Jena: Emilia Junker hat gehörig Feuer im Arm

Die außergewöhnliche und herausfordernde Zeit verarbeitete die Band Silbermond in ihrem Song „Es war ein anderer Sommer“. Ihre Gedanken und Gefühle prägen die Songzeilen, die unweigerlich immer an dieses andere Jahr erinnern. Für einen bleibenden sportlichen Moment sorgte derweil Emilia Junker (LC Jena). In der Jugend W14 pulverisierte sie den Landesrekord im Speerwurf um mehr als vier Meter auf 46,58 Meter. Im nächsten Jahr sind die Deutschen U16-Meisterschaften in Hannover das Ziel. Gern mit einem Platz auf dem Treppchen.

Es war einer der letzten Tage im September, auf dem Wurfplatz des Erfurter Steigerwaldstadions herrschte an jenem Nachmittag reges Treiben. Mittendrin eine kleine Delegation vom LC Jena. „Ich habe an diesem Tag keine Bestweite erwartet. Ich wollte einfach einen Wettkampf machen“, erinnerte sich die 14-Jährige an diesen Abendwettkampf Wurf zurück.

Locker, gelöst und entspannt startete Emilia Junker in die ersten Versuche. Der erste noch ungültig, verlief die zweite Runde mit 40,96 Meter recht solide. Im dritten Durchgang hatte sie dann gehörig Feuer im Arm und ließ den Speer auf 46,58 Meter segeln. „Im Moment des Abwurfs merkt man schon, dass der Speer weit rausgeht.“ Als sie die Weite erfuhr, war die Begeisterung natürlich groß. Nur wohin mit der ganzen Freude? Geteilte Freude ist bekanntlich die schönste Freude – sie stürmte direkt in die Arme ihrer Trainerin Petra Felke, die sich ebenso glücklich über die starke Leistung zeigte.

Ohne Druck in den Corona-Sommer

Es war nicht das erste Mal, dass sie den Landesrekord in diesem Sommer übertraf. Somit war der alte Rekord längst Geschichte. Er hielt etwas mehr als sieben Jahre, aufgestellt von Lisa-Marie Reimann (LC Jena) mit 42,19 Meter. Ob vielleicht noch mehr geht? Für einen kurzen Moment spuckte Emilia Junker die deutsche Bestleistung (47,52 m) im Kopf herum. Der Gedanke war schnell verflogen – einen weiteren Wettkampf sollte es nicht geben. Das Soll mehr als übererfüllt. Wenngleich es kein richtiges Saisonziel gab. „Ich wollte in diesem Jahr einfach mal schauen, was möglich ist.“

Ziemlich viel. Und das nach einem Frühjahr, wo an ein geregeltes Training auf der gewohnten Sportanlage nicht zu denken war. Daheim - in einem Dorf nahe Schleiz - flogen stattdessen Speere übers Feld. Ziemlich einsam. „Das war einfach nicht meins. Ich brauche das Training in der Gruppe“, gesteht sie. Nicht nur die Gruppe fehlte. Auch der Trainer für das Techniktraining. Das war kaum möglich, dafür Krafteinheiten umso mehr.

Wenn nicht gerade ein Lockdown für diese ungewollten Maßnahmen sorgt, besucht sie das Sportgymnasium in Jena. Mittlerweile seit zwei Jahren. „Für mich war es kein Problem auf die Sportschule und das Internat zu wechseln. Ich wollte es von mir aus“, sagt sie ohne Umschweife. Besonders schätze sie die kurzen Wege. „Alles ist hier an einem Ort. Außerdem hat man hier viel mehr Möglichkeiten zum Trainieren. An meiner alten Trainingsstätte gab es nur eine Aschebahn.“

Spezifisches Speerwurftraining bei Petra Felke

Begonnen mit der Leichtathletik habe sie mit sechs Jahren in Schleiz, ihr Trainer Andreas Hoppe. Anfangs waren es Schlagbälle, die weit durch die Lüfte flogen. „Das Ballwerfen hat mir unheimlich viel Spaß gemacht. Ich habe schon immer Feuer im Arm“, sagt sie lächelnd. Auf den Schlagball folgte der Speer. Und mit dem neuen Schuljahr (9. Klasse) eine neue Trainingsgruppe. Nämlich die von Petra Felke. Das Training ist hart. Nach intensiven Wochen gab es die erste Woche in den Herbstferien trainingsfrei. „Wir sollten einfach mal runterfahren. Die Woche habe ich für mich gut genutzt. Ich war Fahrradfahren und im Harz ein bisschen wandern“, berichtet Emilia Junker.

Vor ihrem Wechsel zu Petra Felke war sie in der Sprintgruppe von Romy Gürbig und Max-Otto Strobel aktiv. In dieser Zeit war nur einmal die Woche spezifisches Speerwurftraining möglich. Jetzt kann sie ihrer Leidenschaft an allen Tagen nachgehen. Obwohl sie abseits des Wurfplatzes sportlich recht vielseitig unterwegs ist. Mal ist es Klettern, im Urlaub das Surfen. Dafür fährt die Familie gern in den Süden. Nur bremste eben dieser andere Sommer die Familie in der Urlaubsplanung gehörig aus. Jetzt schickt sich der Herbst an und sorgt für eine weitere außergewöhnliche Zeit. Es ist wirklich ein anderes Jahr, was aber immer mit dem Speerwurf-Landesrekord von Emilia Junker verbunden bleibt. Zumindest solange, bis eine Andere weiter wirft.

Einschätzung Trainerin Petra Felke:

Ich betreue Emilia im Speerwurf seit gut einem Jahr. Zuvor war sie in der Vielseitigkeitsgruppe von Romy Gübrig und Max-Otto Strobel. Ganz bei mir ist sie seit September. Für mich ist sie wahnsinniges Wurftalent gepaart mit  einem enormen Ehrgeiz. Was mir bei ihr sofort aufgefallen ist, dass sie einen ausgesprochen langen und schnellen Arm hat. Außerdem ist sie sehr fleißig und gewissenhaft. Bei ihr stimmt das Gesamtpaket. In den Enheiten gibt sie immer vollen Einsatz, sie könnte bis zum Abwinken trainieren. Sie ist eine Athletin, wenn im Training ein Versuch nicht gut war, nimmt sie sich gleich wieder den Speer und will noch mal einen guten machen.