Erfurt/Jena: Talente suchen, finden und fördern

War es in der Vergangenheit noch so, dass die Sichtungstrainer Steffen Droske und Tobias Groenewold in Erfurt und Jena eigene Trainingsgruppen betreuten, gehört dies seit einigen Monaten der Vergangenheit an. Sie sind ausschließlich nur noch für die Sichtungsarbeit im Verband zuständig. Wir schauen, wie ihre Arbeit genau aussieht.

In Erfurt und Jena laufen die Fäden zusammen, wenn es um das Thema Sichtung geht. Wie zuletzt beim TLZ-Wochenende in Ilmenau, beim Sprint-Cup in der Hartwig-Gauder-Halle oder beim Landesfinale der Kinderleichtathletik. Ein weiterer Höhepunkt wird die zentrale Sichtung beider Sportschulen am kommenden Samstag (26. November) in Erfurt sein. Die bisherigen Rückmeldungen verheißen einen sehr arbeitsreichen Tag. „Bisher sind um die 80 Kinder angemeldet. Das ist unfassbar toll. Ich kann mich nicht daran erinnern, wann wir zuletzt so viele Kinder bei einer Sichtung hatten“, sagt Steffen Droske.

Wenn es um die Sichtungsarbeit geht, gibt es für die Thüringer Leichtathletik zwei Ansprechpartner: Steffen Droske und Tobias Groenewold. Während Steffen Droske Westthüringen bereist, ist es bei Tobias Groenewold vorrangig Ostthüringen. „Wenn ich Vereine anschreibe und ihnen anbiete, sie mal zu besuchen, dann entstehen oftmals richtig coole Sachen“, berichtet Steffen Droske, der zuletzt Leichtathletik-Vereine in Nordhausen, Ilmenau, Bad Langensalza, Sömmerda, Bad Salzungen und Waltershausen besuchte. „In den Sommerferien habe ich Termine mit den Vereinen abgestimmt und sie mir jetzt nach und nach angeschaut.“

TLZ-Wochenende und Trainingsbesuche

Seine erste Station war Bad Salzungen, wo er das Sommercamp mit vorbereitet sich eingebracht hat. „Wir sind sehr interessiert, Vereine im täglichen Training oder in Aktionen zu unterstützen. Ebenso mit Kindern spezielles Training durchzuführen und im steten Kontakt mit ihnen zu bleiben“, berichtet Steffen Droske. Dazu gehörte zum Beispiel auch die Einladung ins Trainingslager nach Zinnowitz, über die sich einige hoffnungsvolle Talente aus Thüringer Vereinen freuen durften. Eine weitere Form der Zusammenarbeit sind die Talentleistungszentren (TLZ). In Thüringen gibt es sieben solcher Zentren. Einmal im Jahr, so ist es zumindest geplant, treffen sich alle TLZ an einem Wochenende zu einem gemeinsamen Austausch und einem Trainingsprogramm für die Nachwuchsathleten. Erst kürzlich wurde dieses in Ilmenau, die über eine ausgezeichnete Struktur an Plätzen, einer Drei-Felder-Halle und einer Jugendherberge verfügen, umgesetzt.

Durch seine Trainingsbesuche in den bisherigen Vereinen konnte Steffen Droske noch etwas anderes bewirken. Nämlich den Austausch und das Training über die Landkreisgrenzen hinaus. „Es kommt langsam etwas in Bewegung, sodass sich die Vereine wie in den Landkreisen Bad Salzungen sowie Schmalkalden-Meiningen gegenseitig beim Training der Kinder unterstützen. Hier ist eine hohe Qualität entstanden“, freut sich Steffen Droske über das Zusammenwirken. Ein weiteres positives Beispiel sind Sömmerda und Weißensee. Ebenfalls interessiert an einer beidseitigen Zusammenarbeit sind Vereine in Nordhausen und Sondershausen.

