Erfurt: Staffel-Gold als Motivation für mehr

Staffel-Gold mit Europarekord: Luis Brandner war Teil der erfolgreichen DLV-Sprinstaffel, die bei den U23-Europameisterschaften in Tallinn den Titel holte. Bei der Olympia-Verabschiedung von Sprinter Julian Reus und Geher Jonathan Hilbert im Erfurter Steigerwaldstadion wurde der 20-Jährige gebührend empfangen. Seine erste internationale Goldmedaille hatte er natürlich dabei.

Die Medaille war ein schöner Blickfang. Da schauten selbst seine Sprint-Trainer Gerhard Jäger und Tobias Schneider ganz genau hin. Für ihren Schützling war es bereits die dritte internationale Medaille. Bei der U18-WM in Nairobi (2017) gab es Bronze über 200 Meter, ein Jahr später mit der DLV-Sprintstaffel Bronze bei der U20-WM in Tampere. Luis Brandner (Top Team Thüringen) zeigte sich über sein Goldstück mehr als erleichtert. Gerade auch nach einem schwierigen Saisoneinstieg mit der einen oder anderen kleinen Muskelverletzung, die ihn beispielsweise bei den Deutschen Meisterschaften in Braunschweig ausbremste. „Das Team in Erfurt und ich wussten, wenn man den kleinen Schalter findet, dass ich schmerzfrei laufen kann, dann kann es wieder bergauf gehen.“

Staffel-Erfahrung zahlt sich aus

Und es ging bergauf. Bestätigt fühlte er sich mit dem Titel bei der U23-DM in Koblenz sowie der Nominierung für einen Staffeleinsatz in Tallinn. Auch wenn die bis dahin schnellsten Konkurrenten wie Lucas Ansah-Peprah, Owen Ansah (beide Hamburger SV) und Marvin Schulte (SC DHfK Leipzig) für die Olympischen Spiele nominiert wurden, war Luis Brandner sicher, selbst wenn sie es nicht nach Tokio geschafft hätten, er dessen ungeachtet konkurrenzfähig in der Staffel gewesen wäre. „Ich bin durch meine vorherigen Staffel-Einsätze relativ erfahren. Ich habe damals in Finnland schon abgeliefert. Man hat auch gesehen, dass wir trotzdem eine konkurrenzfähige Staffel in Tallin am Start hatten. Auch wenn nicht die Allerschnellsten dabei waren. Von der Staffel war es trotzdem eine gute Konstellation“, verdeutlicht Luis Brandner.

Das Vertrauen zahlten die Jungs mit Europarekord von 38,70 Sekunden sowie dem Titel zurück. Nach dem Vorlauf hatte sich das Quartett in die Favoritenstellung gebracht. „Wir haben läuferisch voll durchgezogen, aber die Wechsel waren noch nicht mit vollem Risiko“, erklärte der 20-Jährige. Nach der ersten Runde war er für eine Einschätzung am Mikrofon der österreichischen Kommentatoren. „Man versucht relativ ruhig zu bleiben und nicht zu euphorisch zu wirken. Im Finale kann immer noch viel passieren. Wir wussten, wir sind der Favorit.“

Stromausfall verursacht späteren Finalstart

Zwischen Vorlauf und Finale ging es zurück ins Hotel. Runterfahren. Physiotherapie, Mittagessen und Mittagsschlaf – ebenfalls wichtige Faktoren. Zurück im Stadion verzögerte sich der Start um eine halbe Stunde aufgrund eines Stromausfalls. Der Callroom-Aufenthalt wurde etwas länger, aus der Ruhe brachte sie der Vorfall nicht. Sie hatten einen klaren Plan. „Es ging im Finale darum, das Rennen sicher durchzubekommen und eine Medaille zu holen. Am besten natürlich Gold. Was wiederum nicht selbstverständlich ist, weil in der Staffel viel passieren kann“, merkt der Student der Rechtswissenschaften an. Schlussendlich klappte alles und die deutsche Staffel rannte souverän zum Titel.

Zuvor war die deutschen Frauen-Staffel erfolgreich. Gemeinsam feierten sie den Doppelerfolg auf der Rundbahn. Die Nacht wurde kurz. Am Folgetag hob der Flieger um 6 Uhr in der Früh zurück in die Heimat ab. Einen Platz für die Goldmedaille gibt es auch schon - in einer Vitrine, wo die WM-Bronzemedaillen nun nicht mehr allein hängen. „Ich hoffe, da kommt noch die eine oder andere Medaille dazu“, würde sich Luis Brandner über weiteren internationalen Edelmetall-Zuwachs freuen. Aber nicht mehr von einer U23-EM. In zwei Jahren ist er zu alt für einen weiteren Einsatz.

Vorfreude auf 2022 - Heim-EM und WM

Daher blickt er schon mit leuchtenden Augen auf das kommende Jahr, wo mit Heim-EM in München und der WM in Eugene (USA) zwei absolute Höhepunkte anstehen. „Schauen wir mal. Das ist auf jeden Fall das nächste Ziel, bei der Heim-EM zu starten.“ Bei der Olympia-Verabschiedung in Erfurt gab er Trainingspartner Julian Reus die besten Wünsche mit auf den Weg. In drei Jahren könnte Luis Brandner an selbiger Stelle stehen. „Allein der Gedanke an die Olympischen Spiele ist Motivation genug“, sagt er zu seinen Ambitionen.

In diesem Jahr kam der Schritt einfach noch zu früh. „Ich bin ganz realistisch, dieses Jahr richtig einzuordnen. Ich war froh, dass es mit einem Einsatz bei der U23-EM geklappt hat. Aufgrund der ganzen Gegebenheiten waren die Olympischen Spiele in diesem Jahr für mich ein Schritt zu weit weg. Im Hinblick auf Paris bin ich sehr optimistisch, dass das klappt.“

Das ist die sportliche Zukunft, in der Gegenwart will Luis Brandner weiter angreifen. Schließlich hat er noch Ziele. Bei den Mitteldeutschen Meisterschaften in Sömmerda steigerte er seine Saisonbestzeit über 100 Meter auf 10,39 Sekunden. Die Richtung stimmt. Noch stehen seine Bestzeiten bei 10,36 Sekunden (100 m) und 21,12 Sekunden (200 m). Gerade seine Zeit über 200 Meter möchte er gern drücken, am liebsten unter 21 Sekunden. „Für mich wäre dies der perfekte Saisonabschluss.“ -sam-