Schmölln: Ein aufwendiger Hoffnungsschimmer

Ein halbes Jahr kein organisierter Sport. Ein halbes Jahr kein direkter Kontakt mit den Kindern und Jugendlichen. Ein halbes Jahr sehnsüchtiges Hoffen auf Lockerungen. In der Vorwoche folgte nun ein zaghafter Schritt aus dem Sportstillstand heraus. „Es ist ein erster Schritt in die richtige Richtung“, sagt Steffen Rook. Er ist Trainer beim LSV Schmölln, er betreut die Neun- bis Elfjährigen im Verein. Nach sechsmonatigem Stillstand durfte er jetzt seine Trainingsgruppe wiedersehen.

Not macht erfinderisch: Um auch in Corona-Zeiten aktiv zu bleiben, bot Steffen Rook seiner Trainingsgruppe zweimaliges Videotraining im sechsmonatigen Sport-Lockdown an. „Anfangs wurden die zwei Einheiten noch gut angenommen. Im Laufe der Zeit schwand das Interesse. Es ist insofern schwierig, Leichtathletik lebt von seiner Abwechslung. Und das ist bei Workouts irgendwann nicht mehr gegeben“, beschreibt Steffen Rook die Situation.

Langsam schwand die Motivation bei den Kindern. Neue Ideen waren gefragt. Gelegentlich gab es Mitmach-Aktionen wie die vom Kreissportbund Altenburg. Dieser rief zum virtuellen Lauf zum „Kap der Guten Hoffnung“ in Südafrika auf. „Bei solchen Aktionen waren wir natürlich dabei. Aber irgendwann gehen einem die Ideen aus“, sagt Steffen Rook, der zudem ehrenamtlich im KSB tätig ist. Nun sind anderweitig kreative Einfälle gefragt.

Training in Kleingruppen

Es ist ein Lichtblick. Wenn auch nur ein kleiner. In Thüringen ist Sport für kleine Gruppen wieder erlaubt. Gruppen von bis zu fünf Kindern unter 14 Jahren dürfen künftig wieder unter freiem Himmel kontaktlos Sport treiben. Plus ein Trainer oder Sportgruppenleiter, der vorab einen negativen Corona-Test (nicht älter als 24 Stunden) vorweisen muss. Die Thüringer Landesregierung machte dafür in der Vorwoche mit einem Landeserlass den Weg frei. Er ist seitdem theoretisch in Kraft gesetzt.

Theoretisch darum, weil die Sportstätten von den Betreiber (meist Kommune oder Landkreis) wieder geöffnet und der Trainingsbetrieb durch den Verein organisiert werden muss. Letzteres hat es mächtig in sich. Verbunden mit einem großen organisatorischen Aufwand. „Meine Trainingsgruppe betreffend, müsste ich 25 Kinder aufteilen, was grundsätzlich mit mehreren Helfern möglich ist oder ich binde Eltern mit ein. Ich muss nur überlegen, wie ich das am besten anstelle, dass ich kein Kind vernachlässige. Ich muss alle gleichwertig behandeln. Da spielt es keine Rolle, ob jemand wettkampforientiert oder für eine gute Note im Schulunterricht trainiert“, berichtet Steffen Rook.

Hindernisse auf dem Weg zum Training

Sogleich als die Nachricht über die zaghafte Lockerung über den Nachrichtenticker lief, lief sein Handy heiß. „Ich habe zahlreiche Anfragen von den Eltern der Kinder reinbekommen, sie waren natürlich voller Freude und wollten wissen, ab wann und wie wieder trainiert werden kann.“ Im Detail konnte er ihnen zu diesem Zeitpunkt noch keine Rückantwort geben. Zunächst musste die Frage nach der Öffnung des Sportplatzes geklärt werden. In dem Punkt gab es schnell grünes Licht vom Bürgermeister.

Zweites Hindernis: ein frisch getesteter Übungsleiter. Kleines Manko: das Schmöllner Testzentrum hat nur an drei Tagen geöffnet, wo der Test kostenlos durchgeführt wird. Als alternative Lösung bringt Steffen Rook einen Schnelltest aus der Apotheke ins Spiel. Dieser würde ein paar Euro kosten. Die Finanzierung übernimmt der Verein. Dem gegenüber steht die eigentliche Organisation. Ausgeklügelt wurde ein Plan am vergangenen Wochenende, wie das Training ausgeübt werden könne.

Von der Politik wünsche er sich „mehr Geradlinigkeit. Konkrete Vorgaben, die wenig Spielraum geben und handlungssicher sind.“ An kreativen Gedanken mangelt es dem Trainer dabei nicht. Solch ein Sportplatz bietet ja reichlich Platz. Warum also nicht mehrere Gruppen mit genügend Abstand zu- und untereinander mit jeweils einem Helfer oder Übungsleiter auf den Sportplatz lassen. Damit endlich wieder Leben auf die Sportplätze zurückkehrt. Montag war es dann endlich wieder los, erstmals wurde wieder trainiert.

Nachwuchs braucht Ziele: "Late Season" denkbar

Die Lockerungen betreffen vorerst nur die jüngsten Sportler. Steffen Rook hofft, dass zeitnah auch die Älteren auf den Sportplatz zurückkehren können. „Bei uns im Verein haben wir einige Athleten in der Altersklasse U18 und U20. Zu verstehen ist das nicht, warum sie tagsüber zusammen in der Schule sind, aber nachmittags nicht zusammen trainieren dürfen.“ Sie werden von seiner Frau betreut. Zuletzt auch im Videotraining mit Workouts, dass aber ein normales Training nicht ersetzte. „Es diente ihnen, um sich halbwegs fit zu halten. Sie konnten in der Zeit kein Sprung, keine Hürde – alles technische nicht trainieren. Wir können sie in keinen Wettkampf ohne Vorbereitung schicken“, macht Steffen Rook deutlich.

Wie auch die Jüngsten. Vorstellbar wäre für ihn eine "Late Season". „Dafür hätten wir genügend Zeit, um unsere Sportler darauf vorzubereiten.“ Mit einer angesetzten Thüringer Landesmeisterschaft im Juni würde sich das Leistungsbild total verzerren. Nämlich das von den Kadersportschülern und den Athleten aus den Vereinen. Ein Ungleichgewicht entsteht. Fast ein Jahr konnten die Kinder und Jugendlichen in den Vereinen nicht durchgängig trainieren. Es fehlt. Ist dieses aufholbar?

Steffen Rook überlegt. „Ich denke, wir können das Jahr aufholen. Schwieriger wird es bei denen, die leistungsorientierter unterwegs sind. Bei uns sollte das kein Problem sein. Unsere Athleten sind vorwiegend auf Landes- und mitteldeutscher Ebene im Einsatz.“ Mit einer "Late Season" würde man diesen Kindern noch ein Ziel geben. Momentan gibt es ein solches nämlich nicht. Dafür aber ein wenig Licht am Ende des Tunnels. Und das nach sechs Monaten Sportstillstand. -sam-