Jena: Doppelrolle für Hürdensprinter Florian Näbelung

Schnell und am besten sicher durch den Hürdenwald: Auf seinem Weg ins Ziel stehen zehn dieser Hindernisse. Und eben diese waren für Florian Näbelung in diesem Sommer Fluch und Segen zugleich. In Regensburg überwog die Freude, nach Gotha der Frust – einhergehend mit einem frühzeitigen Saisonende. Zu seinem Dasein als Athlet erfüllt der Nachwuchsathlet parallel eine weitere Rolle. Nämlich die als Trainer.

Er hatte andere Ziele. Als Höhepunkte hatte Florian Näbelung (LC Jena) die Deutschen Jugendmeisterschaften in Ulm anvisiert, als Zugabe die U23-DM in Wattenscheid. Nichts davon sollte sich erfüllen. Dabei hatte seine Freiluftsaison, seine erste in der neuen Altersklasse U20 und erstmals über die Hürdenhöhe von 0,991 Meter, recht gut begonnen. Nach seinem Auftakt mit 15,55 Sekunden in Leipzig folgte die rasante Steigerung auf 14,65 Sekunden beim DSC-Meeting in Dresden und der nächsten Topzeit von 14,55 Sekunden bei der Sparkassen-Gala in Regensburg. „Das war das erste Rennen der Saison, wo alle Hürden stehengeblieben sind. Das war ein sauberer Lauf. Aber ich denke, es gibt noch viel Verbesserungspotenzial. Gerade auch was das Laufen zwischen den Hürden betrifft“, erklärt der 18-Jährige.

Mit seiner Bestzeit von 14,55 Sekunden war der Weg geebnet für einen verheißungsvollen Sommer. Dieser endete abrupt - nach den Landesmeisterschaften in Gotha. Im Vorlauf standen 14,62 Sekunden auf der Uhr, im Finale 14,67 Sekunden. Zuvor hatte er noch die 100 Meter bei leichtem Rückenwind in neuer Bestzeit von 10,97 Sekunden zurückgelegt. Zum Abschluss folgten noch die 200 Meter, die mit 22,28 Sekunden eine neue Bestzeit für ihn bedeuten hätten. Allerdings blies der Wind zu kräftig von hinten. Ausgebremst wurde Florian Näbelung noch anderweitig. Durch muskuläre Probleme in beiden Kniekehlen – alles Hoffen vielleicht noch auf einen Start bei der U23-DM in Wattenscheid war vergebens. Der Sommer endete ohne Happy End.

Ein vielseitiger Athlet, trotzdem Fokus auf den Hürdensprint

Mit dem Ende der Sommerferien hat sie bereits begonnen, die Vorbereitung auf die neue Saison. Mit Florian Näbelung. Und das mit neuer und frischer Energie. Dabei sieht er sich nicht vordergründig als Hürdenläufer. „Ich mache sehr viele Disziplinen wie Sprint, Sprünge und Werfen gerne. Ich bin einfach vielseitig interessiert und unterwegs“, beschreibt er seinen sportlichen Weg. Dieser begann in jungen Jahren mit einer etwas anderen Sportart: Cheerleading mit Rhythmusgefühl, Kraft und Tanz. Einerseits Teamsportler, anderseits Einzelsportler. Nämlich parallel als Leichtathlet. In der Altersklasse 10 sei er dann das erste Mal in Schmölln über die Hürden gelaufen. „Sein erster Hürdentrainer war Manfred Kunzat, der ehemaliger Trainer von Katja Demut, bis zu dessen plötzlichen Tod. Im Anschluss trainierte er bei Willy Held in Gera und bei seinem Vater zu Hause“, erzählt seine Mama Sandra Näbelung. „Seitdem ist der Hürdenlauf immer mehr in den Vordergrund gerückt, und mit dem Wechsel an das Sportgymnasium nach Jena wurde es weiter gefördert“, ergänzt Florian Näbelung.

Für ihn sind die Hürden die größte Herausforderung beim Hürdensprint. „Das ist schon ziemlich herausfordernd, etwas auf der Bahn zu haben.“ Was wiederum sehr risikobehaftet ist. Sei es im Training oder Wettkampf, wenn man als Athlet an einen der Hürden hängenbleibt. „Es ist schon mehrfach passiert, dass ich mir das Knie aufgeschlagen habe. Das tut natürlich weh, aber als Hürdenläufer lernst du mit der Zeit, wie du mit diesem Schmerz umgehen musst.“ Seine Erfahrungen auch die schmerzvollen teilt er zugleich auch mit seinen Athleten. Er ist nämlich nicht nur Athlet, sondern auch Trainer. Bei den Thüringer Landesmeisterschaften war er auf und neben der Bahn aktiv und coachte in der W14 Finja Rühling vom FSV Meuselwitz.

