Neustart: Joscha Bretschneider will lange Durststrecke beenden

Wenn der Fuß schmerzt, dann hilft nur Ruhe. Eher ruhig als aktiv verliefen für Joscha Bretschneider die vergangenen Monate. Zwei Fußverletzungen führten beim Langsprinter und Mittelstreckler des LAC Erfurt Top Teams im Vorjahr und diesem Jahr zum Saisonaus. Jetzt will er in Leipzig neu durchstarten.

Beste Kumpels und Trainingspartner: An der Erfurter Sportschule begann ihre Freundschaft, die nun in einer WG in Leipzig fortlebt. „Wir haben uns hier schon gut eingelebt“, sagt Joscha Bretschneider, der gemeinsam mit Tobias Rex seit gut zwei Wochen in der sächsischen Metropole lebt, sportlich aktiv ist und demnächst studiert. Letzteres an der Sportwissenschaftlichen Fakultät. Die Wahl fiel auf den Bachelor Sportwissenschaften.

Greizer Trainer Ralf Peter fördert die Lauf-Leidenschaft

Der praktische Teil ist nur wenige Gehminuten von der Fakultät entfernt. Zum Training geht es nämlich auf die Nordanlage. Und die ersten Einheiten mit dem Distance Team sind schon in den Beinen. „Die Gruppe ist ziemlich cool. Sie besteht aus ambitionierten Läufern, die weitestgehend studieren und auf unterschiedlichen Strecke von 800 bis 3.000 Meter unterwegs sind. In der Gruppe ist ein höherwertiges Niveau vorhanden“, berichtet der 20-Jährige, der zwei Strecken – 400 und 800 Meter - präferiert.

Diese Vorliebe kommt nicht von ungefähr. In seinem damaligen Heimatverein in Greiz hatte er mit Ralf Peter einen sehr engagierten Trainer an seiner Seite. „Ich hatte einen sehr guten Trainer, ein absoluter Glücksgriff, der mich in meiner Leidenschaft für das Laufen immer unterstützt hat. Mit Schule, Training und den sportlichen Leistungen hat es sogar so gut geklappt, dass ich erst zur Oberstufe auf die Sportschule nach Erfurt gewechselt bin. Ohne ihn, wäre ich nicht da, wo ich jetzt bin“, findet sein ehemaliger Schützling lobende Worte. Ebenso wie für seine Erfurter Trainer Enrico Aßmus und Alexander Fromm. „Das tägliche Training in Erfurt hat mir einen weiteren Push gegeben. Von beiden wurde ich in der Zeit sehr gut betreut und sie haben ebenfalls einen sehr großen Anteil an meiner Entwicklung.“

2018: Bestzeit, WM-Staffelplatz, DM-Silber

Waren es im U16- und U18-Bereich verstärkt Einsätze über die Langhürden (400 Meter), kristallisierten sich dann mehr und mehr zwei andere Strecken heraus. Zuerst die 400 Meter. Das habe gut funktioniert. Wenngleich es auf der großen Stadionrunde ordentlich zur Sache geht und Schnelligkeit mitbringen muss. Dann kamen die 800 Meter hinzu. Die liefen im Training ebenfalls recht gut. „Die Trainer haben dann irgendwann die Entscheidung für beide Strecken getroffen. Für mich war das ein perfektes Gesamtpaket.“ Als es für die U20-Weltmeisterschaften 2018 im finnischen Tampere um einen Staffelplatz für die 4x400-Meter ging, standen die 400 Meter im Fokus.

Eben jenes Jahr zählte mit zu seinen besten. Bei der Junioren-Gala in Mannheim steigerte er seine Bestzeit auf 47,31 Sekunden und empfahl sich für einen WM-Startplatz in der Staffel. In Tampere erreichte das Quartett den sechsten Platz. Es folgte DM-Silber in Rostock. Den positiven Schwung nahm Joscha Bretschneider mit in die Hallensaison 2019. In Sindelfingen lief er bei den Deutschen Hallen-Jugendmeisterschaften zum Titel über 400 Meter. Für den Sommer hatte er zusätzlich die 400 Meter Hürden ins Auge gefasst. Er bekam vom zuständigen Bundestrainer Volker Beck ein Angebot, er nahm es an und gehörte fortan zum Hürdenkader. Zu einem Einsatz sollte es im Sommer nicht kommen.

2019, 2020: Ausgebremst durch Fußverletzungen - Neustart in Leipzig

Das Verletzungspech schlug erbarmungslos zu. Zwar startete er in zwei, drei Rennen über die flache Distanz, aber unter Schmerzen. Diagnose: Stressfraktur im linken Fuß. Die Saison war beendet. Mit einem positiven Gefühl konnte er dennoch ins neue Jahr starten. Er erhielt nämlich erneut ein Angebot: „Bundestrainer Georg Schmidt hatte sein Interesse geäußert, er wollte mich gern im Kader über 800 Meter haben.“ Für 2020 stand für den U23-Athleten die Mittelstrecke im Fokus. Im Hinblick auf die Freiluftsaison hatte er sich ein gutes Niveau erarbeitet. Bedingt durch seine starken Trainingspartner Tobias Rex und Kevin Stadler. Im Mai gab es in Erfurt einen ersten Formtest über 10 Kilometer. Der Neustart verlief erfolgreich. „Ich habe gemerkt, dass ich nach zwei Jahren doch noch was draufhabe“, sagt Joscha Bretschneider.

Aber die Corona-Saison endete für ihn noch bevor sie richtig begonnen hatte. Wie aus dem Nichts traten erneut Schmerzen im linken Fuß auf. Betroffen war nun die Außenseite. Die zweite Saison in Serie ohne Wettkampfpraxis. Es folgten zehn Wochen lauffrei. Und das Drücken der Reset-Taste. Der Umzug nach Leipzig, ein neues sportliches Umfeld und das Studium sollen die zwei Seuchenjahre vergessen machen. „Leipzig ist für mich wie ein Neuanfang.“

Und dieser beginnt mit einem alternativen Einstiegsprogramm. Mit viel Radfahren um die Leipziger Seen und entlastende Läufe auf einem speziellen Laufband. Schließlich will er im neuen Jahr mit seinem sportlichen Doppelpaket wieder richtig durchstarten. Mit dem Fokus auf den 800 Metern und einem Auge auf die 400 Meter. Im nächsten Jahr dürfen es dann ruhig mehr aktive wie ruhige Tage werden.