Erfurt: Erfurts Sprinter müssen in der Vorbereitung umplanen

Was zuerst: die gute oder die schlechte Nachricht? Tobias Schneider beginnt mit dem Positiven. Der TLV-Sprinttrainer zeigt sich erleichtert, dass mit Julian Reus (Top Team Thüringen) einer seiner beiden Schützlinge fit aus dem vierwöchigen Trainingslager auf Gran Canaria zurückgekehrt ist. Dieses diente der unmittelbaren Vorbereitung auf die World Athletics Relays in Chorzow (Polen; 1./2. Mai). Um sicher einen Olympia-Startplatz zu ergattern, ist für die Sprintstaffel der Männer einen Platz unter den besten Acht vonnöten.

Mit Julian Reus als Startläufer? Diese Entscheidung ist noch offen. Fest steht, der 32-Jährige wurde für die inoffizielle Staffel-Weltmeisterschaft vom Deutschen Leichtathletik Verband (DLV) nominiert. Als einer von sieben Sprintern. Vorerst keine Rolle mehr für die Staffel spielt Julian Wagner. Der 23-Jährige kehrte mit muskulären Problemen vorzeitig aus dem Trainingslager zurück. Das die weniger gute Nachricht. „Julian befindet sich in ärztlicher Behandlung. Er kann trainieren, aber einen Einstieg in die Saison sehe ich bei ihm eher in Richtung Deutsche Meisterschaften. Alles andere wäre im Moment zu vage“, sagt Tobias Schneider.

Erster Staffel-Formtest auf Gran Canaria

Derweil muss er Julian Reus schon wieder verabschieden. Nach seiner Rückkehr aus Gran Canaria sowie einem einwöchigen Aufenthalt in der Heimat zog es ihn am Sonntag nach Kienbaum. Ein Staffel-Kaltstart steht den Sprintern in Chorzow nicht bevor. Im Trainingslager gab es kurz vor der Abreise noch einen ersten Test, der allerdings von zu viel Gegenwind geprägt war. Das DLV-Quartett in der Besetzung Julian Reus, Deniz Almas (VfL Wolfsburg), Roy Schmidt (SC DHfK Leipzig) und Michael Pohl (Sprintteam Wetzlar) rannte nach 39,64 Sekunden ins Ziel.

„Ich bin gespannt, wie der Bundestrainer die Staffel aufstellt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er auf Julian Reus verzichtet. Er ist fit und tut der ganzen Gruppe gut. Gerade auch mit seiner Erfahrung als Staffelläufer“, hofft Tobias Schneider auf einen Einsatz seines Athleten. Während Julian Reus vor seinem Saisonstart in die Olympia-Saison steht, müssen sich seine anderen Aktiven wie Aleksandar Askovic und Luis Brandner noch etwas gedulden. Letzterer meldete sich ein halbes Jahr nach seinem letzten Rennen bei der Hallen-DM in Dortmund auf der Leichtathletik-Bühne mit 6,80 Sekunden zurück. Nach überstandener Verletzungspause ein ordentliches Comeback.

System noch nicht stabil für 200 Meter

Für den Sommer möchte er gern wieder die 100 und 200 Meter angehen. Ebenso wie die Staffel. Und sich sowohl im Einzel wie auch mit der Staffel für die U23-Europameisterschaften in Bergen (Norwegen; 8. bis 11. Juli) zu qualifizieren. Tobias Schneider tritt sanft auf die Bremse: „Ich sehe ihn momentan weniger auf den 200 Metern. Das ist eine Strecke, die ihn mehr fordert. Auch vom System. Aufgrund seiner Verletzungsgeschichte ist sein System einfach noch nicht so stabil. Wir sind bei ihm im Training sehr vorsichtig geworden.“

Gleichwohl wünscht sich Tobias Schneider für seinen Jüngsten in der Leistungsgruppe eine komplette Saison. Das gelang dem 20-Jährigen zuletzt 2018. In den Folgejahren bremsten ihn dann Verletzungen aus. „Ich würde mich freuen, wenn er sich wieder zeigen kann, dabei ist und mit Zeiten ausdrücken kann, mit mir ist wieder zu rechnen.“ National wie international. Seit Dezember trainiert Aleksandar Askovic in Erfurt. In der Hallensaison zündete das neue Konzept noch nicht.

Verschobenes Saisonziel bedeutet Umdenken

Teils bedingt durch den späten Einstieg in die Vorbereitung. „Es gibt Athleten, bei denen eine Konzeptänderung auf Anhieb funktioniert. Andere brauchen wiederum länger. Ich wurde dann einfach auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Die Hallensaison verlief einfach nicht so, wie ich sie mir vorgestellt hatte. Ich brauche einfach noch Zeit, um mich mit dem neuen Konzept zurechtzufinden“, sagt der Erfurter Neuzugang. Jetzt will er im Sommer richtig durchstarten.

Die Saison hat noch nicht einmal begonnen, da ist sie schon um einen Höhepunkt ärmer. Nicht mehr im Programm ist die Universiade. Sein Höhepunkt. Sein großes Ziel für den Sommer wurde auf 2022 verschoben. Im gleichen Moment hieß es umdenken. „Nach der DM werde ich nach dem amerikanischen System verfahren und mir über die weiteren Rennen die nötige Wettkampfhärte holen.“ Für die Universiade waren 10,25 Sekunden gefordert. Eine Zeit, die er nicht mehr laufen muss. Er will befreit vom Kopf in die Sommersaison starten und sich überraschen lassen. Wenngleich er schon an seine Bestzeit (10,36 sec) ranlaufen möchte.

Parallel zu seinem vier Athleten aus der Leistungsgruppe betreut Tobias Schneider neun Jugendliche der Altersklasse U18 wie Benedikt Wallstein (Gothaer LAC), Valentin Brenner (Erfurter LAC) oder Hannes Hahn (Erfurter LAC). Für seine Nachwuchsathleten ist zum Auftakt das Dresdner Jugendmeeting (8. Mai) eine Option. Der nationale Höhepunkt sind die Deutschen Jugendmeisterschaften in Rostock (30. Juli bis 1. August). -sam-