Kooperation der Vereine

Wenn er die Vereine besucht, ist er besonders erfreut über die vielen Kinder und Jugendliche, die in der Leichtathletik aktiv sind. Zuletzt war er zu einem internen Wettkampf in Ilmenau und Sömmerda eingeladen. „Da habe ich auf einem Schwung jeweils um die 70 Kinder gesehen. Bei meinen bisherigen Vereinsbesuchen waren es um die 300 Kinder“, erzählt Steffen Droske. Doch es gibt ein Problem. So schön die Entwicklung, so groß die Sorgen. Nämlich die der Übungsleiter für die älteren Kinder. „In den jüngeren Altersklassen bis zwölf Jahre sieht es recht gut aus, aber für die höheren Altersklassen wird es dann für die Vereine schwierig, Übungsleiter zu stellen. Umso wichtiger ist dann die übergreifende Zusammenarbeit. Das gelingt nur, wenn die Vereine dazu bereit sind, untereinander zu kooperieren“, gibt Steffen Droske zu bedenken.

Die Vereinsbesuche sind ein Teil seiner Arbeit, nebenbei begleitet er die Schultour im Basketball, wo er ebenfalls viele Kinder sieht und sichtet. „Solch eine Schultour soll auch in Erfurt starten, wo ich an die Schulen komme, Kinder suche und sichte und sie dann ein Elternschreiben mit der Empfehlung eines Schnuppertrainings für die umliegenden Vereine erhalten“, erklärt er. Ein dritter Baustein seiner Arbeit ist das Projekt „ Bewegungscoach“ vom Landessportbundes Thüringen. In Thüringen gibt es 15 dieser Coaches. „Es ist das Angebot von Tobias und mir, wenn sie Hilfe bei Schulaktionen brauchen, wir ihre Events betreuen oder wir sie anderweitig unterstützen können, dann stehen wir gern dafür bereit“, betont Steffen Droske.

Regelmäßige Angebote

Noch über eine halbe Stelle verfügt Tobias Groenewold, die aber zu Jahresbeginn in eine volle Stelle umgewandelt werden soll. Er nennt die momentane Situation auch ein Stück weit Findungsphase. Er vertritt die Ansicht bei seiner Arbeit: „Regelmäßigkeit ist der Schlüssel zum Erfolg.“ Das bedeutet für ihn, „regelmäßige Angebote“ unterbreiten. So bietet er beispielsweise immer donnerstags und freitags Stützpunkttraining in der Jenaer Laufhalle an. „Das Angebot wird sehr gut angenommen. Bei den Einheiten sind die Trainer mit dabei, um zu unterstützen.“ Freitags erhält er zusätzlich Unterstützung von Maxi Michael. Gerichtet ist das Angebot an Kinder und Jugendliche ab der AK 13.

„Bei diesen Einheiten kann ich mir schon einen guten Überblick verschaffen, ob jemand talentiert ist oder nicht. Das regelmäßige Training und das Sehen der Sportlerinnen und Sportler ist ein wichtiger Faktor in der Talentsichtung. Wenn ich jemanden mehrmals sehe, dann lerne ich auch alle Facetten dieses Sportlers kennen“, erklärt Tobias Groenewold. Ein weiteres wöchentliches Stützpunkttraining wird noch in Gera angeboten. Weiterhin erfolgen vereinzelte TLZ-Trainingseinheiten an den jeweiligen Standorten. Mit Trainingsbesuchen wird es für ihn gegenwärtig schwierig, weil er kein eigenes Auto besitzt. Dann wird er zum Bahnfahrer oder für kürzere Strecken auch mal zum Radfahrer, so dass er bisher nur Gera & Zeulenroda bereiste. „Die anderen Standorte kann ich erst im kommenden Jahr besuchen kommen“, entgegnet er.

Als Zugereister aus Niedersachsen befindet er sich weiterhin in der sogenannten Kennlernphase. „Mit fehlt ein Jahr, wo wir durch die Corona-Pandemie nur wenig Kontakt zu den Sportlerinnen und Sportlern sowie den Trainerinnen und Trainern hatten. Jetzt versuche ich natürlich so viel wie möglich mitzunehmen“, sagt Tobias Groenewold. Zum Stützpunkttraining und den Besuchen in den Vereinen kommt noch die Betreuung des Spezialsports an der Sportschule Jena. Immer donnerstags unterstützt er die Sportlehrerinnen Romy Gürbig und Heike Röppnack in den Klassenstufen 7/8 sowie 5/6. Mehr lässt eine halbe Stelle sowie das Schreiben seiner Masterarbeit nicht zu. -sam-

Kontakt zu Steffen Droske und Tobias Groenewold