Gotha/Großengottern: Marion Stedefelds emotionale Rückkehr auf die Bahn

Es sind und waren emotionale DM-Tage für Marion Stedefeld: Nach fünfmonatiger Wettkampfpause kehrte die W55-Athletin bei den Deutschen Meisterschaften der Masters in Gotha zurück auf die Bahn. Bei den Hallen-Weltmeisterschaften in Gainesville (Florida) hatte sie sich eine Wadenbeinfraktur zugezogen. In Gotha stieg sie deshalb über 400 und 200 Meter flach wieder ein. Für sie zählte in diesen Tagen weder die Platzierung noch die Zeit.

Wer Marion Stedefeld (SV Concordia Großengottern) bei den Deutschen Meisterschaften der Masters in Gotha beobachtete, erlebte eine Athletin voller Mitfreude, des Mitfieberns und Bangens. Mitfreude über die Leistung ihrer Vereinskollegin Anke Seise zum Beispiel. Die ihre persönlichen Bestzeiten über 400 und 800 Meter verbesserte. „Ich habe mich so gefreut für sie, weil es bei ihr in dieser Saison nur vorwärts ging.“ Des Mitfieberns für andere Athletinnen wie Iris Opitz (LAV Elsterstal Bad Köstritz), die über 100, 200 und 400 Meter einen kompletten Medaillensatz abräumte und absolut begeisterte. Aber auch des Bangens. „Mit meinem 5. Platz über 400 Meter bin ich zufrieden, weil ich nicht geglaubt habe, heute hier zu stehen und zu laufen“, sagte sie nach ihrem Rennen über die Stadionrunde, bei dem sie nach 70,75 Sekunden ins Ziel kam.

Hallen-WM bringt Silber wie Verletzung

Spürbar hörbar die Erleichterung wieder mittendrin im Wettkampfgeschehen zu sein. Noch dazu bei diesen Deutschen Meisterschaften, die einer Heim-DM für die Thüringer Athleten gleichkam. „Noch vor zehn Wochen hätte ich nicht damit gerechnet, dass ich hier stehe. Umso glücklicher bin ich, hier zu sein und zu starten“, sagte Marion Stedefeld, die sich bei den Hallen-Weltmeisterschaften in Gainesville (Florida) vor ihrer letzten Einzeldisziplin, den 60 Meter Hürden, eine Wadenbeinfraktur zuzog. Passiert ist ihr das, als sie sich erwärmte – und plötzlich ein Schmerz in die rechte Wade zog. Bereits am Vortag hatte sie die ersten Anzeichen verspürt. „Das war ein leichter Schmerz, aber wenn man Sport treibt, dann ignoriert man das. Bis der Zeitpunkt kommt, wo wirklich nichts mehr geht.“ Und dieser Moment traf sie schmerzlich eben an jenem Wettkampftag vor ihrem Start über die Hürden.

„Ich wusste, es geht nicht mehr. Ich bin dann zum Arzt in der Halle. Die Stelle wurde mit Eis behandelt und getaped. Ich habe noch bis zum Nachmittag abwartet und mich versucht einzulaufen. Es half nichts, ich musste aufhören. Schmerzlich für mich, und was mir sehr leidtat, ich konnte die Staffel nicht mehr mitlaufen“, erinnerte sich die Doppel-Weltmeisterin an diesen schmerzvollen Tag zurück. Was sie aber schon hatte, das war ihre Silbermedaille aus dem Mehrkampf. „Damit war ich total zufrieden.“ Mit nach Hause nahm sie zusätzlich eine Verletzung - eine Überlastungsfraktur. Für die Heilung brauchte es nach der Rückkehr recht viel Ruhe, Geduld und Zeit. Operiert werden konnte diese Fraktur nämlich nicht. „Das ist ein spröder Knochen, der sich dann bemerkbar macht und nicht mehr das leisten kann, was er soll“, erklärte Marion Stedefeld.

Rückkehr mit viel Geduld verbunden

Nach ihrer Rückkehr folgte eine zwölfwöchige Zwangspause. Ein bisschen alternatives Training für den Oberkörper und die Athletik baute sie dennoch in ihren Tag mit ein. Das Fahrradfahren tat ihr weniger gut. Der Schmerz nahm wieder zu. „Ich konnte nichts für und mit den Beinen machen“, stellte sie nach dieser aktiven Einheit fest. Auch war sie fast immer zu jedem Training der Trainingsgruppe dabei. Unterstützte diese, „ließ den Faden nicht abreißen“. Und so wurde der 22. Juni zu ihrem ersten Ausdauertrainingstag nach der langen Pause. „Ich bin neun Wochen vor der Masters DM erstmals wieder ins Training eingestiegen. In den ersten Wochen ging gar nicht viel, nach der Erwärmung musste ich aufhören. In dem Moment ist man erstmal deprimiert – was logisch ist. Die Physiotherapeuten meinten auch, dass es nicht geht, dass man sofort wieder anfängt“, meinte Marion Stedefeld.

Sie zeigte sich einsichtig, bewahrte Ruhe. „Ich bin nur bis zur Schmerzgrenze gegangen, habe aufgehört und wieder angefangen. Alles peu á peu. Und es wurde besser. Ab der vierten Woche konnte ich alles wieder machen außer die technischen Sachen – kein Sprung und nur Lauf.“ Zu gern hätte sie ihren Trainer Dieter Facklam bei der Masters DM dabeigehabt, sie sind schließlich ein Erfolgsduo. Er war zu diesem Zeitpunkt krank. Marion Stedefeld bekam bei diesem Gedanken feuchte Augen. „Ihm habe ich alles zu verdanken.“

Im Ziel von Gefühlen überwältigt

Ihre Cousine unterstützte sie unter anderem bei diesen Meisterschaften. Eigentlich sollte noch ihre 85-jährige Mutter mitkommen. Aufgrund von körperlichen Problemen blieb ihr die Rolle der Zuschauerin in Gotha verwehrt. Die Emotionen übermannten Marion Stedefeld in diesem Moment, als sie an ihre Lieben dachte. Doch was sie im Gepäck nach Großengottern hatte, waren emotionale Geschichten für ihre Mutter und ihren Trainer. Nämlich die von ihrer Rückkehr auf die Bahn. Da war der 5. Platz und die angesagten 70 Sekunden über 400 Meter, ebenso wie Rang sieben in 30,70 Sekunden über 200 Meter. „Ich bin einfach nicht in dem Trainingseffekt drin wie ich sein sollte. Glücklich macht mich einfach, dass ich hier bin und starten darf.“

Dabei ist sie eigentlich keine Sprinterin. Sie komme von den 800 Metern. „Bei internationalen Wettkämpfen hat mich immer eine Einzelmedaille gereizt. Das habe ich über 800 Meter nie geschafft, und werde es nie schaffen. Dafür gibt es einfach zu starke Frauen in meiner Altersklasse auf dieser Welt. Zumal auch das Training zu hart wäre, das ich meinen Knochen nicht antun möchte“, blickte die auf ihre Anfänge zurück. Sie probierte sich stattdessen im Mehrkampf, fand dort ihre Passion und wurde auf Anhieb Vierte. Sie blieb, und das mit Erfolg. Nun kämpft sie sich nach ihrer Verletzung langsam wieder zurück. Die Masters DM in Gotha war der erste große Schritt zurück auf die Wettkampfbühne sowie auf ihrer weiteren sportlichen Reise, die noch lange nicht zu Ende ist.