Doppelrolle als Athlet und Trainer

„Ich bin irgendwie in die Trainertätigkeit reingerutscht. Ich bin seit über zehn Jahren selbst in der Leichtathletik aktiv. Mein Vater ist ebenfalls Trainer und hat mich Zuhause trainiert. Irgendwann kam mir dann der Gedanke, dass ich es auch mal ausprobieren könnte“, berichtet Florian Näbelung, der vor einem Jahr eine Trainertätigkeit beim LC Jena aufgenommen hat. Er kümmert sich um eine der jüngeren Altersklassen, die Zehn- und Elfjährigen. Er hat diese Entscheidung bewusst getroffen, seine freie Zeit nach Schule und eigenem Training zu opfern und sein Wissen mit viel Freude und Eifer an die Jüngsten weiterzugeben. Das Wochenende verbringt er dann in der Heimat bei seinen Eltern, die beim FSV Meuselwitz die Kinder und Jugendlichen betreuen.

Vor dem Training mit den Jüngsten übernimmt Rico May die Funktion für die Älteren. Wie eben für Florian Näbelung. Besonders schätze er an der Arbeit seines Trainers, dass „für ihn nicht nur der Sportler zählt, sondern auch der Mensch dahinter. Er interessiert sich für unser Wohl, geht stark auf jeden individuell ein und akzeptiert jeden so wie er ist.“ Das sind positive Faktoren, die Florian Näbelung in die Arbeit mit seinen Athleten ebenfalls mit einbringen kann. Momentan noch ganz entspannt, denn die Saisonvorbereitung hat gerade erst begonnen. Für beide Seiten. Für Florian Näbelung ist es außerdem der Start in sein zweites U20-Jahr, dass nicht wieder so enden soll wie sein erstes, sondern mit vielen glücklichen und erfolgreichen Momenten auf und neben der Bahn.

 

Einschätzung Trainer Rico May:

„Ich kenne Florian schon ein bisschen länger. Aber in meiner Trainingsgruppe ist er jetzt das zweite Jahr. Florian ist für mich als Mensch schon eine Herausforderung – und das meine ich keinesfalls negativ. In dem Wort Herausforderung steckt Forderung drin. Er fordert für sich schon ein, dass man sich mit ihm beschäftigt und er gesehen wird. Das mache ich aber gerne. Er ist ein ehrgeiziger Mensch. Er ist rein menschlich noch dabei, sich leistungssportliche Verhaltensweisen anzugewöhnen. Vom Charakter ist er ganz gut auf- und eingestellt, um erfolgreich zu sein.

Als Sportler sehe ich ihn als absolut talentiert für das Hürdenlaufen. Wenn man bedenkt, dass er seit Januar Hürdensprint trainiert und bereits in seinem ersten U20-Jahr im Training schon sauber über die Männerhürden läuft und damit zeigt, dass er unheimlich talentiert ist. Weiterhin ist er schon die 100 Meter unter elf Sekunden gelaufen, das heißt für einen Hürdensprinter ist er ein sehr Schneller. Dennoch versuche ich, bei ihm die Schnelligkeit noch weiter voranzutreiben. Er kann sehr gut springen, hat eine ganz natürliche Kraft und ist technisch, was zum Beispiel das Krafttraining, das Sprinten und das Hürdenlaufen betrifft, sehr beschlagen. Er ist ein sehr ausdauernder, trotzdem schneller Typ, so dass die Ausdauer über die 110 Meter Hürden im speziellen über die letzten Hürden nicht das Problem ist.

Reserven sehe ich bei ihm ein bisschen im mentalen Bereich. In sehr fordernden Wettkampfsituationen wie einer Deutsche Meisterschaft oder einem sehr hochkarätigen Wettkampf müssen wir sehen, dass er psychisch stabil ist. Desto höher das sportliche Niveau, desto schwieriger fällt es ihm, stabil zu bleiben. Daran werden wir weiterhin arbeiten. Das ist auch nicht so einfach, weil es nicht viele Hürdensprinter wie bei Thüringer Landesmeisterschaften gibt, er ist meist alleine. Das ist nicht das, was wir brauchen.“ -sam-