Ilmenau: Daniel Laqua und die Vorsicht vor dem Saisonstart

Sein letzter Wettkampf liegt gefühlt Jahre zurück. Vor anderthalb Jahren war Daniel Laqua letztmals in Aktion zu erleben. Das war bei den Deutschen Hallenmeisterschaften der Senioren in Erfurt, wo der Hochspringer in der M35 den zweiten Platz mit 1,86 Meter belegte. Ob er in dieser Sommersaison mit einer späten Senioren-DM in Baunatal (10. bis 12. September) in Erscheinung tritt, lässt er offen. In wenigen Wochen sieht er erstmals Vaterfreuden entgegen.

Wer Daniel Laqua auf der Foto-App Instagram folgt, der sieht einen begeisterten Heimwerker. „Das ist nur Hobby“, sagt er lächelnd und ergänzt, „Es macht mir aber unheimlich viel Spaß“. Studiert hat Daniel Laqua Elektrotechnik an der TU Ilmenau, arbeitet dort inzwischen als Doktorand. Gebürtig ist er aus Bad Blankenburg, zog fürs Studium nach Ilmenau und hat dort seine „Wahl“-Heimat gefunden. Lebt dort mit seiner Familie, die in wenigen Monaten ein bisschen größer wird.

Training ja, aber nicht in den eigenen vier Wänden

Als Ausgleich hilft und braucht er den Sport. Er ist Hochspringer, startet für den Verein „Hochsprung mit Musik“. Speziell in den beiden Corona-Lockdowns habe ihm der Sport „massiv gefehlt“. Gründe dafür gab es einige. An erster Stelle seine Familie. Um seine Freundin in der Schwangerschaft zu schützen, agierte er beim Thema Sport sehr vorsichtig. Bleibt es auch jetzt noch. Solange der Nachwuchs noch nicht auf der Welt ist. „Ich bin zwei Mal geimpft, aber passe extrem auf, dass nichts passiert“, erklärt er seine Vorsicht.

Deshalb lässt er seinen Saisonstart weiterhin offen. „Eigentlich glaube ich nicht daran, dass ich diese Saison noch einen Wettkampf mache. Aber mal sehen, wann ich wieder zum Sport zurückfinde. Die Leichtathletik ist mir schon wichtig und Wettkämpfe gehören einfach dazu. Ohne Wettkämpfe fehlt mir schon was.“ Ebenso wie das tägliche Training. Aber nicht in den eigenen vier Wänden. „Ich bin kein Mensch, der zu Hause trainieren kann. Ich brauche den Gang zur Sportstätte und jemanden, bei dem ich das Gefühl habe, der führt mich“, berichtet Daniel Laqua. Die tägliche Routine fehlte ihm während den Corona-Zwangspausen.

Basketball als Trainings-Alternative

Zur Folge hatte dies, er verlor extrem an Muskelmasse – an den Beinen und Waden. Um wieder an an das alte Niveau anzuknüpfen, braucht es einen gewissen Trainingsumfang. Das muss nicht einmal das Leichtathletiktraining sein. Für Daniel Laqua bietet Basketball eine gute Alternative. „Meine alte Trainerin meinte einst zu mir, Basketball ist für Leichtathleten das beste Training. Du springst, du sprintest die ganze Zeit. Das ist für mich als Hochspringer optimal.“ Vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie spielte er seit einem guten Jahr Basketball in der Männertruppe. Nur allein aus diesem Training heraus, startete er bei der Hallen-DM der Senioren in Erfurt. Seine ganze Hallensaison basierte auf diesem Training.

Somit zeigte er sich mit seinen 1,86 Meter sehr zufrieden. Wenngleich mit speziellem Training eine 1,90 Meter durchaus noch drin wäre. Aber das mit dem Training ist gar nicht so einfach, wie er im Gespräch erläutert. Zuletzt trainierte er alleine auf einem der beiden Sportplätze in Ilmenau. Seine alte Trainingsgruppe habe sich vor zwei Jahren aufgelöst. Zuvor trainierte er in Arnstadt. Doch auch dort löste sich irgendwann die Trainingsgruppe auf. Er versuchte es bei einer anderen Trainingsgruppe mit jüngeren Leuten. „Ich war immer an Trainingszeiten gebunden. So flexibel war ich dann nicht, um zu den Zeiten mit der Gruppe zu trainieren.“

Es kam soweit, dass er gar keine Leichtathletik mehr machte. Stattdessen anfing in Ilmenau Basketball zu spielen. Dann kam die Corona-Pandemie und setzte diesem sportlichen Unterfangen ein Ende. Mit dem Ende des ersten Lockdowns trainierte er im Fitnessstudio. Ein Fitnesstrainer nahm sich ihn an und übernahm die Trainingsplanung. Das funktionierte bis Ende Oktober. Dann machte der zweite Lockdown diese Pläne wieder zunichte. Die Motivation fiel schwer. Ein bisschen Lauftraining, gezieltes Leichtathletiktraining ging nur alleine. „Wenn du jemanden hast, der dir den Rahmen vorgibt, dann ist das schon viel wert“, weiß Daniel Laqua, der trotz Lockerungen auf sich allein gestellt war.

