Julian Reus: Mit Spaß, Ehrgeiz und Motivation ins neue Amt

Wenn Julian Reus auf die vergangenen Wochen zurückblickt, dann verspürt der 32-Jährige eine ernorme Dankbarkeit. Die Auswirkungen der Corona-Krise bekam der Sprinter vom LAC Erfurt Top Team nicht annähernd so stark wie das Gros der anderen DLV-Athleten zu spüren. „Es verging kein einziger Tag, wo ich nicht trainieren durfte. In der Halle und im Stadion konnte ich mein Programm durchziehen. Das war von der Thüringer Landesregierung, der Stadt Erfurt und dem Olympiastützpunkt Thüringen top geregelt.“ Darüberhinaus leitet er seit mehr als einem halben Jahr die Kommission Leistungssport im Thüringer Leichtathletik Verband (TLV). Seine ersten Bestrebungen wurden durch die Corona-Krise ausgebremst, aber sein Blick geht positiv in die Zukunft.

Es war Ende Januar als der Leichtathletik-Weltverband die Hallen-WM in Nanjing (China) wegen des Coronavirus-Ausbruchs absagte. „Ab diesem Moment bekam man schnell das Gefühl, dass es nicht bei dieser einen Absage bleiben wird und es womöglich noch mehr Sportevents betreffen könnte.“ Das ungute Gefühl trügte Julian Reus nicht. Zunächst wurden die Olympischen Spiele in Tokio (Japan) ins nächste Jahr verschoben. „Als die Absage kam, habe ich meinem Körper eine zweiwöchige Ruhepause gegönnt. Wir hatten zu diesem Zeitpunkt noch spekuliert, dass die EM nicht abgesagt wird“, berichtet Julian Reus. Doch auch die letzte leise Hoffnung versiegte, als Ende April die Absage der Leichtathletik-Europameisterschaften in Paris die Sportler erreichte.   

Nach der kleinen Pause kehrte der Vater einer dreijährigen Tochter zurück ins Training. Der Spagat zwischen Sport und Familie klappte dabei problemlos. „Wir waren eine der wenigen Familien, die normal leben konnten. Meine Frau ist Ärztin, sie arbeitet in einem systemrelevanten Beruf. Somit war gewährleistet, dass wir unsere Tochter in die Kita bringen konnten“, erzählt Julian Reus vom kleinen Glück in dieser Corona-Ausnahmesituation. So war gewährleistet, dass er ganz normal sein Trainingspensum absolvieren konnte.

Momentan feilt der deutsche Rekordsprinter mit dem Trainergespann Gerhard Jäger und Tobias Schneider an der Spezifik, um dann im Juli und August schnell laufen zu können. Gerade mit den Lockerungen bieten sich vor den Deutschen Meisterschaften in Braunschweig (8./9. August) noch einige Wettkampfmöglichkeiten an. Auch vor der eigenen Haustür. „Wir basteln an einer Wettkampfvariante in Thüringen. Wo der Wettkampf stattfinden wird, dass hängt vom Landkreis und dem Gesundheitsamt ab.“ Eine Entscheidung sollte in diesen Tagen fallen. Das wird in Gotha sein

Außerhalb der Bahn bekleidet Julian Reus seit mehr als einem halben Jahr das Amt des Kommissionsvorsitzenden Leistungssport beim TLV – mit Spaß, Ehrgeiz und Motivation. Er übernahm die Nachfolge von Thomas Gentzel. „Thomas war in der ersten Sitzung nach der Wahl dabei. Ich habe mir gar nicht groß Infos von ihm im Vorfeld eingeholt. Ich werde die Themen unvoreingenommen angehen und habe dafür einen klaren Plan.“ Und ein großes Team: Sichtungstrainer Steffen Droske, die Trainervertreter Rico May und Enrico Aßmus, Leistungssportkoordinator Axel Siegfried, Jugendwart Max-Otto Strobel, Verbandärztin Anja Beberhold und OSP-Sportwisseschaftlicher Vladimir Muravev.  

In den ersten Wochen ging es ihm um die Analyse, wie der TLV qualitativ und quantitativ strukturell dasteht. Eigentlich hätte es im März eine erste Kommissionssitzung geben sollen. Diese fiel dem Ausbruch des Corona-Virus zum Opfer. Durch die Zwangspause seien ihm zwei bis drei Monate in der Arbeit verloren gegangen. Die Ergebnisse seiner Arbeit sollen langfristig Wirkung im Leistungssport zeigen. Daher wird er sich erst in zwei, drei Jahren messen lassen müssen, was von seinen Plänen umgesetzt werden konnte.

Mit einer anderen Entscheidung wird es nicht mehr allzu lange dauern. Julian Reus denkt offen über ein zeitnahes Karriereende nach. „Darüber werde ich in den nächsten Wochen ruhig entscheiden. Ich habe das Glück, dass ich auf beide Varianten vorbereitet bin. Mir ist wichtig, dass meine Familie, mein Trainer, mein Arzt und Physiotherapeut, sowie der Verein hinter der Entscheidung stehen.“ Egal für welche Variante er sich entscheiden wird, er ist vorbereitet. Solch ein Glück hat nicht jeder Sportler.