Erfurt: Traumjob führt Tobias Schrock zurück in die Heimat

Zwei Neue am Erfurter Sportgymnasium: Tobias Schrock und Laura Rook haben mit Beginn des neuen Schuljahres ihren Dienst als Lehrertrainer angetreten. Neu und doch irgendwie vertraut – Tobias Schrock kehrte nach seinem Lehramtsstudium in Potsdam zu seinen Wurzeln zurück. Der gebürtige Erfurter unterrichtet Geschichte und Sport einerseits, anderseits gibt der einstige Kugelstoßer vom ASV Erfurt sein Wissen – speziell im Wurfbereich - an die Nachwuchsathleten weiter.

Wegen des erneuten Corona-Lockdowns nur digital. Auf allen Ebenen. Das Gymnasium ist geschlossen. Angeboten werden könne lediglich Präsenzunterricht für die Schüler der Abschlussklassen. Allerdings nur in Prüfungsfächern. So sieht es zumindest die aktuelle Sonderverordnung des Landes vor. Tobias Schrock sitzt Zuhause. Am Schreibtisch. Vor ihm der Computer. Der Unterricht findet nach dem gleichen Stundenplan statt wie in der Schule. „Ich versuche für die Schüler ansprechbar zu sein. Wenn sie Hilfe benötigen oder Fragen haben, können sie sich an mich wenden“, sagt der 30-Jährige, der an seine Schüler Aufgaben verschickte und nun auf Rückantwort wartet.

Entspanntes Ankommen an der Sportschule

Viel lieber wäre ihm, er wäre nicht digital mit seinen Schülern verbunden - in der Hoffnung, dass die Videokonferenz nicht abbricht. Stände stattdessen vor ihnen im Klassenzimmer und bekäme sofort eine Rückmeldung auf seine Fragen, seine Aufgaben und müsse nun nicht warten. Sein Start in den Schuldienst verlief vor einigen Monaten um einiges entspannter. Da noch im direkten Kontakt mit seinen Schülern. „Der Empfang war sehr herzlich. Die Kinder sind toll. Die Bedingungen sind top“, konnte er seinem neuem Arbeitsumfeld nur Positives abgewinnen.

Wenngleich er zunächst für ein Jahr befristet angestellt ist. Natürlich ist das für den zweifachen Vater alles andere als eine sichere Situation. Doch diesen Gedanken schiebt er schnell zur Seite. „Für mich ist es die beste Stelle der Welt“, sagt er frei heraus. Das läge für ihn daran, dass er mit tollen Leistungssportlern zu tun hat und sie zugleich trainieren kann.

Initiative zeigt Wirkung

Studiert hat er seinen Traumberuf in Potsdam. Es folgte sein Vorbereitungsdienst (Referendariat) an der Potsdamer Sportschule. Nach seinem Referendariat verschlug es ihn zurück in seine alte Heimat. Vorausgegangen war eine Initiativbewerbung. „In den letzten Zügen meines Studiums hatte mich mich initiativ an der Sportschule in Erfurt beworben. Außerdem musste auch eine Stelle mit dieser Fächerkombination frei sein. Das hatte alles im Vorjahr gepasst“, berichtet Tobias Schrock erleichtert.

Lange Diskussionen mit seiner Frau für einen Umzug nach Erfurt gab es nicht. Ihre Heimat ist ebenfalls Erfurt. Dazu die Nähe zur Familie und zu Freunden. Das Gesamtpaket überzeugte. Einer Rückkehr stand nichts mehr im Wege. Plötzlich wird es am anderen Ende der Leitung etwas stiller. Es gibt doch etwas, was Tobias Schrock sehr vermisst – seine Trainingsgruppe. Er hatte sie während seiner Studienzeit aufgebaut. Vor zehn Jahren gründete sich die Leichtathletikabteilung des RSV Eintracht 1949. „Zu meiner Zeit gab es dort keine Werfergruppe. Ich habe dort angefangen eine Kindergruppe zu trainieren, aus der mit der Zeit immer mehr geworden ist. Zum Ende habe ich die U18/U20-Athleten im Wurfbereich betreut. In dieser Zeit wurde der Wunsch, stärker im Trainerbereich tätig zu werden, immer größer“, erzählt Tobias Schrock.

