Interview TLV-Präsident (Teil 2): Kreative Trainer, Kampfrichter, Vereine und Organisatoren

Die Corona-Pandemie hält die ganze Welt in Atem, auch Deutschland. Nach dem ersten Lockdown im Frühjahr 2020 folgten im Herbst die nächsten Corona-Beschränkungen. Und brachte den Sport insbesondere den Vereins- und Breitensport zum zweiten Mal gänzlich zum Erliegen. Im zweiten Teil des Interviews blickt TLV-Präsident Heinz-Wolfgang zurück auf Initiativen und formuliert Wünsche an die Politik.

Herr Lahmann, „Deutschland bewegt sich Zuhause“, hieß die Frühjahrs-Initiative vom Thüringer Leichtathletik Verband unter der Leitung von TLV-Sichtungstrainer Steffen Droske. Es wurden Youtube-Videos zum Mitmachen für Zuhause produziert. Die Übungen richteten sich an Kinder, Jugendliche und Senioren. Gab es weitere solcher Initiativen?

Heinz-Wolfgang Lahmann: Zunächst möchte ich besonders Steffen Droske und allen, die sich bei der Realisierung der Videos (Youtube) mit eingebracht haben, danken. Neben dieser Initiative gab es unter anderem Aktivitäten von Seiten der Kampfrichter. Ein spannendes Online-Quiz zu Fragen rund um das Regelwerk sowohl für die Kampfrichter selber wie für Trainer, Übungsleiter und Athleten wurde kreiert und gut angenommen. Von Trainingsmaßnahmen haben Trainer und Athleten aus verschiedenen Vereinen Videos aufgenommen, die unter Youtube abrufbar sind.

Zur Adventszeit wurden von Erfurter Sportschülern Videos erstellt. Diese zeigen die vielfältigen Talente und Fähigkeiten der Akteure - einmal abseits vom Sport. Der Dank gilt allen, die ihre Ideen und ihr Engagement dabei mit eingebracht haben. Die Organisatoren des GutsMuthsRennsteiglaufs haben zur Teilnahme am virtuellen Lauf unter dem Motto Rennsteigläufer@home aufgerufen. Das wurde sehr gut angenommen. Eine weitere Initiative aus dem Januar dieses Jahres ist der Aufruf des KSB Altenburg an alle Einwohner des Altenburger Landes zur individuellen wie virtuellen Reise zum Kap der Guten Hoffnung (Südafrika).

Zudem boten die TLV-Trainer bei Problemen ihre Hilfe an. Das wurde bisher wenig bis kaum in Anspruch genommen. Man hat den Eindruck, es gibt keine Probleme. Täuscht der Eindruck?

Heinz-Wolfgang Lahmann: Wir haben im Verband etwa 180 Vereine und diese haben schon Probleme. Es ist zum Teil für die Vereine nicht einfach alle ihre Mitglieder zu halten. Wenn kein Trainings- und Übungsbetrieb sowie Wettkämpfe durchgeführt werden können, dann gibt der eine oder andere leider seine Mitgliedschaft auf. In der Region Sonneberg mussten beispielsweise aufgrund der Infektionszahlen im Frühjahr des vergangenen Jahres alle Wettkämpfe bis Ende August abgesagt werden. Derartige Entscheidungen erschweren die Vereinsarbeit natürlich in nicht geringem Maße. Von Seiten des Verbandes ist den Vereinen mit auf dem Weg zu geben, dass sie die angebotene Unterstützung doch gerne annehmen mögen und sie bei Problemen auf den TLV zukommen sollten.

Im Sommer gab es Wettkämpfe unter Einhaltung von strengen Hygienevorschriften. Aus Thüringer Sicht gab Heiko Wendorf mit dem Neustädter Kugelcup das Startsignal. Wie wichtig war dieses Signal für den Thüringer Leichtathletik-Sommer 2020?

Heinz-Wolfgang Lahmann: Es war ein sehr gutes wie wichtiges Signal für die Leichtathletik, nicht nur in Thüringen sondern auch in Deutschland. Mit der Organisation und Durchführung der Veranstaltung hat Heiko Wendorf mit Unterstützung seiner Mitstreiter aus dem Heimatverein, der Gemeinde und des Landkreises enormes geleistet. Die Startfelder waren national sehr gut besetzt und es verlief alles bestens. Die vielen Dankesworte und die große Anerkennung durch die Teilnehmer, Trainer und aller Beteiligten war der Lohn für das enorme Engagement des Teams um Heiko Wendorf.

