Erfurt: Victoria Keksel möchte sich für Saison belohnen

Es ist ihr erstes U18-Jahr – und doch könnte sich Victoria Keksel schon in diesem Sommer belohnen. Nämlich mit einem internationalen Start über 400 Meter Hürden. Die Norm dafür lief sie bei den Thüringer Landesmeisterschaften in Arnstadt. Sie ist eine von bisher zwei Athletinnen, der das in diesem Sommer gelang. Das allein reicht aber noch nicht für einen EM-Start. Entscheidend sind die ersten beiden Plätze bei den Deutschen Jugendmeisterschaften (U18/U23) in Bochum-Wattenscheid (3. bis 5. Juli).

Drei Rennen über 400 Meter Hürden stehen bei Victoria Keksel (Gothaer LAC) in der Leistungsdatenbank. Jedes Mal mit einer Leistungssteigerung versehen. Ihr letzter Wettkampf waren die Thüringer Landesmeisterschaften, bei denen sie in 61,04 Sekunden erstmals unter der Norm für die U18-Europameisterschaften in Rieti (Italien; 16. bis 19. Juli) blieb. Gefordert sind 61,50 Sekunden. „Ich konnte es erst gar nicht richtig fassen, weil mir die Zeit lange nicht angezeigt wurde. Mein Gefühl war ein anderes. Ich dachte nicht, dass es doch so gut wird. Als die Zeit angezeigt wurde, war ich einfach nur sprachlos und schockiert“, sagt die 16-Jährige,in der noch eine schnellere Zeit über die Langhürde schlummert.

Mit oder ohne Hürden?

Wobei sich die Langhürde erst im vergangenen Jahr so richtig in ihr sportliches Leben schlich. „Sie hat mich ausgewählt“, betont Victoria Keksel, die zuvor noch über die Mittel- und Langstrecken unterwegs war. Die 800 Meter ließ sie hinter sich. Die Strecke wurde kürzer – und schneller. Das bewies sie im Mai letzten Jahres über 300 Meter mit der Landeskadernorm. Sie lief 41,95 Sekunden. In Ulm bei der U16-DM steigerte sie sich sogar auf 40,63 Sekunden. Parallel folgten Wettkämpfe über 300 Meter Hürden. Auch da deutete sie ihr Potenzial an – steigerte sich von anfänglichen 48,13 auf 44,36 Sekunden. In ihrem ersten U18-Jahr folgte der Umstieg auf die 400 Meter Hürden. Und auch da ließ sie schon ihre Klasse aufblitzen.

„Mir machen die Hürdenrennen mehr Spaß. Das Training ist viel komplexer, vielfältiger und man muss auf mehr achten wie beim Blockstart. Du musst Ausdauer, Geschwindigkeit und eine gute Hürdentechnik haben“, beschreibt sie ihre sportliche Vorliebe. Diese Vorliebe soll sie nun bei den Deutschen Jugendmeisterschaften (U18/U23) in Bochum-Wattenscheid (3. bis 5. Juli) noch einen Schritt weiterbringen. Die Norm für die U18-EM hat sie ja bereits erfüllt. Der nächste Step für ein internationales Ticket ist ein Platz auf dem Siegerpodest – mit erfüllter Norm. Vorher stehen aber noch der Vor- und Endlauf auf dem Programm.

Ein unbändiger Wille 

„Sie hat definitiv die Stärke unter die Top 3 zu kommen und auch in Richtung U18-EM zu laufen. Ich traue ihr das absolut zu“, sagt ihr Trainer Tobias Schneider. Und so ging es für sie nach den Landesmeisterschaften in Arnstadt zurück ins Training, wo „sie nochmals deutlich zugelegt hat“. Ebenso wurde analysiert, wo sie im Rennen noch Reserven hat. Offenbart haben sich diese auf den ersten 200 Metern, wo der Fokus drauf gelegt wurde. Derzeit steht ihre Bestzeit bei 61,04 Sekunden. „Wenn sie das alles zusammenbekommt und umsetzt, was wir im Training erarbeitet haben, dann kann es deutlich schneller werden und unter 61 Sekunden gehen.“ Nur muss sie dafür „zwei Mal voll da sein“.

Dafür trägt sie einen „unbändigen Willen“ in sich. „Man spürt schon, sie will das und zur U18-EM. Wenn sie das an den zwei Tagen auf die Bahn bringt, mit dem Willen, dann kann das richtig gut werden“, hofft ihr Trainer, der aber zu Bedenken gibt, dass sie noch dem jüngeren U18-Jahrgang angehört und dafür schon sehr schnell unterwegs sei. „Wir machen uns da absolut keinen Druck. Wenn es eine Medaille wird, dann ist es toll. Wenn es darüber hinaus noch zum EM-Ticket reicht, dann ist es eine grandiose Krönung einer ganz, ganz starken Saison.“