Jena: Vorfreude auf „Premieren-Flüge“ im Nationaltrikot

Ihm fehlen immer noch die Worte: Kevin Brucha löste auf den letzten Drücker das Ticket für die U20-Europameisterschaften in Tallinn (Estland; 15. bis 18 Juli). Bei der Junioren-Gala in Mannheim übersprang er die Norm von 7,55 Meter. An diesem Tag erfüllte sich alles - und nun warten auf den Weitspringer die ersten „Flüge“ im Nationaltrikot.

Dienstagabend hob erstmal der Flieger von Frankfurt nach Tallinn ab. Mit dabei der Jenaer Weitspringer, der vor ganz besonderen Tagen steht. Für ihn ist es der erste Einsatz im Nationaltrikot. „Es ist ein atemberaubendes Gefühl, weil es einen einfach stolz macht, dieses Trikot tragen zu dürfen“, sagt der Schützling von Trainer Rico May, der als Nachwuchs-Bundestrainer in der Vorwoche bei den U23-Europameisterschaften die Hürdensprinter vor Ort betreute.

Somit hielt er seinen Athleten auf dem Laufenden, schickte Fotos und gab nur positive Rückmeldungen aus Tallinn. „Nach den Informationen von meinem Trainer ist alles vor Ort gut organisiert vom Veranstalter und dem Deutschen Leichtathletik-Verband.“ Anzeichen von Nervosität spürt Kevin Brucha keine. Eher eine große Menge Vorfreude auf seinen ersten internationalen Einsatz. Fast hätte sich dieser schon im Sommer 2019 mit einem Start beim Europäischen Jugendfestival in Baku erfüllt. Bei der Qualifikation in Mannheim schockte ihn die Konkurrenz bereits im ersten Durchgang. „Ich war mental nicht in der Lage, die Weiten zu kontern“, erinnert sich Kevin Brucha zurück.

Zwei Jahre später: Er ist zurück in Mannheim. Dieses Mal geht es um die EM-Qualifikation für Tallinn. Es gibt drei Startplätze, die Norm liegt bei 7,55 Meter. Kevin Brucha weiß, er hat die Weite drauf. Doch dann ist es die nationale Konkurrenz wie Simon Zöllner (Schweriner SC), der in der zweiten Runde bei 7,60 Meter landet. „Ganz ehrlich, der Sprung von Simon hat mich so sehr gepusht, dass ich kontern konnte“, berichtet Kevin Brucha, der im dritten Versuch seine Tagesbestweite und persönliche Bestleistung von 7,58 Meter sprang. Danach brachen alle Dämme. Riesenjubel bei Athlet wie Trainer. „Ich war mental nicht in der Verfassung weiter zu springen. Ich habe dann den nächsten Sprung ausgelassen.“

Das war sein Ticket für die U20-EM. Die Tage kam Post, ein riesiges Paket. Das Auspacken heizte die Vorfreude weiter an. Drin war die Nationalkleidung. Passen tut alles. Nach der Anreise steht am Mittwoch die Stadionbesichtigung an, bevor es dann für Kevin Brucha am Donnerstag (16:05 Uhr), dem Auftakttag der U20-EM, um den Einzug ins Finale geht. Priorität hat für ihn aber die Gesundheit. „Ich will erstmal gesund durch den Wettkampf kommen. Anhand der Vorweiten möchte ich gern das Finale erreichen. Für das große „Q“ sind 7,50 Meter erforderlich. Wenn es für die Top 12 reicht, will ich das Finale genießen. Es kann alles passieren“, blickt er auf seinen Wettkampf voraus.

In Tallinn wird es dann schon eine Stunde später sein, nämlich 17:05 Uhr. Stören tut ihn die späte Quali-Zeit nicht. „Ich erinnere mich noch sehr gut an das Erfurt Indoor, wo ich 21 Uhr gesprungen bin. Das macht mir nichts aus.“ Viel mehr steckt ihn ihm die große Vorfreude auf das, was in den kommenden Tagen passieren wird. Er will genießen, Spaß haben und sein Debüt mit weiten Flügen krönen. -sam-

Live-Ergebnisse Qualifikation (Donnerstag; 16:05 Uhr) II Finale (Freitag; 16:58 Uhr)