Nordhausen: KFA-Chef Jons Anhalt freut sich über sieben Kaderathleten

Mystische Stimmung: wabernde Nebelfelder legen sich wie ein Schleier über die Stadt. In diffuses Licht ist der Nordhäuser Hohekreuzsportplatz an jenem Vormittag getaucht, als sich die ersten Sonnenstrahlen langsam durch die zarte Nebeldecke kämpfen. Die Herbstsonne gewinnt nochmals an Kraft, perfekt um sieben junge Sportler aus der Region in Szene zu setzen. Es sind sieben Kaderathleten der Sportart Leichtathletik: Josh Anhalt, Chantal Rimke, Karolin von Glasenapp, Tami Line Spangenberg, Finn Fischer, Alexander Brehm und Damian Bachmann. „Die Kaderstärke ist richtig top“, zeigt sich KFA-Chef Jons Anhalt begeistert.

Zwei Bundeskader: Josh Anhalt und Chantal Rimke

Locker und gelöst wirken die Nachwuchsathleten, die erst gemeinsam und dann einzeln abgelichtet werden. Zunächst die beiden Bundeskader. Für Speerwerfer Josh Anhalt (LC Jena) ist es schon die zweite Berufung in den Nachwuchskader 2 des Deutschen Leichtathletik Verbandes (DLV). Vor anderthalb Jahren entschied sich der Großwechsunger für den Wechsel ans Sportgymnasium nach Jena, er trainiert bei Harro Schwuchow in der Trainingsgruppe mit Olympiasieger Thomas Röhler. In diesem Jahr steigerte der U18-Athlet seine Bestleistung auf 63,62 Meter. Bei seinen ersten Deutschen Jugendmeisterschaften in Heilbronn belegte er Rang fünf und rangiert ebenso auf dem fünften Rang in der deutschen Bestenliste.

Für Chantal Rimke (LC Jena) ist es die erste Berufung in den Nachwuchskader 2. Trainiert wird die junge Nordhäuserin von Speerwurf-Olympiasiegerin Petra Felke. „Chantal ist seit gut einem Jahr bei mir in der Trainingsgruppe. Sie kam zu einem Probetraining nach Jena. Wir haben ein paar Übungen absolviert - auffallend war ihre Vielseitigkeit und Schnellkraft. Da haben die Trainer in Nordhausen eine sehr gute Arbeit geleistet“, sagt und lobt die Trainerin. Mit dem Speer stellte die W15-Athletin mit 40,42 Meter eine neue Bestweite auf.

Enorm entwickelt hat sich die fleißige und ehrgeizige Sportlerin im Kugelstoßen: 15,72 Meter, Landesrekord und Rang zwei in der deutschen Bestenliste. „Durch die schwierigen Bedingungen während der Coronazeit haben wir uns uns dazu entschieden, die Wurfdisziplinen in den Vordergrund zu stellen und uns darauf zu konzentrieren. Mit ihren gezeigten Ergebnissen hat Chantal ihr großes Talent gezeigt“, sagt Petra Felke und weiß um die Stärken ihres Schützlings: „Sie hat klare Ziele und die verfolgt sie mit ganzer Konzentration. Sie nutzt jede Trainingseinheit um an sich zu arbeiten und sich zu verbessern.“

Drei Landeskader: Karolin von Glasenapp, Tami Spangenberg und Finn Fischer

Ihre besondere Passion ist der Hochsprung: Karolin von Glasenapp (HSG Nordhausen) steigerte sich zu Jahresbeginn auf 1,70 Meter. In der W15 (U16) errang die von Horst Friedrich betreute Athletin bei den Mitteldeutschen Hallenmeisterschaften mit 1,60 Meter den dritten Platz. Fußprobleme bremsten sie im Wettkampf aus. Im Sommer übersprang sie als Saisonbestleistung 1,65 Meter. Im nächsten Jahr sind die Deutschen Jugendmeisterschaften das große Ziel der Landeskader-Sportlerin.