Vom Mehrkämpfer zum Kugelstoßer

Beim Erfurter LAC begann als Siebenjährige seine Leichtathletik-Laufbahn. Bis zur U18 probierte er sich noch in allen Disziplinen aus. Zunächst als Mehrkämpfer. In jungen Jahren im Achtkampf und Blockmehrkampf Wurf noch recht erfolgreich. Als Zehnkämpfer konnte er seine Schwächen im Kurz- und Langsprint nicht mehr kompensieren. Er hörte in sich rein und fand im Werfen seine große Leidenschaft. Schon als 13-Jähriger nahm er zum normalen Training eine Spezialeinheit bei Richard Debuch in Anspruch. „Ich habe mich im zweiten U18-Jahr auf das Werfen fokussiert. Das Speerwerfen musste ich nach einer Ellenbogen- und Rückenverletzung aufgeben.“

Stattdessen nahm er die Kugel in die Hand, er qualifizierte sich für die Deutschen Jugend-Hallenmeisterschaften. So erlebte er 2009 seinen schönsten Wettkampf in Neubrandenburg. David Storl wurde Deutscher Jugend-Hallenmeister, Tobias Schrock konnte die Qualifikations-Weite mit 15,38 Meter nochmals übertreffen. „Die Hallenmeisterschaften war sehr gut besucht. An der Bande stand Richard Debuch, der die Leute auf den Rängen zum Klatschen animierte. Als Trainer geht es mir darum, jungen Athleten dieses wunderbare Gefühl des sportlichen Erfolgs, wenn auch bloß in Form einer Teilnahme, zu ermöglichen.“

Seinen letzten Wettkampf bestritt er 2017. Mit dem Kapitel „Sportlersein“ hat er eigentlich abgeschlossen. Für eine Disziplin würde er eine Ausnahme machen. „Für das Hammerwerfen würde ich nochmal in den Ring zurückkehren. Da hätte ich noch Potenzial, weil ich das nicht so intensiv trainiert habe.“ Er sagt es mit einem verschmitzten Lächeln. In erster Linie ist er Lehrertrainer. Wenn momentan mehr Lehrer als Trainer. Normalerweise unterrichtet Tobias Schrock noch Sport. In der allgemeinen Leichtathletik teilt er sich die Verantwortung mit Alexander Fromm (Nachwuchs-Bundestrainer Mittelstrecke Frauen), sie betreuen die Neuntklässler. Zudem ist er für die Wurfausbildung der Fünft- bis Neuntklässler verantwortlich.

Junger Kopf mit frischen Ideen

Seine große Passion ist das Kugelstoßen. Darüber schrieb er seine Bachelor- und Masterarbeit. Speziell über das Drehstoßen, das er selbst mit 13 Jahren erlernte und das Wissen jetzt an seine Schüler weitergibt. Und das nicht nur an die Erfurter Sportschüler. Geplant war ein Stützpunkttraining. Ebenso gab es die Idee, die Trainer und ihre Athleten an ihren Wirkungsstätten zu besuchen. Ausgebremst wurde das Vorhaben durch den Lockdown. Derweil nutzt Tobias Schrock das Mehr an Zeit für seine im September begonnene zweijährige Ausbildung als A-Trainer.

Um einen dieser Plätze zu erhalten, benötigte er ein Empfehlungsschreiben. Ausgestellt bekam er dieses vom Hammerwurf Nachwuchs-Bundestrainer Ron Hütcher. Die Ausbildung beinhaltet Seminare, Prüfungen, Hausarbeiten ebenso wie eine Hospitanz. Für letztere würde er gern in Thüringen bleiben. „Mein Wunsch ist es bei Richard Debuch und Harro Schwuchow zu hospitieren. Ich denke, dass ich mir von diesen Trainern sehr viel abschauen kann“, sagt Tobias Schrock, der wie seine Schüler ein Lernender ist. Wenn momentan nur vor seinem Computer und in digitaler Form.

Die Vorstellung von Laura Rook folgt in einem zweiten Teil.

Video-Vorstellung Lehrertrainer Tobias Schrock und Laura Rook