Jugend-DM: Hürdenläufer Hannes Hahn hat eine Zeit unter 56 Sekunden im Blick

Unweit des Erfurter Steigerwaldstadions wohnt Hannes Hahn. „Ziemlich praktisch“, findet der 15-Jährige und kommt wie selbstverständlich zum Training mit dem Rad. Die Touren halten sich für ihn momentan in Grenzen. Auf dem Plan stehen sechs Einheiten in der Woche. Bis auf Sonntag ist es eine pro Tag. „Für die Anzahl der Einheiten sind die Inhalte relativ fordernd. Das geht schon ordentlich in die Beine“, berichtet der 400-Meter-Hürdenläufer vom Erfurter LAC, der sich auf die Deutschen Jugendmeisterschaften der U18/U20 in Heilbronn (4. bis 6. September) vorbereitet – seine ersten in der jüngeren U18-Altersklasse.

An jenem Dienstag im August zieht eine Putzkolonne durch das Stadion. Es werden die Sitze gesäubert, die Gänge mit einem Laubsauger vom Schmutz befreit. Von diesen aufheulenden Geräuschen auf den Rängen lassen sich Steffen Droske und Hannes Hahn im Innenraum nicht aus der Ruhe bringen. Sie ziehen das geplante Training geduldig durch. Dabei gibt Steffen Droske die Marschroute vor. Er ist die Urlaubsvertretung. Normalerweise wird Hannes Hahn von Alexander Fromm betreut. Die Marschroute sind an diesem Tag vorrangig Sprints, mal kürzere, mal längere.

Wenn das Einzeltraining zur Gewohnheit wird

Drumherum ist irgendwann Ruhe eingekehrt. Auf der Rundbahn läuft alles entspannt. Bis auf die Tatsache, dass Hannes Hahn allein trainiert. „Normalerweise sind wir in der Trainingsgruppe zu Zehnt, aber ich mache viel allein, weil ich nicht wirklich einen Trainingspartner mit meinen Inhalten habe“, erklärt der junge Athlet, der sich an diese Situation fast schon gewöhnt hat. Gleichwohl sieht er auch Vorteile: „In diesen Einheiten kann man sich gut auf sich selbst fokussieren und man fühlt sich unbeobachtet." Langfristig ist diese Einsamkeit aber keine Lösung: "Auf Dauer ist es schon etwas einsam, dann wäre es schön, wenn andere Athleten mit dabei sind.“ Wie etwa Disziplinkollege Tom Spaleck (Erfurter LAC), der bei der Jugend-DM in der U20 starten wird.

Von sechs Wochen Ferien gönnte sich der Schüler des Erfurter Sportgymnasiums lediglich eine. Der Vorbereitung auf die Jugend-DM sollte nichts im Wege stehen. „Die eine Woche war trotzdem gut, um mal vom Training den Kopf komplett frei zu bekommen. Das waren sehr entspannte Tage.“ Nun heißt es seit einigen Tagen wieder laufen und ordentlich schwitzen. Das große nationale Ziel heißt Heilbronn. Das Minimalziel: Finale. Beim Sommermeeting des Thüringer Leichtathletik-Verbandes katapultierte er sich mit seiner Bestzeit von 56,11 Sekunden rein in die Spitzenplätze der U18-Bestenliste, wo er momentan auf Platz sechs steht.

Bei seinem Bestzeitrennen lief nicht alles optimal, es war kein runder Lauf. Dennoch ein guter Wettkampf. Eine Zeit unter 56 Sekunden hält er für sich noch in diesem Jahr für möglich. „Die hebe ich mir für Heilbronn auf“, sagt der Vorjahresvierte der U16-DM lächelnd. Nach seinem DM-Debüt im Vorjahr in Bremen (U16) misst er sich nun erstmals mit der Jugend der U18. Dabei ist es vor allem seinen Trainern zu verdanken, dass er nun als Hürdenläufer durchstartet.

Wenn ein Experiment glückt

„Ich bin im letzten Jahr erstmals bei den Thüringer Landesmeisterschaften die 300 Meter Hürden gelaufen. Die Trainer wollten sehen, wie es läuft.“ Zuvor war er in seinen Disziplinen recht breit aufgestellt. Bis die Trainer meinten, „ich wäre nicht so der Sprungtyp“. Selbst konnte er sich mit dem Sprint – insbesondere die 100 Meter - nicht wirklich anfreunden. Schon eher mit dem Langsprint. Als die 400 Meter recht gut liefen, probierte er sich parallel über die Hürdendistanz aus. Ein mehr als geglücktes Experiment.

Orientieren tut er sich großteils an seinen Vorbildern wie Lukas Peter (LC Jena), Constantin Preis (VfL Sindelfingen), Joshua Abuaku (LG Eintracht Frankfurt) und dem norwegischen Hürdenstar Karsten Warholm. Bis zu den ganz Großen ist es für Hannes Hahn noch ein weiter Weg. Dafür wird er sich noch unzählige Male auf sein Rad schwingen, zum Stadion fahren und für den Erfolg schwitzen.

Das sagt Trainer Alexander Fromm:

Hannes ist ein sehr disziplinierter und zielstrebiger Sportler, der für sein Alter bereits sehr selbständig und bewusst trainiert. Solch einen Sportler wünscht sich jeder Trainer - es macht sehr viel Spass mit ihm zu arbeiten. Zu seinen Stärken zählen Zielstrebigkeit und Ausdauer. Seine Schwächen ist leider die Grundschnelligkeit.

Für Heilbronn hoffen wir, dass sich Hannes für das Finale am Sonntag qualifiziert. Das ist auf jeden Fall möglich, auch wenn die Vorbereitung nicht ganz einfach war. Zumal eine lange Zeit der Vorbereitung in den Sommerferien lag und ich Hannes diesen wohlverdienten Urlaub nicht ganz nehmen wollte. Wenn er das Finale erreicht, dann werden die Karten neu gemischt. Ich traue Hannes eine Zeit unter 56 Sekunden zu und man wird sehen, was damit möglich ist.