Gotha/Bad Köstritz: Iris Opitz: „Ich bekomme jetzt schon wieder Gänsehaut“

Meisterschaften mit Erinnerungsgarantie: Dafür hat Iris Opitz eindrucksvoll gesorgt. Bei den Deutschen Meisterschaften der Masters in Gotha holte die W55-Sprinterin den kompletten Medaillensatz. Zuletzt Gold über 200 Meter. Eine Medaille, die sie sprachlos machte, und von der sie am Vorabend sogar geträumt hat.

Silber und Bronze hatte Iris Opitz (LAV Elstertal Bad Köstritz) bereits. Nämlich über 100 und 400 Meter. Zum absoluten Medaillenglück fehlte ihr nur noch die Goldene. Am Abschlusstag der Deutschen Meisterschaften der Masters in Gotha startete die 59-Jährige noch über 200 Meter. Ihre selbst ernannte Lieblingsstrecke. „Es ist die Strecke - der Kurvenverlauf ist toll. Das macht was mit einem, wenn man die Kurve so schön laufen kann“, zeigte sie einige Vorzüge auf. Der Titel war innerlich schon vergeben. Nämlich an Tatjana Schilling (TSV 1850/09 Korbach). Sie war erst zum Jahresanfang aufgerückt in die W55, sie ist eine absolute Ausnahme-Athletin und war aufgrund ihrer Erfolge und Vorleistungen die Topfavoritin auf den Titel. Noch dazu ist Tatjana Schilling fast fünf Jahre jünger als die Thüringerin. „Platz zwei war gesetzt“, betonte Iris Opitz.

Daran gab es keine Zweifel. Zumindest vor dem Lauf. Beide waren im letzten der drei Zeitläufe über 200 Meter eingeteilt – Iris Opitz auf Bahn 5, ihre Konkurrentin auf Bahn 4. „Als der Startschuss fiel, habe ich nur gedacht, du musst jetzt von vorne bis hinten Vollgas geben. In der Kurve habe ich gemerkt, ich bin auf ihrer Höhe. Auf einmal lief es bei mir wie von allein. Es war nicht anstrengend“, berichtete Iris Opitz. Von Außen waren einige lautstarke „Iris, Iris“-Rufe zu hören. „Die habe ich auch wahrgenommen. Da bekomme ich jetzt schon wieder Gänsehaut.“ Getragen von der Euphorie bei dieser Heim-DM stürmte sie als Erste in einer fabelhaften Zeit von 27,68 Sekunden über die Ziellinie.

Goldener Schlusspunkt bei Heim-DM

Es war ein Rennen, das für einige feuchte Auge sorgte. Nicht nur bei ihr selbst. Auch bei ihrem Mann Olaf liefen die Tränen. Im Ziel herrschte zunächst absolute Sprachlosigkeit, ob dieser Spitzenleistung. „Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll“, musste sich Iris Opitz nach ihrem Gold-Coup etwas sammeln. Dann erzählte sie von ihrem Traum. „Ich habe in der Nacht davon geträumt, wenn das der Hammer wäre und ich mein Trio vom Medaillensatz komplett habe.“ Doch sie wusste, da gibt es mit Tatjana Schilling eine starke Konkurrentin. „Die hat bisher noch niemand geschlagen. Warum sollte ich das schaffen?“ Der Traum begleitete sie durch die Nacht. Selbst als sie versuchte ihn „immer wieder zur Seite zu schieben. Er war irgendwie doch da.“ Und dann sollte sich dieser Traum am nächsten Tag wirklich erfüllen.

Auf den letzten Metern fühlte sich das Rennen, nach ihren Beschreibungen, „leicht und locker“ an. Es war in ihrer ganzen 13-jährigen sportlichen Laufbahn „einer der drei besten Läufe“. Dazu gehört auch der von den Weltmeisterschaften in Perth 2016, als sie Vize-Weltmeisterin wurde. „Das war auch so ein schöner Lauf, und diese hat man für ewig in Erinnerung.“ Gleichzeitig begann dann wieder das Hadern, ob einer besseren Zeit. In ihrem Rennen gab es leichten Gegenwind. „Jetzt hadert man ein bisschen mit dem deutschen Rekord. Er wäre es vielleicht geworden, wenn Rückwind gewesen wäre. Dennoch freue ich mich total. Die Zeit ist absolut Bombe“, freute sie sich über den goldenen Schlusspunkt. Nicht nur bei dieser DM. Es war national einer ihrer letzten Läufe in der W55. Im nächsten Jahr wechselt sie in die W60.

Blick in die Meldeliste bringt sie nicht aus der Ruhe

Bevor es aber soweit ist, warten noch eine internationale Aufgabe auf Iris Opitz. Nämlich die bei den Masters Europameisterschaften auf Madeira (Portugal; 8. bis 19. Oktober). Den Schwung aus Gotha möchte sie gern mit auf die Insel nehmen. Bis zum ersten Startschuss sind es noch gut fünf Wochen. Vielleicht finden sich im Vorfeld noch Wettkämpfe, Optionen bieten sich in der Schweiz oder auf heimischen Terrain. „Vielleicht mache ich auch eine klitzekleine Pause. Das kann ich nur sehr schlecht“, sagte die international erfahrene Athletin, die zwar im Vorfeld mal in die Meldeliste schaut, sich davon aber nicht aus der Ruhe bringen lässt. „Es entscheidet sich alles vor Ort. Das lehrt mich die Erfahrung der vergangenen Jahre.“ Schließlich möchte sie dort weiterhin für schöne Erinnerungsmomente sorgen. Ganz besonders über die 100 und 200 Meter. 

Die Meisterschaften in Gotha haben Eindruck hinterlassen. Vielfach bleibenden Eindruck. „Lieben Dank an Thüringen für diese tolle Meisterschaft. Sie war total toll durchgeführt und es gab sehr liebe, nette Kampfrichter. Da gibt es nichts zu meckern. Ganz großes Lob“, sprach sie mit diesen Worten wohl vielen Athleten aus der Seele.