Luis Brandner: „Ich wollte Gas geben“

Vielversprechendes Comeback: Mehr als ein Jahr nach seiner schweren Verletzung (Muskelfaserriss im Oberschenkelbeuger) meldete sich Luis Brandner beim Abendsportfest des Erfurter LAC eindrucksvoll auf der Bahn zurück. Im zweiten Rennen über 100 Meter blieb der 19-Jährige mit 10,46 Sekunden nur fünf Hundertstel über seiner Bestzeit aus dem Vorjahr. Anschließend sprachen wir mit dem schnellen Nachwuchssprinter des LAC Erfurt Top Team über seinen Einstieg, den langen Weg zurück und seine Saisonziele.

Luis Brandner, herzlichen Glückwunsch zu diesem tollen Comeback. Wie überrascht waren Sie selbst, dass es gleich zu Beginn so schnell wird?

Luis Brandner: Ich habe schon ein bisschen auf solche eine Zeit geschielt. Resultierend aus den guten Trainingsleistungen der vergangenen Wochen. Die lange Vorbereitung durch die Corona-Krise, die für andere Athleten vielleicht nicht so günstig war, war für mich wiederum ziemlich perfekt. So bekam ich ausreichend Zeit meinen Trainingsrückstand, den ich durch das dreiviertel Jahr Trainingspause verloren hatte, aufzuholen.

Spüren Sie positive Effekte?

Luis Brandner: Momentan sind bestimmte Werte wie Kraft, Schnelligkeit und Beschleunigung so gut wie noch nie. Im Rennen gilt es, alle diese Werte zusammenbringen. Dafür brauche ich noch ein paar Rennen. Aber einzeln betrachtet, sind die Bereiche schon ganz gut, worauf sich aufbauen lässt.

Wie hat sich das erste Rennen für Sie nach der Verletzungspause angefühlt?

Luis Brandner: Auch wenn es nur 100 Meter sind, war das erste Saisonrennen sehr hart für mich. Es kam mir wie eine Ewigkeit vor. Und dann auch noch gegen eine Wand zu laufen von 2,1 Meter pro Sekunde Gegenwind. Aus dem Training wissen wir, dass der Wind im Stadion alle zehn Meter seine Richtung wechselt. So haben wir die Zeit und das Laufbild entsprechend eingeordnet. Für den Einstieg war der Lauf solide. Im Finale wollte ich noch einen draufsetzen, was mir dann sehr gut gelungen ist.

Wie irritierend ist es, wenn die Nebenbahn frei ist?

Luis Brandner: Der Fokus in den ersten Rennen lag ganz bei mir, nicht bei der Konkurrenz. Ich hatte nach der langen Verletzungspause richtig Bock und Lust auf diesen Wettkampf. Auf diesen Tag habe ich lange hingefiebert. Für mich war Gas geben angesagt – alles oder nichts. Während des Laufes sieht man im Augenwinkel schon, dass die Nebenbahn leer ist, aber mich hat das nicht wirklich irritiert.

Sie haben zum Saisoneinstieg mit 10,46 Sekunden eine recht schnelle Zeit vorgelegt. Diese weckt gewisse Begehrlichkeiten. Was denken Sie darüber?

Luis Brandner: Mit ein bisschen Abstand sehe ich die Zeit als Bestätigung der harten Arbeit in den vergangenen Wochen. Mir fehlte einfach die Grundlage, auf der ich in den zurückliegenden Jahren immer aufbauen konnte. Ich kam aus dem Nichts. Die Tempoläufe waren nochmals härter, ich lag teilweise nach den Einheiten auf der Bahn und war am Ende. Deswegen bin ich jetzt umso glücklicher, dass sich diese harte Arbeit ausgezahlt hat. Druck verspüre ich keinen. Ich hoffe, dass ich mich in den kommenden Rennen weiter steigern kann.

Ihre Bestzeit steht aktuell bei 10,41 Sekunden aus dem Vorjahr. Diese wackelt demnach gehörig.

Luis Brandner: Natürlich hat man als Leistungssportler und Sprinter die persönliche Bestzeit im Hinterkopf, die aus dem ersten Wettkampf des Vorjahres stammt, das diese am Saisonende nicht mehr stehen sollte. Aber darauf lag zum Einstieg nicht das Hauptaugenmerk. Mir war wichtig, dass ich wieder laufen kann, durchkomme und das verletzungsfrei. Das habe ich geschafft. In mir überwiegt das positive Gefühl eines gelungenen ersten Wettkampfs.

Wie sieht Ihre weitere Saisonplanung aus?

Luis Brandner: Ich werde beim Meeting „Fast Arms, Fast Legs“ in Wetzlar (18. Juli) starten. Dort wird die nationale Sprintelite versammelt sein. Eine Woche später geht es zum Wettkampf nach Regensburg (26. Juli) als Vorbereitung auf die Deutschen Meisterschaften in Braunschweig (8./9. August). Ich hoffe sehr, dass ich die Chance auf einen DM-Start bekomme. Mit meiner Einstiegszeit sehe ich für mich schon eine Perspektive in Braunschweig dabei zu sein.

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