stand bei 8,07 Sekunden, gehalten von Guido Müller (TSV Vaterstetten). Für König war es sein erster DM-Titel von zwei. Den zweiten ließ er über 200 Meter folgen, Silber holte er sich über 400 Meter.

 

Die Thüringer Athleten zeigten sich an allen drei Wettkampftagen bestens aufgelegt, überzeugten mit Bestleistungen und holten 34 Medaillen. Zu bejubeln gab es sieben Titel, 17 Silber- und zehn Bronzemedaillen.

Für einen Auftakt nach Maß sorgten die Geher am Freitagabend. Udo Schaeffer (ASV Erfurt; M65) holte sich über 3.000 Meter Bahngehen den Titel in 17:07,04 Minuten. Jeweils Silber ergingen sich Andreas Wild (SV Einheit 1875 Worbis; M35) in 16:33,85 Minuten und Ronald Papst (SV Einheit 1875 Worbis; M55) in 17:27,62 Minuten. In der Aktivenklasse lagen Karl Junghannß (LAC Erfurt Top Team) und Jonathan Hilbert (LG Ohra Energie) über 5.000 Meter lange auf Medaillenkurs.

 

Hilbert und Junghannß scheiden frühzeitig aus

Erst erwischte es Hilbert, er schied mit drei Anträgen vorzeitig aus und verstand die Welt nicht mehr. „Der Bundestrainer und die anderen Trainer sagten mir, es sah von der Technik gut aus. Ich kann es mir nicht erklären, weshalb ich disqualifiziert wurde“, sagte der 22-Jährige völlig aufgebracht. Nach einigen Minuten hatte er sich etwas beruhigt: „Fakt ist, wir werden häufiger die Technik analysieren und die drei Anträge hinterfragen.“ Nur wenige Minuten später stieg Junghannß mit Krämpfen im Oberschenkel aus. Der 21-Jährige wollte keine Verletzung riskieren. Den DM-Titel holte sich Nils Brembach (SC Potsdam; 19:10,13 min).

Die Thüringer waren erst vor wenigen Tagen aus dem spanischen Trainingslager in Chiclana zurückgekehrt. Nach zehn Tagen in der Heimat hebt der Flieger am Mittwoch (7. März) ins Höhentrainingslager nach Mexiko ab. Nicht abgehoben, aber schnell unterwegs waren am Folgetag die Sprinter. Im Vorlauf über 60 Meter hätte König fast ein Stolperer den Einzug ins Finale gekostet. „Ich wäre fast hingestürzt am Start, konnte mich aber noch fangen.“ Trotz der Schrecksekunde zog er mit 8,22 Sekunden souverän in den Endlauf ein. „Das Finale verlief optimal. Ich habe meinen Rhythmus schnell aufgenommen und habe auf den letzten Metern schön durchgezogen“, beschrieb er seinen Rekordlauf. Den zweiten Titel holte er sich über 200 Meter in 26,22 Sekunden. Das Gold-Triple gelang nicht, die 400 Meter beendete er in 62,42 Sekunden auf Rang zwei.

 

Drei Starts, drei Medaillen: Iris Opitz wird zwei Mal Vize-Meisterin

Es war der erwartete Zweikampf um die Medaillen im Finale über 60 und 200 Meter bei den Seniorinnen der W50. Mittendrin Iris Opitz (LAV Elstertal Bad Köstritz), die nach einem nicht so guten Vorlauf über 60 Meter einen besseren zweiten Lauf im Finale ablieferte. Das bessere Finish hatte Eva Günther-Gräff (TSG Bergedorf), sie gewann in 8,38 Sekunden vor Opitz in 8,48 Sekunden. Über die Hallenrunde hatte Opitz ebenso das Nachsehen, sie wurde in 27,41 Sekunden Zweite. Besonders freute sie sich aber auf den Weitsprung. „Ich finde es großartig, dass Heike Drechsler an der Anlage steht. Das ist für mich Motivation pur“, sagte Opitz. Als Kampfrichterin half die ehemalige Weltklasse-Weitspringerin Drechsler an der Grube. Mit 4,58 Metern wurde Opitz Dritte.

Ungläubig starrte Sandro Kubitza (LV 1971 Ilmenau; M35) immer wieder zur Anzeigetafel. Schon im Vorlauf über 60 Meter steigerte er seine persönliche Bestzeit um drei Hundertstel auf 7,49 Sekunden. Bereits zu diesem Zeitpunkt war er mehr als glücklich. „Tagesziel erreicht: Finale mit Bestzeit“, freute er sich. Es kam noch besser: Im Finale trommelte er eine Zeit von 7,45 Sekunden auf die Bahn, belohnt mit DM-Bronze. „Ich bin mega happy und einfach nur sprachlos, wie gut das Finale gelaufen ist.“

 

Das gute Thüringer Abschneiden komplettierten Steve Gruner (LAV Elsterstal Bad Köstritz; 7,49 sec), Martin Hohmann (SSV Erfurt Nord; 7,53 sec) und Karsten Klose (KSSV Victoria Weimar/Schöndorf; 7,69 sec) auf den Plätzen vier, fünf und acht. Mit der Startgemeinschaft Ilmenau-Weimar-Erfurt wurde Sandro Kubitza über 4x200 Meter in 1:38,52 Minuten Zweiter. Zudem gewann Martin Hohmann in 24,07 Sekunden Bronze über 200 Meter.

