Nachlese: Zwillingsschwestern feiern ersten DM-Doppelerfolg

Deutscher U20-Meister und Vizemeister: Diese sportlichen Titel erkämpften sich Lena und Sina Riedel am Samstag bei den Deutschen Meisterschaften im Straßengehen über 10.000 Meter. Die Nachwuchs-Geherinnen des ASV Erfurt überzeugten mit starken Leistungen wie Zeiten von 49:51 und 50:20 Minuten.

Für solche Leistungen darf man sich gern einmal belohnen oder sich belohnen lassen. „Unsere Eltern wollen uns vielleicht ein neues Radtrikot kaufen“, erzählt Lena Riedel. Die größte sportliche Belohnung wäre aber eine andere. Nämlich ihr erster Einsatz im Nationaltrikot. Der Nominierung für die Team-Europameisterschaften in Podebrady (Tschechien; 16. Mai) fiebern sie daher sehnsüchtig entgegen. „Das wäre eine große Ehre für uns, für Deutschland starten zu dürfen“, sagt Sina Riedel.

Abwechslung im Training bringt Leistungsschub

Mit ihren Zeiten und Leistungen sind die Nachwuchs-Geherinnen endlich in die nationalen Spitze vorgedrungen. Mit dazu beigetragen haben das intensive Skitrainingslager in Balderschwang einerseits, das abwechslungsreiche Training anderseits. Mal über den Tellerrand des Gehens hinauszublicken, das hat sich für die beiden in vielerlei Hinsicht ausgezahlt. „Unsere Devise lautet: Vielseitig unterwegs zu sein.“ Vielseitig heißt: Radfahren und Laufen. „Wir haben für uns diesen Weg gefunden, er ist optimal und macht uns einfach Spaß. Außerdem beugt er Verletzungen vor. Ich hatte beim Gehen immer wieder muskuläre Probleme. Die letzten Mal ist es gar nicht mehr vorgekommen“, berichtet Lena Riedel.

Freudig und begeistert berichten sie über diesen neuen, abwechslungsreichen Weg. Und eben jener beschert ihnen tagtäglich ein neues Gefühl. Ein Gefühl des Vorankommens. Ein Gefühl des Glücks. Die DM im Straßengehen schenkte ihnen solch einen Moment. Wegen der Corona-Einschränkungen waren nur Bundeskader im Aktiven- wie Nachwuchsbereich zugelassen. Auf dem Frankfurter Messegelände waren keine Zuschauer erlaubt. „Wir waren ziemlich abgeschottet und allein auf dem riesigen Messegelände. Es war trotzdem alles sehr gut vorbereitet, sogar für Musik war gesorgt. Wir wurden von den Betreuer ordentlich angefeuert. Die Strecke erwies sich als schnell, so dass gute Zeiten erzielt wurden“, berichtet Lena Riedel.

Eine etwas andere DM

Auch Sina kann der Veranstaltung nur Positives abgewinnen. „Durch die Musik war die Stimmung richtig gut. Das hat mir den letzten Motivationskick am Start gegeben. Beim Gehen hat es zwischen den Bürogebäuden und Häusern unheimlich geschallt. Das war schon ziemlich laut. Es war rundum eine gelungene Veranstaltung. Wir waren froh darüber, dass sie überhaupt stattgefunden hat.“ Als unheimlich bereichernd empfanden sie die Situation, dass alle Geher in einem Hotel untergebracht waren. „Das hat man sonst nicht. Für mich hat sich ein schönes Gemeinschaftsgefühl ergeben“, sagt Sina Riedel.

Das Wetter zeigte sich von seiner durchwachsenen Seite. Etwas nieselig, nicht allzu windig – fast perfekt. Der Start auf der asphaltierten 2-Kilometer-Runde verlief etwas langsam. „Wir haben uns schnell in einer Vierer-Gruppe zusammengefunden und uns auf den ersten vier Kilometern taktisch eher zurückgenommen. Wir sind fast stehengeblieben. Auf den letzten Kilometern hat sich das Feld dann auseinandergezogen. Bis zum achten Kilometer sind wir beide noch Seite an Seite gegangen, dann jede für sich“, schildert Lena Riedel den Verlauf.

Auf Belastung folgt Entlastung

Bei ihrem Saisonstart lag der Fokus vordergründig auf der Zusammenarbeit. Gerade mit Blick auf die Team-Europameisterschaften wollte Nachwuchs-Bundestrainerin Manja Berger sehen, wie „die Mädchen zusammenarbeiten“. Schließlich will sie ein starkes Team nach Podebrady entsenden. Erstmals in ihrer jungen Karriere gingen Lena und Sina Riedel auf die Plätze eins und zwei bei Deutschen Meisterschaften. „Wir sind sehr stolz darauf, dass wir zeigen konnten, was wir drauf haben und an sich einen guten Wettkampf abliefern konnten. So langsam realisieren wir, was wir erreicht haben“, sagt Sina Riedel.

Nach ihrem DM-Start ging es in die Entlastungswoche, wo sie ihren Füßen nach sehr intensiven Wochen ein wenig Erholung gönnen. Dem Rest des Körpers natürlich auch. Gerade nach diesem aufregenden, emotionalen und erfolgreichen Tag in Frankfurt.