Lotte Reimann startet Angriff auf die U20-EM-Norm

Wöchentlich erscheint im FreienWort/Südthüringer Zeitung eine DM-Serie über Thüringens Leichtathleten, die bei den Deutschen Meisterschaften in Erfurt (8./9. Juli) an den Start gehen werden. Wir möchten die Athleten an dieser Stelle ebenfalls vorstellen: Speerwerferin Lotte Reimann (LC Jena)

 

Den Angriff auf die 51-Meter-Marke hatte sich Lotte Reimann für den Wettkampf bei den Halleschen Werfertagen fest vorgenommen. Die junge Speerwerferin kam nicht annähernd in diesen Weitenbereich. Lediglich der erste Versuch ging in eine gute Richtung: 49,44 Meter. Für mehr reichte es nicht. Die 18-Jährige vom LC Jena war sichtlich enttäuscht und brauchte einige Minuten, um sich zu ordnen. Währenddessen gab es aufmunternde Worte von den Nachwuchs-Bundestrainern, der Heimtrainerin Petra Felke und den Speerwurfkolleginnen.

Danach huschte gelegentlich sogar ein Lächeln über ihre Lippen. "Eigentlich kann ich mit der Weite zufrieden sein, weil ich mich zur Vorwoche gesteigert habe. Ich bin der Meinung, es wäre sogar noch mehr drin gewesen. Beim Einwerfen und im ersten Versuch bin ich noch locker, anschließend fange ich an zu denken und will einfach zu viel", erklärt sie ihren Leitungsabfall. Beim Speerwurf-Meeting in Offenburg standen als Bestweite 47,57 Meter im Protokoll. Dass es in diesem Jahr schon weiter ging, verrät ein Blick auf ihre Saisonbestleistung. Zu Jahresbeginn warf sie ihr 600-Gramm-Arbeitsgerät auf 50,01 Meter - in Halle/Saale.

Ein schönes Gefühl, welches sie in dieser Saison gern noch öfter erleben möchte. "Für uns jüngere Athleten ist dieser Bereich schon eine magische Marke. Von jedem Werfer ist es das Ziel darüber zu werfen", betont die U20-Athletin, die mit elf Jahren ihren ersten Wettkampf mit dem Speer absolvierte. Zuvor wollte sie 800-Meter-Läuferin werden. Irgendwann blieb der Spaß auf der Strecke. Um in der Leichtathletik zu bleiben, wurde aus der Notlösung "Werfen" ihre Berufung. "Es lief einfach richtig gut. Ich wusste dann, das ist es."

Die nächste Möglichkeit für eine große Weite bietet sich ihr beim SoleCup in Schönebeck (2. Juni) und beim Internationalen Speerwurf-Meeting in Jena (10./11. Juni). Dort soll es aber noch weiter gehen als über die Marke von 50 Meter. Der Grund: die Norm für die U20-Europameisterschaften in Grosseto (Italien; 20. bis 23. Juli). Gefordert sind 51 Meter.

"Die Teilnahme ist mein großes Ziel. Spätestens zur Gala in Mannheim soll die Quali-Weite auf der Anzeige stehen. Je eher, desto besser", blickt Reimann auf das internationale Großereignis voraus. Für die Athletin des jüngeren U20-Jahrgangs wäre es nicht der erste Einsatz im Nationaltrikot. Erstmals trug sie es vor zwei Jahren bei den U18-Weltmeisterschaften in Cali (Kolumbien), letztmals beim U20-Länderkampf in Halle vor einigen Monaten. "Für mich ist es eine Ehre, für Deutschland starten zu dürfen. Ich bin sehr stolz auf mich, dass ich ein festes Mitglied der Nationalmannschaft bin."

Auf Grosseto folgt Ulm: Bei den Deutschen Jugend-Meisterschaften (4. bis 6. August) möchte sie gern einen weiteren Titel zur ihrer Sammlung hinzufügen. Zwei hat sie schon, beide stammen aus ihren Einsätzen in der U18. Leicht wird ein erneuter Titelgewinn nicht: "Das wird richtig schwer. Zumal Lisa Weißbach und Ann-Kathrin Witt noch weiter werfen können. Lisa hat in Halle die EM-Norm abgehakt. Ich sehe beide nicht vorrangig als Gegner, sondern als Freunde mit denen ich einen Wettkampf bestreite. Das macht unheimlich Spaß."

Groß über die DM in Erfurt (8./9. Juli) hat sie noch nicht nachgedacht. Der Richtwert mit 51,50 Meter doch eine gewaltige Hürde für die Jenaerin. "Ich fühle mich bereit, die Norm zu werfen. Wenn ich dort mit den Frauen an den Start gehen dürfte, das wäre eine große Ehre für mich." Reimann will nichts unversucht lassen. Vielleicht platzt bei einem der noch ausstehenden Meetings der Knoten, damit die angestrebte magische 51-Meter-Marke doch noch fällt.

 

Tickets für die DM in Erfurt: www.leichtathletik.de/termine/top-events/dm-2017-erfurt/tickets/