 

Auf der Sprintgeraden gab es weitere Topplatzierungen: So wurde Gerhard Schildt (1. SV Gera; M60) in 8,27 Sekunden deutscher Vizemeister. Über die Hürden holte sich Jana Grönke (LV Meuselwitz; W35) in 11,00 Sekunden die Silbermedaille.

 

Vielfachstarter im Medaillenglück

Drei Starts, drei Medaillen: Detlef Döpping (Gothaer Leichtathletik Centrum; M60) holte sich Silber im Weitsprung (4,96 m), über 200 Meter (27,01 sec) und Bronze über 400 Meter (61,15 sec). Ganz stark unterwegs war Vielfachstarter Ludwig Döring (SV Sömmerda; M45), er gewann im Weitsprung (5,95 m) und über 60 Meter Hürden (9,38 sec) den Titel sowie Bronze im Hochsprung (1,72 m).

 

Im Stabhochsprung glänze Dirk Eckardt (TSV 1914 Berlstedt/ Neumark; M60), er holte sich den Titel mit übersprungenen 3,30 Meter. In der M55 gab es für Wolf-Dietrich Roehr (SV Sömmerda) die Silbermedaille, für ihnen standen 3,40 Meter im Protokoll. Im Hochsprung gab es ebenfalls reichlich Grund zum Jubeln: Jörg Bartoschik (SV Motor Tambach-Dietharz; M75) wurde Zweiter, er übersprang 1,23 Meter. In der M40 gewann Michael Stephan (Erfurter LAC) die Silbermedaille mit Bestleistung von 1,83 Meter. Für Daniel Laqua (Hochsprung mit Musik; M35) standen 1,89 Meter und Rang drei zu Buche.

Über die Mitteldistanz (800 Meter) gab es ebenso erfreuliche Ergebnisse: Oliver Hansch-Friske (USV Erfurt; M55) kam in 2:13,97 Minuten als Zweiter ins Ziel. Bei den Frauen gab es einen dritten Platz für Franziska Brünner (LC Jena; W35), sie brauchte für die vier Bahnrunden 2:35,18 Minuten. Für Katrin Puth (LV Gera) stand über 3.000 Meter ein zweiter Platz in 11:08,91 Minuten im Protokoll.

 

Kugelstoßer Andy Dittmar mit starker 18-Meter-Serie

Für den krönenden Abschluss sorgte ein Dauerbrenner im Ring: Kugelstoßer Andy Dittmar (BIG Basketball in Gotha; M40), der mit einer kostanten Serie von drei Stößen über 18 Meter, der weiteste wurde mit 18,17 Metern gemessen, überzeugte und sich souverän seinen achten Hallentitel bei den Senioren holte. An solch eine Serie von Stößen über 18 Meter in der Halle könne er sich kaum erinnern. „Das ist schon lange her“, meinte Thüringens Topstoßer. Gefühlt war in jedem Stoß sogar noch ein bisschen mehr möglich.

 

Trainingspartnerin Carmen Hildebrandt (Ohrdrufer LV; W50) war eine der ersten Gratulantinnen, sie hatte am Vortag mit 12,61 Meter ein überzeugendes Comeback im Ring gegeben. Nach ihrem dritten Bandscheibenvorfall kämpfte sie sich zurück in den Ring und belohnte sich mit dem Vize-Titel. Einen spannenden Zweikampf um Silber lieferten sich die Kugelstoßer Uwe Heimrich (TSV Zella-Mehlis; M60) und Rainer Horstmann (TSV Kirchlinde). Letzterer hatte mit 13,35 Meter im ersten Durchgang vorgelegt. Im fünften Durchgang steigerte sich Heimrich auf 13,30 Meter und holte Bronze.

 

Trotz erschwerter äußerer Bedingungen auf den Außenanlagen boten Athleten starke Leistungen

Nicht nur in der Halle ging es um DM-Titel: Auf den Außen-Anlagen im Steigerwaldstadion (Speer, Diskus) und hinter der Leichtathletikhalle (Hammer) hatten es die Aktiven nicht leicht. Samstag sorgte anfänglicher Schneefall und eisige Temperaturen für erschwerte Bedingungen. Am Abschlusstag der Meisterschaften gab es dann leicht frühlingshafte Temperaturen mit Sonnenschein. Mit viel Liebe zum Detail schaffte es der Ausrichter für Top-Bedingungen an den Anlagen zu sorgen. Die Athleten bedankten sich mit tollen Leistungen.

Auf die Weite von 43,72 Meter flog der Hammer von Jürgen Sachse (ASV Erfurt; M60), er wurde deutscher Vizemeister. Timo Krinke (LAV Elstertal Bad Köstritz; M55) gewann mit 38,62 Metern Bronze im Diskus. Das Podest verpassten Manfred Löhn (ASV Erfurt; M75) mit dem Diskus (26,49 m), Beatrice Müller (Apoldaer LV; W35) mit dem Speer (35,44 m) und Dr. Helmut Dinter (LC Jena; M70) mit dem Hammer (38,52 m) als Vierte nur knapp.

 

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