Jena: Chantal Rimke lässt Kugel und Speer weit fliegen / Aufatmen bei Tom Meier

In der Jenaer Oberaue durchlebten Trainer und Athleten am Samstagnachmittag ein Wechselbad der Gefühle. Das Organisationsteam Petra Felke und Julius Stammler hatten im kleinen Rahmen eine Zwei-Disziplinen-Veranstaltung auf die Beine gestellt. Auf dem Programm standen Kugelstoßen und Speerwerfen. Glänzend aufgelegt präsentierte sich Chantal Rimke, die die U16-Konkurrenzen dominierte. Großes Aufatmen bei Speerwerfer Tom Meier, der erstmals in dieser Saison die 70-Meter-Marke knackte.

Als Zuschauer war Tom Meier (LC Jena) gekommen. Nach seinem Start am Vortag in Dresden, er kam erst 23 Uhr wieder in Jena an, wollte er den Heimwettkampf in ruhiger Atmosphäre genießen. Es kam anders. Glücklicherweise. Er streifte sich nach dem Warmlaufen seine Wettkampfklamotten über, warf sich ein und hinterließ trotz der Strapazen vom Vortag einen starken Eindruck. Dieser setzte sich im Wettkampf fort. Ein erster Fingerzeig waren die ersten Versuche, wenn auch noch ungültig. „Die Ungültigen waren alle über 70 Meter. Ich stand leider vom Fuß auf der Linie“, machte er sein Dilemma deutlich. Im vierten Durchgang dann der erlösende Wurf: 71,85 Meter. Der erste 70er in dieser Saison. „Ich bin sehr happy über die Weite“, freute er sich über seine Leistung.

Wenngleich solch ein Pensum innerhalb kürzester Zeit seine Spuren hinterlässt. „Zwei Wettkämpfe innerhalb von zwei Tagen, das ist schon recht knackig.“ Wenn alles klappt und die Zustimmung vom Deutschen Leichtathletik Verband erfolgt, startet er kommenden Samstag beim Meeting „Fast Arms, Fast Legs“ in Wetzlar. Anschließend folgt eine kleine Pause. In seinem Medizinstudium stehen Klausuren an. Wenn alles gut läuft geht es dann für vier, fünf Tage zu zwei Wettkämpfen nach Finnland. Dem könnte sich ein Start bei den Deutschen Meisterschaften in Braunschweig (8./9. August) anschließen. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt. Tom Meier kann nur hoffen, dass er zugelassen wird. Doch damit ist seine Saison noch lange nicht beendet. So folgen weitere Starts bei kleineren Meetings und beim 4. Ursapharm Speerwurfmeeting (29. August) in Offenburg. Dabei hat er eine Weite ganz besonders im Blick: seine persönliche Bestweite (73,19 m). Er will sie angreifen und seine ersten Würfe über 75 Meter realisieren.

Ein anderer warf den Speer erstmals über 60 Meter: In seinem ersten U18-Jahr durfte sich Josh Anhalt (LC Jena) zum Saisoneinstieg über eine Bestweite von 63,62 Meter freuen. Sein zweiter 60er an diesem Tag wurde mit 60,90 Meter gemessen. „Das war schon gut“, attestierte Trainer Harro Schwuchow seinem Schützling einen vielversprechenden Einstieg. Für eine andere gab es Schulterklopfer: Chantal Rimke (LC Jena) übertraf erstmals mit 40,42 Meter die 40-Meter-Marke. Ihre zweite Bestweite an diesem Tag. Zuvor steigerte sich die U16-Athletin im Kugelstoßen auf 14,55 Meter. Und sie zeigte, sie hat Potenzial für mehr. Im ersten Durchgang flog die Kugel sogar noch weiter. „Er wurde ungültig gegeben. Das waren bestimmt um die 14,80 Meter“, schätzte Trainerin Petra Felke ein. Im Kugelstoßen fand U18-Mehrkämpferin Serina Riedel (TSV Zeulenroda) nicht in ihren Rhythmus. Ihre Miene erhellte sich spätestens nach dem Speerwurf als 42,36 Meter als neue Saisonbestweite ins Protokoll eingingen.

Ihre Schützlinge beobachtete Petra Felke aus einem anderen Blickwinkel, sie half bei der Weitenmessung. „Ich habe mich als Trainerin bewusst zurückgehalten. Es gibt immer Situation, wo du als Trainer nicht unmittelbar mit deinem Athleten kommunizieren kannst oder du nicht beim Wettkampf vor Ort bist. Sie sollten das Gefühl für sich selbst, die eigene Bewegung, bekommen“, erklärte sie ihre Zurückhaltung. Die fremde Perspektive brachte neue Erkenntnisse. Eine erste Rückmeldung bestätigte sich mit ihrer. Ihre jungen Athletinnen sahen von den Beinen müde aus. „Man hat gesehen, jeder Wettkampf ist auch ein Lernwettkampf“, sagte die 60-Jährige. Viel Zeit zur Analyse bleibt nicht, denn schon am kommenden Mittwoch reist sie mit ihrer Trainingsgruppe zum HLF-Wurfmeeting nach Halle/Saale. Auch dort wird sie wieder ganz genau hinschauen und womöglich neue Erkenntnisse gewinnen.