Luis Brandner (Erfurter LAC) - Ein Jahr Sprint - und schon ist man bei den besten Nachwuchssprintern der Welt dabei

Mit dem erst 16-jährigen Luis Brandner vom Erfurter LAC katapultierte sich beim Kräftemessen der besten U18-Leichtathleten der Welt in Kenias Haupt-stadt Nairobi erstmals ein Sprinter des Thüringer Leichtathletik-Verbandes (TLV)  mit dem Gewinn der Bronzemedaille über 200 Meter in 21,23 Sekunden aufs Ehrentreppchen.


Erfurt – Dass die deutschen Nachwuchsathleten  bei einer U18-Weltmeister-schaft mit insgesamt 13 Medaillen und 131 Punkten die Nationenwertung vor Gastgeber Kenia und China gewannen, daran hatte der Arnstädter Luis Brandner und Schützling von Gerhard Jäger einen großen Anteil. Noch vor gut einem Jahr hatten mit hundertprozentiger Sicherheit weder Bundestrainer Jörg Peter als auch der ehemalige Jenaer Coach Stefan Poser den Schüler des Pierre de Coubertin Gymnasiums im Focus eines WM-Starts, obwohl Brandner als 15-Jähriger die 100 Meter bereits in 11,35 Sekunden sprintete. Bis dato hielt Trainer Alexander Fromm noch die Hände über den talentierten Leichtathleten, der mit 13 Jahren vom Verein Hochsprung mit Musik e.V. zum Sportgymnasium nach Erfurt wechselte und vor allem im Sprungbereich mit 6,09 m im Weit- und 1,72 m im Hochsprung perspektivischer Leistungen anbot. Doch irgendwie deuteten sich immer wieder Verletzungen an, so dass Alexander Fromm die Idee hatte, seinen Schützling in die Obhut von Gerhard Jäger zu geben. Hier traf der 1,89 Meter große Modellathlet nicht nur auf den WM-Starter, mehrfachen Junioren-Europameister und deutschen Meister Julian Reus, sondern auch auf weitere starke Mitstreiter. Ein Wechsel zum Sprung hätte sich aufgrund des Wachstumsschubs sicher nicht günstig auf Luis Brandner ausgewirkt. Doch auch als angehender Sprinter stand Brandner vor ganz neuen sportlichen Herausforderungen. Von Stund“ an war ich in ein völlig neues Leistungsteam mit gezielter und kompetenter  Betreuung durch  Physiotherapeuten, Biomechaniker, Psychologen und spezialisierten Trainer  eingebunden. Ein Trainingsprojekt, das ich bisher nicht kannte.“„Und die stellten mich eigentlich fast von Null auf Hundert so gut ein, dass ich mich ganz zielgerichtet schmerz- und verletzungsfrei in neue Leistungsregionen vorarbeiten konnte. Bereits beim 21. Nationalen Leichtathletik-Meeting in Jena lief sich Brandner in neue Regionen und knackte in 10,63 Sekunden die U18-WM Norm  (10,75 s) und  beim 28. Sachsenmeeting folgte in 21,57 s die Norm über 200 m. Damit nicht genug, bei den Landesmeisterschaften bestätigte Brandner über 100 m in 10,64 s erneut die Norm über 100 m und in 21,30 s auch auf der 200-m-Distanz.  Mit den 21,30 s wäre Brandner sogar bei den U20-Europameisterschaften in Grosetto/Italien startberechtigt gewesen.

 
Angesichts dieser in rund 12 Monaten aufgebauten Erfolgs-Maschinerie stand Luis Brandner urplötzlich vor zwei bis dato noch nie gekannten und erlebten Premieren in seiner noch so jungen leistungssportlichen Karriere. Der erste internationale Einsatz im Team der DLV-Nationalmannschaft und dann noch auf einem anderen Kontinent. „Meine Erwartungshaltung war riesengroß“, so Brandner, „stand für mich die Frage, kann ich doch unter den mir vollkommen neuen  Bedingungen, noch dazu  in einem fremden Erdteil in rund 1500 Meter Höhe, die gleichen und wenn nicht sogar noch bessere Leistungen abrufen?“  Sein großes Ziel war es, sich sowohl über 100 m als  auch 200 m fürs Finale zu qualifizieren. Brandner blieb cool, denn er konnte es, auch wenn der 100-m-Finallauf trotz seines Traumstarts im Vorlauf in 10,54 Sekunden - Verbesserung der Bestleistung um knapp eine Zehntelsekunde - aufgrund technischer Probleme im Fiasko endete. Die neue Bestleistung stärkte sein Vertrauen. Mit dieser Zeit gehörte Brandner zu den Top-Drei im Halbfinale. In 10,62 s löste Brandner als Zweiter problemlos das Ticket fürs Finale. Ich spürte förmlich, dass im Finale noch mehr zu machen ist.“  Doch beim Finallauf  regnete und regnete es, zwei Versuche waren schon missglückt und als der dritte Start erfolgte, rutsche plötzlich sein Startblock weg. Aus der Traum von einer Medaille, für die es nach den Vorlaufzeiten berechtigte Chancen gab. „Ich lief hinterher und trudelte bei mäßigen 11,13 als letzter aus.“ „Die Enttäuschung saß schon sehr, sehr tief, obwohl ich mein eigentliches Ziel, unbedingt im Finale zu stehen, erreicht hatte.“