Zweigleisig in Jugendjahren: Handball und Leichtathletik

Den Weg zum Hochsprung fand er über die Schul-AG. Er fand Gefallen, sprang mit 14 Jahren schon über 1,60 Meter, dann folgten schnell Höhen über 1,70 Meter. „Das hat sich sehr positiv entwickelt.“ Parallel spielte er noch Handball. Nach dem Abitur trennten sich die sportlichen Wege. „Ich bin ein recht schlacksiger Typ, da war es dann mit dem Handball schnell vorbei gewesen.“ Bis zu seinem Weggang zum Studium nach Ilmenau, trainierte er weiter für den TSV Bad Blankenburg. Er blieb der Leichtathletik selbst im Studium treu. Einige Male kehrte er als Deutscher Hochschulmeister zurück. Einmal gelang ihm sogar der Sprung zu den Deutschen Hallenmeisterschaften. Das war 2008, er wurde Zehnter.

Im Freien standen 2,06 Meter als Bestleistung, in der Halle sogar 2,10 Meter. Gesprungen in Arnstadt. Dass es in der Halle besser lief, hatte mehrere Gründe. „Ich bin gern in der Halle gesprungen. Gerade bei kleineren Meetings, bei denen es um nichts geht. Das hat Spaß gemacht und fühlte sich anders an. Die Leistungen waren einfach besser durch das gute Krafttraining. Im Freien gab es andere Trainingsbedingungen. Oftmals bin ich dann 2,06 Meter gesprungen. Das war meine persönliche Schallmauer“, erzählt Daniel Laqua.

Ungewöhnliche Wettkampforte - Sparkasse, Autohaus und Einkaufszentrum

Apropos Halle. Nicht nur in Hallen wurde gesprungen. Es gibt auch ungewöhnliche Orte wie eine Sparkasse oder ein Autohaus, die für die Springer hergerichtet werden. Es geht noch kurioser. „Ich bin mal in einem Kaufhaus zwischen den Gängen angelaufen und hoch gesprungen. Beim Wettkampf im Autohaus wird eine Bahn verlegt, auf der man mit Spikes springen kann. In der Sparkasse ging es nur mit Turnschuhen. Das sind dann sehr unterschiedliche Herausforderungen“, erinnert er sich zurück.

Gern denkt er an seinen internationalen Einsatz bei der Senioren-EM 2018 im dänischen Aarhus zurück, als er in der M35 den undankbaren vierten Platz belegte. „Das war wirklich ein knappes Ding, entschieden wurde es über die Fehlversuche.“ Dennoch erinnert er sich gern an die „coole Atmosphäre“ und den Wettkampf zurück. „Das würde ich gern nochmal erleben. Das war echt eine coole Sache.“ Man spürt, er möchte gern wieder loslegen. Doch er bleibt vorsichtig. Zum Schutze seiner Freundin und des ungeborenen Kindes. Es wird ein Junge. Bis Daniel Laqua wieder in Aktion tritt, können noch einige Monate vergehen. Aber die nächste Hallensaison kommt bestimmt.

Besonderer Dank an Wegbegleiter wie Hubertus Triebel, Helga Scholz und Dietmar Laqua

Abschließend gehört einem Mann sein persönlicher Dank: Hubertus Triebel, dem Initiator von „Hochsprung mit Musik“ in Arnstadt. Jahrelang unterstützte er Daniel Laqua finanziell. „Er hat mir den Rücken freigehalten. Er hat mir Schuhe besorgt, Trainingssachen bezahlt und auch ganze Trainingslager mit Erich Drechsler ermöglicht. Dafür mein großer Dank an ihn. Auch meiner ersten Trainerin Helga Scholz möchte ich an dieser Stelle einmal danken. Sie hat damals in Bad Blankenburg mein Potential entdeckt und mir alles über Hochsprung beigebracht. Der Schluss soll einem ganz besonderen Menschen gehören, meinem Vater Dietmar Laqua. Ohne ihn wäre so vieles nicht möglich gewesen und er hat immer an mich geglaubt und mir neue Wege gezeigt! Unsere gemeinsame Zeit beim Sport bleibt unvergessen!" -sam-