Jena: Rico May betreut DLV-Nachwuchs im Hürdensprint

Frischer Wind für Deutschlands junge Hürdensprinter: Der Deutsche Leichtathletik Verband (DLV) hat Rico May zum Nachwuchs-Bundestrainer Kurzhürde männlich ernannt. Der Jenaer ist der dritte Bundestrainer in der Thüringer Leichtathletik. Am Standort Erfurt betreut Enrico Aßmus als Hindernis-Bundestrainer die Aktiven wie Martin Grau, Tim Stegemann und Patrick Karl. Zudem ist Alexander Fromm als DLV-Disziplintrainer für den weiblichen Nachwuchs Mittelstrecke zuständig.

Vor einiger Zeit erhielt Rico May einen Anruf von Volker Beck. Der leitende Bundestrainer für Kurz- und Langhürde erkundete sich nach seinem Interesse an einer Trainertätigkeit im Nachwuchsbereich. Unweigerlich folgte die Frage: Warum ich? Das klärte sich schnell im weiteren Gespräch. Als Trainer sei er breit aufgestellt und arbeitete sehr erfolgreich mit seinen Sportlern zusammen. Jüngst wurden beispielsweise Dreispringer Max-Ole Klobasa oder Hochspringerin Annabell Recke in den Bundeskader berufen. Als Langhürdler betreut er Lukas Peter und Luise Herdegen.

Ein langer Prozess bis zur Entscheidung

„Im ersten Moment war ich schon ein bisschen baff, weil ich keinen Spitzenathleten über die Kurzhürde im Team habe“, zeigt sich Rico May anfangs erstaunt. Nicht allein die fachlichen Kompetenzen gaben den Ausschlag für das Angebot. Ebenso spielten die kommunikativen Fähigkeiten und die Philosophie vom Training eine Rolle. „Ich habe mich weder auf eine Stelle beworben, noch war diese ausgeschrieben“, stellt er klar. Er wurde direkt von Volker Beck angesprochen. Als er seiner Trainingsgruppe nach der Spitzensporttagung in Kienbaum von seiner Berufung erzählte, zeigten sich die Sportler „total begeistert. Sie waren sehr angetan und sehen die Berufung als großen Schritt“.

Dieser große Schritt war ein sehr langer Prozess. Schließlich gab es nicht nur seine Trainingsgruppe. „Erstmal musste ich für mich selbst alles ordnen. Wichtig war mir, dass meine Familie - meine Frau und meine vier Kinder - mitspielt. Ich habe glücklicherweise eine Frau, die eine unendliche Geduld mit mir hat. Schließlich werde ich als Nachwuchs-Bundestrainer noch mehr unterwegs sein. Das wollte ich vor meiner Entscheidung geklärt haben“, sagt Rico May. Außer der Familie gibt es noch seinen eigentlichen Job, den als Lehrer am Jenaer Sportgymnasium. „In erster Linie geht es darum, dass ich meine Arbeit als Lehrer richtig gut mache.“

Keine Abstriche für neue Aufgabe

Familie, Job und Trainingsgruppe zu vereinen, das funktionierte in der Vergangenheit recht gut. Nun erwartet ihn mit seiner Tätigkeit als Nachwuchs-Bundestrainer eine neue Herausforderung. Abstriche will er eigentlich keine machen. Seine eigene Trainingsgruppe hat er seit 2014 am Start, als Lehrertrainer ist er seit 19 Jahren in Jena tätig. Darum ist ein gutes Zeitmanagement gefragt.

„Das ist wirklich eine Gratwanderung, immer allen gerecht zu werden. Ich kann heute noch nicht wirklich abschätzen, wo ich vielleicht Abstriche machen muss. Ich möchte meine drei wichtigsten Dinge wie die Familie, meinen Job und meine Trainingsgruppe nicht vernachlässigen. Ein gewisses Risiko ist dabei, das ich versuche kalkulierbar zu machen.“ Da er ein Mensch ist, der sich gern Herausforderungen stellt, hat er sich für das Traineramt auf nationaler Ebene entschieden.

Kommunikation als Baustein

„Für mich ist es ein toller Schritt und eine Wertschätzung für meine Arbeit. Ich denke, dass ich etwas bewegen kann. Darauf habe ich richtig Bock“, sagt Rico May. Ziel wird sein, die Athleten an internationale Meisterschaften heranzuführen. Schon im nächsten Jahr bietet die Freiluftsaison mit der U18-EM in Rieti (Italien; 26. bis 29. August), der U20-EM in Tallinn (Estland; 15. bis 18. Juli) und der U20-WM in Nairobi (Kenia; 17. bis 22. August) drei internationale Höhepunkte. Die Arbeit wird für ihn ein Stück weit auch Lernprozess werden. Die Vorfreude überwiegt. „Ich freue mich auf die Jungs und mit ihnen zusammenzuarbeiten.“ Ebenso wie mit dem Trainerteam. Dazu gehören Volker Beck sowie Bundestrainer Alexander John und die jeweiligen Heimtrainer.

Seine erste geplante Maßnahme fiel dem „Lockdown light“ im November zum Opfer. Dafür hatte er zu einem Kader-Lehrgang nach Erfurt geladen. Ein erstes persönliches Kennenlernen musste damals noch warten. Gleichwohl war und ist er mit den Bundeskadern sowie deren Heimtrainern über Mail, Videokonferenzen, Telefon und WhatsApp im stetigen Kontakt.

„Ich versuche viel zu kommunizieren - Austausch über Wettkampfleistungen, Trainingsübungen und mögliche weitere Wettkämpfe. Ich bekomme viele positive Rückmeldungen“, sagt Rico May. Das innere Gefühl sage ihm, dass er den Spagat mit Familie, als Lehrer, seiner Trainingsgruppe und der neuen Aufgabe gut schaffen werde. Die ersten Monate in seinem neuen Amt sind vergangen. „Es ist nicht einfach, aber ich denke, dass ich angekommen bin.“