Eine sehr vielseitige Athletin ist Tami Line Spangenberg (LV Altstadt 98 Nordhausen). Ihr bevorzugtes Arbeitsgerät ist dennoch der Speer. In der Jugend W14 steigerte sie ihre Bestweite auf 34,00 Meter. „Das ist top für das Mädel. Tami betreue ich seit dem ersten Wurftraining. Sie ist im Wurfbereich stark, technisch begabt, bewegt sich sehr gut und bei ihr sieht immer alles so locker und leicht aus“, schwärmt Jons Anhalt.

Kugel, Diskus, Speer: Finn Fischer (HSG Nordhausen) beherrscht alle drei Wurfgeräte. Seinen Speer ließ er jüngst beim Herbstsportfest in Ohrdruf auf 45,91 Meter segeln. Obendrauf kam in der Jugend M14 noch eine Bestleistung mit der Kugel: 11,44 Meter. „Er ist ein allgemein guter Sportler und könnte ein guter Mehrkämpfer werden. Er hat im vergangenen Jahr bei Martin Räcke mit dem Stabhochsprung angefangen“, berichtet Jons Anhalt, der mit Finn einen weiteren Kandidaten für die Sportschule hat – und dieser auch den Weg gehen möchte.

Zwei E-Kader: Alexander Brehm und Damian Bachmann

Zwei, die diesen Weg schon eingeschlagen haben, sind die E-Kader-Athleten Damian Bachmann (HSG Nordhausen) und Alexander Brehm (LV Altstadt 98 Nordhausen). Letzterer besucht seit einem Jahr die Regelschule an der Erfurter Sportschule. „Er hatte anfangs massiv mit Heimweh zu kämpfen. Wir waren uns nicht sicher, ob er durchhält“, beschreibt Sichtungstrainer Steffen Droske vom Thüringer Leichtathletik Verband die ersten Wochen. In dieser Zeit halfen Eltern, die Erzieherinnen im Internat sowie die Trainer vor Ort.

„Alle drei Institutionen haben super zusammengearbeitet. Gut mitgewirkt hat zudem sein Zimmernachbar Moritz Hartrumpf. Ich kann jetzt sagen: Alex ist angekommen, er hat sich super eingelebt. Er wird von allen in der Gruppe akzeptiert und ist angesehen“, zeigt sich Steffen Droske erleichtert. Sportlich sehen ihn die Trainer eher im Wurfbereich. Bei Lehrertrainer Tobias Schrock durchläuft er zweimal wöchentlich ein eher wurforientiertes Training, in dem daran gearbeitet wird, die Technik zu festigen.

Für Damian Bachmann verlief das Jahr recht erfolgreich: Bei den Thüringer Hallenmeisterschaften siegte er in der M12 über 60 Meter Hürden, 800 Meter und im Weitsprung, im Hochsprung wurde er Dritter. Im Übrigen holte er den Thüringer Hallentitel im Fünfkampf. Jüngst krönte er sich zum Landesmeister im Block-Mehrkampf „Lauf“ mit Erfüllung der E-Kadernorm. Zum neuen Schuljahr wechselte Damian an das Erfurter Sportgymnasium, er besucht die 7. Klasse.

„Er hat sich gut eingelebt. Man merkt, er ist sehr gut ausgebildet von der HSG. Ich denke, der Papa (Marco Bachmann) und Horst Friedrich haben sehr gut gearbeitet. Er ist schon ein bisschen weiter als manch anderer Sportler in seinem Altersbereich“, berichtet Steffen Droske, der ihn in seinem Tatendrang manchmal ein bisschen bremsen muss. „Damian ist ein sehr motivierter und ehrgeiziger Sportler. Wir haben hier ein bisschen mehr Zeit als in den Vereinen. Wir können mehr Training anbieten. Die Einheiten sind inhaltlich nicht so vollgepackt.“ Im Normalfall sind das wöchentlich sechs Einheiten, inklusive des Schulsports sind es sieben. Bis zur 9. Klasse werden die beiden grundausgebildet und alle Disziplinen durchlaufen.