Im November folgte der zweite Lockdown. Hat es keine Alternativkonzepte gegeben, um die Leichtathletik in allen Bereichen aufrechtzuerhalten?

Heinz-Wolfgang Lahmann: Diese habe ich nicht gesehen. Das war und ist nach wie vor eine schwierige Situation. Zumal die Infektionszahlen im Dezember weiter stark gestiegen sind. Es war nach meiner Überzeugung richtig, die Corona-Regeln zu verschärfen und den Lockdown wieder einzuführen und zu verlängern. Die aktuell fallenden Zahlen geben Anlass zur Hoffnung, dass im Frühjahr der Übungs- und Trainingsbetrieb in den Vereinen wieder aufgenommen werden kann, und erste Wettkämpfe unter Einhaltung der notwendigen Hygienekonzepte durchgeführt werden können.

Momentan ist an der Basis weder Trainings- noch Wettkampfbetrieb möglich. Was wünschen Sie sich von der Politik?

Heinz-Wolfgang Lahmann: Von der Politik wünsche ich mir unter Berücksichtigung der Corona-Situation in allen Bereichen unserer Gesellschaft eine gute und fundierte Strategie, das notwendige Augenmaß und den gemeinsamen Willen auch den Trainings- und Wettkampfbetrieb für Sportvereine ab einem baldmöglichsten Zeitpunkt wieder zu erlauben.

Die Thüringer Hallensaison fiel so gut wie aus. Lediglich das Erfurt Indoor fand am 2. Februar statt. Warum ist es so wichtig, solche Veranstaltungen in dieser Zeit auszutragen?

Heinz-Wolfgang Lahmann: Einfach um den Bundeskadern eine Möglichkeit für einen Wettkampf zu schaffen, um sich zu messen, auch im Hinblick auf einen Start bei den Deutschen Meisterschaften in Dortmund sowie dem Fernziel Tokio. Solche Veranstaltungen sind enorm wichtig, um den Athleten hochwertige Wettkämpfe für die Vorbereitung auf nationale und internationale Höhepunkte anbieten zu können. Solche Wettkämpfe unter den aktuell gegebenen Bedingungen organisieren zu können, ist eine große Herausforderung und mit viel Idealismus verbunden. Dafür gebührt all den Vereinen, die derartige Veranstaltungen in der gegenwärtigen Zeit organisieren, ein ganz besonderer Dank. Für die Organisation und Durchführung des Erfurt Indoor am 2. Februar gilt dem Erfurter LAC mit dem Vorsitzenden Thomas Gentzel und seinem gesamten Team besondere Hochachtung.

Wann rechnen Sie damit, dass Ihr Sport wieder regulär ausgeübt werden kann?

Heinz-Wolfgang Lahmann: Wenn ich diese Frage beantworten könnte, wäre ich sehr froh (lacht). Das ist für mich sehr schwer einzuschätzen. Noch kann man nicht eindeutig sagen, wie die Impfstoffe wirken werden, auch unter Beachtung der schon aufgetretenen Mutationen. Aufgrund der Geschichte zum Verlauf bisheriger Pandemien sowie der Entwicklungen von Wissenschaft und Technik bin ich optimistisch, dass wir die Corona-Pandemie in einem begrenzten Zeitraum, der heute noch nicht bekannt ist, überwinden werden.

Rechnen Sie damit, dass die Olympischen Spiele in Tokio stattfinden?

Heinz-Wolfgang Lahmann: Ich wünsche es mir und hoffe, dass die Spiele stattfinden können. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob eine Austragung möglich sein wird. Bedenklich stimmt mich, dass sich nicht alle Athleten in den olympischen Sportarten in gleicher Weise und unter vergleichbaren Rahmenbedingungen auf die Spiele vorbereiten können. Durch die verschiedenen Beschränkungen in den einzelnen Ländern, bedingt durch die Pandemie, werden nicht alle die gleichen Chancen für die Vorbereitungen auf die Olympischen Spiele haben.