Rückkehr mit sensationeller Zeit und U23-EM-Norm

Nach überstandener Krankheit meldete sich Jonathan Hilbert (LG Ohra Energie) am Sonntag bei den Deutschen Meisterschaften im Straßengehen in Naumburg eindrucksvoll zurück. Der 22-Jährige brillierte über 20 Kilometer in einer Topzeit von 1:23:48 Stunden. Eine Zeit, mit der nicht wirklich zu rechnen war. Das Lachen ist zurück, und das tut gut.

Hilbert besiegte eine Krankheit, die Karrieren von Spitzensportler beenden kann. Nach den Deutschen Meisterschaften im Straßengehen in Andernach, er startete über 30 Kilometer, erhielt er nur wenige Tage später die Diagnose: Pfeiffersches Drüsenfieber. Eine Viruserkrankung, die jegliche Energie raubt und das Immunsystem stark schwächen kann. Hilbert fühlte sich schlapp, ausgelaugt, ohne Energie. Er war nicht nur körperlich am Ende, sondern auch mental.

Der Körper brauchte Ruhe, viel Ruhe. Zweieinhalb Monate wurde er durch die Virusinfektion ausgebremst. Keine einfache Zeit für den ehrgeizigen Athleten. Familie und Trainer gaben Halt. "Sie standen hinter mir. Meine Trainer meinte zu mir, dass ich ruhig bleiben und nicht den Kopf hängen lassen soll. Gemeldet hat sich in der Zeit ebenso Landestrainer Enrico Aßmus, der mit gut zuredete und mich unterstützte. Das tat mir unheimlich gut", sagte Hilbert, der sich mit einer wahnsinnigen Energieleistung zurückkämpfte.

Dem nicht genug gab es weitere Rückschläge: Bruch des Handgelenkknochens und eine kleinere Schienbeinentzündung. Der Schützling von Trainer Pedro Zaslavskyy kämpfte und ließ sich nicht von seinem Weg abbringen. Schon die kleinsten Schritte wertete der gebürtige Mühlhäuser als Erfolg. "Ich war froh, wenn ich acht bis zehn Kilometer am Stück gehen konnte. Meine Technik war anfangs ganz schlecht. Ich musste sie zwar nicht neu erlernen, aber mich langsam wieder reinfinden." Die lange Auszeit brachte viele Momente voller Zweifel. Doch immer fanden sich Menschen, die ihm Mut zusprachen und ihn zurück auf Kurs brachten.

Das erste Trainingslager des Jahres führte ihn mit dem U20-Nachwuchskader im Februar nach Monte Gordo (Portugal). Diesem schloss sich spontan der Olympia-Fünfte Christopher Linke (SC Potsdam) an. Das gemeinsame Training gab einen Hauch von Sicherheit und Zuversicht. "Wenn ich wieder am Zweifeln war, dann hat er mich aufgebaut. Ich solle mir keine Sorgen machen. Die Gespräche haben mir sehr geholfen." Ein zweites vierwöchiges Trainingslager folgte in Flagstaff, Arizona (USA), um sich auf die anstehende Wettkampfsaison vorzubereiten. Für Hilbert ging es langsam, aber kontinuierlich voran. "Ich konnte zwar nicht die Umfänge und die Geschwindigkeiten wie die anderen realisieren, aber ich habe gemerkt, ich bin auf einem einigermaßen guten Level."

Das Geher-Meeting im tschechischen Podebrady nur vier Tage nach Flagstaff kam für Hilbert noch zu früh. Er wollte nichts überstürzen. Stattdessen wählte er die DM in Naumburg als erste Standortbestimmung. Mit Carl Dohmann (SCL Heel Baden-Baden) und Nathaniel Seiler (TV Bühlertal) bildete er ein Verfolgertrio. Das Tempo auf den ersten Runden recht zügig, Hilbert hielt recht gut mit. "13 Kilometer konnte ich in der Gruppe mitgehen. Auf den letzten sieben Kilometern fehlten mir dann einfach die Körner", erklärte er seinen "Einbruch". Hilbert musste abreißen lassen.

Der mehrmonatige Trainingsausfall machte sich bemerkbar. "Das kann man nicht so einfach kompensieren. Mir fehlen über 1000 Kilometer, die ich durch die Krankheit verloren habe. Und wenn man wieder einsteigt, dann geht das auch nicht gleich von Null auf Hundert", machte der Ausdauerathlet deutlich. Die Zeit im Ziel löste bei ihm dennoch ein innerliche Zufriedenheit aus. Sie war sensationell, nur elf Sekunden über seiner Bestzeit. "Ich bin einfach nur super glücklich, dass mein Körper wieder mitmacht. Ich hatte mit einer Zeit um 1:25 Stunden geplant. Dass ich nur wenige Sekunden über meiner Bestzeit geblieben bin, damit hätte ich nicht gerechnet", freute sich der DM-Siebente über seine Leistung, die ihn unheimlich stolz machte. "Ich bin dankbar und stolz, den Wettkampf mit solch einer Zeit geschafft zu haben." Die Zeit bedeutete zugleich die Norm für die U23-Europameisterschaften in Bydgoszcz (Polen; 13. bis 16. Juli), die er deutlich unterbot.

Bevor es in Richtung Polen geht wurde er am Dienstag durch den Deutschen Leichtathletik-Verband für den Europacup in Podebrady (21. Mai) über 20 Kilometer nominiert. In diesem Wettkampf wird er erstmals bei den Männern starten. Es ist sozusagen ein Vorgeschmack auf die kommenden Saison, wenn er von der U23 in die Aktivenklasse wechselt. Beim Europacup geht es nicht nur um Zeiten und Platzierungen. "Ich werde dort mein Bestmögliches geben, um einen guten Beitrag für die Mannschaftswertung zu geben. Dies möchte ich mit einer guten Zeit und einer guten Platzierung schaffen."

Auf die U23-EM blickt er vorsichtig optimistisch. Er will sich mit einer Prognose nicht so weit aus dem Fenster lehnen. "Ich will dort versuchen, meine Bestzeit anzugreifen. Gelingt mir das, dann wird sich auch eine gute Platzierung ergeben. Vieles hängt natürlich vom Training in den kommenden Wochen und vom Wettkampf ab. Sollte alles so funktionieren, wie ich es mir vorstellen, wäre ich sehr zufrieden", blickt der angehende Polizeimeister auf seinen Saisonhöhepunkt voraus. Das erfolgreiche Comeback in Naumburg sollte ihm dafür Mut geben.