Leverkusen: Siebenkampf-Krimi! Serina Riedel bucht WM-Ticket für Cali

Zwei Tage, sieben Disziplinen: In Leverkusen kämpfte Serina Riedel beim Qualifikations-Wettkampf für die U20-Weltmeisterschaften in Cali (Kolumbien; 1. bis 6. August) um einen der beiden Startplätze. Während Sandrina Sprengel die Konkurrenz dominierte, entwickelte sich dahinter ein Siebenkampf-Krimi um den zweiten WM-Startplatz. Mittendrin eine Thüringerin.

Es gab im Vorfeld diese Absprache. Nein, rechnen, das wollten sie nicht. Jede Disziplin wurde separat für sich gesehen und bewertet. „Das Ziel war es, die persönliche Bestleistung anzugreifen“, sagte ihr Trainer Tom Mäusebach. Und wie man einen Spannungsbogen aufbaut, demonstrierte Serina Riedel (TSV Zeulenroda) an beiden Tagen eindrucksvoll. Der Auftakt verlief mit dem Hürdensprint und einer Zeit von 13,96 Sekunden sehr hoffnungsvoll. Sie blieb auch nur eine Hundertstelsekunden über ihrer Bestzeit. „Ich wollte schon gern unter 14 Sekunden laufen. Das beruhigt einen und war ein guter Einstieg“, berichtete Serina Riedel (TSV Zeulenroda).

Der Hochsprung entwickelte sich zur kleinen Zitterpartie: Jeweils drei Versuche brauchte sie über 1,70 und 1,73 Meter, ehe sie die aufgelegte Höhe übersprang. Die vorherigen Höhen meisterte sie gleich in der ersten Runde. Dann wurden 1,76 Meter, sie hätte damit ihre Bestleistung eingestellt, aufgelegt. Es folgten drei Fehlversuche. „Ich glaube, im Hochsprung sind gute Ansätze vorhanden und noch viel mehr drin“, sah sie reichlich Potenzial. In Gotha wuchtete sie die Kugel zuletzt auf eine neue Bestmarke von 12,72 Meter, in Leverkusen standen 12,28 Meter im Protokoll. „Ich bin dennoch voll zufrieden. Es war besser als im Vorjahr in Tallinn. Ich würde schon ganz gern im Bereich der 13 Meter stoßen, wenn nicht sogar weiter“, meinte Serina Riedel, die den ersten Tag mit einer neuen persönlichen Bestzeit abschloss.

Eistonne bringt Abkühlung

Sie trommelte über 200 Meter eine flotte Zeit von 24,65 Sekunden auf die Bahn. Dabei konnte sie sich auf den letzten Metern noch an die Führenden Sandrina Sprengel (LG Steinlach-Zollern) und Marie Dehning (TSV Bayer 04 Leverkusen) heranlaufen. Die neue Bestzeit gab ihr nach dem ersten Tag ein gutes Gefühl. Nach diesem überraschend schnellen Abschluss des ersten Tages gab es die verdiente Abkühlung – nämlich reichlich Eis. „Es war so heiß in Leverkusen, man brauchte sich gar nicht warmmachen. Die mit Wasser getränkten Handtücher waren nach zehn Minuten wieder trocken. Mit dem Eis habe ich mir dann meine Beine eingerieben und mich anschließend noch in die Eistonne gestellt“, berichtete Serina Riedel.

Sie übernachtete hinter Sandrina Sprengel auf dem zweiten Platz. „Ich habe richtig gut geschlafen und nicht mehr den Wettkampf im Kopf gehabt. Am zweiten Tag wollte ich einfach nur einen schönen Weitsprung, Speerwurf und 800 Meter Lauf abliefern“, blickte sie voraus. Das gelang ihr sogleich im Weitsprung mit drei Durchgängen über die 6-Meter-Marke. Mit ihrem weitesten Sprung auf 6,27 Meter kratzte sie wie in der Vorwoche in Gotha erneut an ihrem Hausrekord. „Dieser Auftakt hat mir nochmal den nötigen Push gegeben.“ In ihrer vorletzten Disziplin, dem Speerwurf, wollte sie gern eine 40 vor dem Komma, was ihr in der zweiten Runde mit 40,81 Meter gelang.

Herschlagfinale über 800 Meter

Der Taschenrechner blieb auch vor dem abschließenden Lauf über 800 Meter in der Tasche. „Ich habe mir keine Punkte angeschaut“, sagte Serina Riedel. Sie nahm ihr Herz in die Hand und lief, was ihr Körper und die Füße hergaben. Als Vierte in persönlicher Bestzeit von 2:21,52 Minuten erreichte sie völlig erschöpft das Ziel. „Sie hat über 800 Meter gezeigt, dass sie noch besser ist als im Training“, sagte ihr Trainer. Ihr Einsatz und Kampfgeist wurden belohnt: Während Sandrina Sprengel die Konkurrenz dominierte, entwickelte sich dahinter ein spannender Zweikampf zwischen Serina Riedel und Marie Dehning. Das glückliche Ende um das zweite WM-Ticket verbuchte die Thüringerin mit neuer Bestleistung von 5.894 Punkten für sich, Marie Dehning (5.870 P.) wurde Dritte.

„Die Mädels haben einen solch starken Siebenkampf abgeliefert. In der Welt belegen die Drei mit ihren Ergebnissen die Plätze zwei bis vier. Umso bitterer für Marie, dass sie es als Dritte bei der Qualifikation nicht geschafft hat. Wir hoffen sehr, dass sich Marie im Speerwurf für die WM qualifizieren kann und sie den Weg in Cali gemeinsam gehen können“, sagte Tom Mäusebach, der seiner Athletin jetzt eine Woche Pause gönnt. Als nächstes sind Einzelstarts bei den Deutschen Jugendmeisterschaften in Ulm (15. bis 17. Juli) geplant. Außerdem gibt es eine Einladung zur Junioren-Gala in Mannheim (2./3. Juli). „Ich habe zu Wochenbeginn mit DLV-Nachwuchstrainer Peter Rouhi telefoniert, der uns nach Mannheim eingeladen hat. Da unser Plan A aufgegangen ist, liegt der Fokus auf dem Mehrkampf.“ In Gotha hatte Serine Riedel zuletzt die Einzelnorm im Weitsprung erfüllt. -sam-

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