Bis zum 200-m-Sprintwettbewerb lag ein Tag Pause dazwischen. Bundestrainer Stefan Poser als auch unserer Psychologe baute mich wieder auf, spürte ich doch trotz des Missgeschicks, dass ich auch über 200 m mit der Spitze aus Jamaika oder Afrika mithalten kann. So war es dann auch, erneut bestimmten die Südafrikaner das Niveau. „Ich hatte mir sowohl beim Vorlauf als auch beim Halbfinale eine gut motivierte Strategie aufgebaut, hundertprozentig auf mein Stehvermögen zu setzten. Mit der Bahn sechs im Finale hatte ich ein gutes Los gezogen, war sie doch für meinen Endspurt förmlich prädestiniert. „Ausgangs der Kurve lag ich noch auf Platz fünf“, so Brandner. Und da sich Brandner im Vorlauf als auch Zwischenlauf aus strategischer Sicht nicht voll verausgaben musste, holte er zum fulminanten Endspurt aus und sicherte sich wie im Vorlauf in 21,23 Sekunden hinter dem Südafrikaner Retshidistswe Mlenga (21,03 s) und Tshenolo  Lemao (21,12 s) Bronze. „Ich war nach meinem Missgeschick beim 100 m-Sprint natürlich unheimlich aufgeregt“, erinnert sich Brandner. Dass ich den Erfolg vor über 50 000 Zuschauern erkämpfte, wird mir wohl stets in prickelnder Erinnerung bleiben. „So eine phantastische Zuschauerkulisse noch einmal zu erleben, ist wahrscheinlich nur  bei den Olympischen Spielen wiederholbar.“


Irgendwie ist es schon ein tolles Gefühl, in einer der stärksten deutschen Sprintertruppe unter Trainer Gerhard Jäger gemeinsam  mit Julian Reus, Hagen Träger, Julian Wagner, Hans-Arthus Margraf Arthur ober Jonas Gerlach zu trainieren, hebt Brandner hervor. Das macht Spaß und motiviert, sich neue Ziele zu setzten. „Dass ich altersmäßig jetzt schon Julian Reus überflügelt habe, ist natürlich eine zusätzlich Motivation. Als Julian so jung war wie ich, lag seine 100-m-Bestzeit bei 10,69 s und über 200 m bei 21,71 s. Aber das ist wohl nur eine Zahlen-spielerei und hat nichts zu sagen. Will ich ebenfalls in die Regionen von Julian vorstoßen, so Brandner, müssen in enger Gemeinsamkeit mit meinem Trainer,  Biomechaniker Vladimir Morawiev und unserem Physiotherapeuten Torsten Rocktäschel noch viele Baustellen beackert werden, auch wenn ich jetzt schon mit viel Optimismus den U20- Europameisterschaften 2018 in Finnland entgegenschauen kann. Doch jetzt stehen erst einmal die Deutschen U18-Meisterschaften in Ulm zur Diskussion und da möchte ich zeigen, dass ich zu den besten Sprintern gehöre.“  Dann werde ich erneut auf Nick Kocevar (TSV Bad Endorf) treffen, der ebenfalls im 100-m-Finale stand und im Halbfinale in 10,57 s einen neuen bayrischen Rekord aufstellte. „Gegen starke Konkurrenz u laufen, macht unheimlich viel Spaß, auch zumal  ich jetzt zu den Gejagte gehöre.“ Sehr stolz sind auch meine Eltern und natürlich auch mein ehemaliger Heimtrainer Hubertus Triebel, die einst ja auch erfolgreiche Leichtathleten waren. Mein Vater war einst selbst Sportschüler in Berlin und übersprang zwei Meter. Diese sportlichen Gene sind bei Luis wohl nicht zu übersehen, der in seiner Freizeit sich gern der Fotografie  und der Bearbeitung von Film- und Videos widmet. Doch noch viel wichtiger ist für Luis Brandner, dass das Konzept zur Entwicklung und Ausbildung talentierter Sprinter beim Erfurter LAC weiterhin greift und begab sich ohne lange zu zögern nach einer anstrengenden Trainingseinheit in Vorbereitung auf die U18-DM in die Obhut seines Physiotherapeuten Torsten Rocktäschel, um auch beim nächsten Großereignis erfolgreich auf der Zielgeraden einzubiegen.  –scw-