Erfurt: Sprint-Fortbildung gibt neue Ideen für Heimtraining

Der erste Fortbildungstermin zum Thema Sprint war schnell ausgebucht. So lauschten eine Vielzahl an interessierten Trainern an jenem Freitagnachmittag in der Hartwig-Gauder-Halle den Ausführungen von Sprint-Landestrainer Tobias Schneider, zückten neben Stift und Papier auch das Handy, um die gezeigten Übungen aufzunehmen. Es war aber nicht nur eine Fortbildung für die Trainer, sondern bevorzugt für leistungsorientierte Athleten der Altersklassen U16, U18 und U20, um neue Impulse für das heimische Sprint-Training zu setzen. Unterstützt wurde Tobias Schneider von zwei seiner Spitzen-Athleten: Benedikt Wallstein (Gothaer LAC) und Hannes Hahn (Erfurter LAC).

Zu Beginn stellte Tobias Schneider die Frage: Was braucht es, um Schnelligkeit zu entwickeln? Dafür braucht es beispielsweise ein gutes Körpergefühl, Koordination, Technik, schnelle Muskelfasern sowie eine gewisse Kraft und Schrittlänge. Nach dieser kleinen Theoriefrage ging es über in den praktischen Teil. „Mir war an dieser Fortbildung besonders wichtig, dass es keine Power Point Präsentation gibt. Ich bin ein großer Fan, mit den Athleten zu arbeiten. Ich sehe gern die Athleten, verbessere sie und leite an. Ich denke, das ist eine Fortbildung, bei der Heimtrainer wie Athlet viel mitnehmen kann. In dieser Art werde ich auch die kommenden Fortbildungen fortführen“, sagt Tobias Schneider, der zugleich hofft, dass „bei den Teilnehmern etwas hängenbleibt und jeder ein bisschen was für sich mitnimmt“.

Movement Preparation als Form der Erwärmung

Begonnen wurde mit der Erwärmung. Dafür wählte der 36-Jährige eine andere Form - ein dynamisches Aufwärmprogramm namens „Movement Preparation“. Empfohlen als Einstieg nach der Sommerpause von September bis Mitte November, einmal wöchentlich. Aufgebaut hatte er dazu zwei Quadrate, die Ecken abgesteckt mit Hütchen. In den Ecken standen jeweils zwei Athleten, die für die einzelnen Übungen verschiedenfarbige Fitnessbänder (Loop Bänder) erhielten. Die Farbe gab die jeweilige Dehnungsstärke an.

Im nächsten Schritt erklärte er die jeweilige Übungen für die zwei Athleten längsseitig (z.B. Standwaage), anschließend für die zwei querseitig (z.B. Ausfallschritt mit Rotation der Arme). Das Fitnessband hatte der Athlet um beide Hände gewickelt. Recht anspruchsvoll erwies sich im Abschluss der Krebsgang - einerseits die Körperspannung zu halten und anderseits sich mit einem elastischen Fitnessband um den Händen fortzubewegen.

Themenschwerpunkte: Dehnung und Mobilation, Sprint-ABC und Minihürden

In der zweiten Runde folgte ein kleiner Ausschnitt aus dem Programm Dehnung und Mobilisation. Tobias Schneider gab als Empfehlung, diese Übungen zu Beginn der Woche ins Trainingsprogramm einzubauen. Hierbei ging es nicht um Schnelligkeit, sondern die Übungen langsam, ruhig und bewusst auszuführen. Zwischendurch suchte Tobias Schneider immer wieder den Blickkontakt zu den Trainern und gab ihnen kleine Hinweise. Ebenso forderte er sie auf, „sich selbst mal auszuprobieren“.

An dieses Programm schloss sich das Sprint-ABC unter anderem mit Übungen wie Fußwischer, Rückwärtsgehen sowie als Steigerung das Rückwärtslaufen, Hopserlauf rückwärts, Hopserlauf mit Armkreisen rückwärts, Standwaage, Kniehub mit Armkreisen vor- und rückwärts, kurze, schnelle Tappings (Fuß- und Beinbewegungen), Sprint Drills, Kniehebelauf ohne und mit Stab und das Unterfersen an. Die Minihürden (Wickets) rückten zum Abschluss der Sprint-Fortbildung in den Fokus. Auf der Bahn waren in unterschiedlichen Abständen Minihürden aufgebaut und Streifen aufgeklebt. Diese galt es schnell und gleichmäßig durchzurennen. Jeder Athlet einzeln, beäugt von Tobias Schneider und den Trainerkollegen. „Alle haben die Herausforderung der Minihürde gut gelöst. Für einige war es sogar das erste Mal. Dafür haben sich die Athleten gut geschlagen und mitgemacht. Ich habe keine groben Fehler gesehen“, meint Tobias Schneider.

Kleinere Defizite: hängende Fußspitzen, Arm-Bein-Koordination

Ein Part fiel ihm besonders positiv auf: „Ich war etwas überrascht, dass alle Athleten bei der Mobilität und Dehnung so gut mitgemacht haben. Ich dachte, dies wäre der schwierigste Part. Aber alle waren konzentriert bei der Sache. Das hat mir richtig gut gefallen.“ Bei den positiven Anmerkungen sah er auch kleinere Defizite: „Generell ein Problem sind die Füße speziell die Fußspitzen, die oftmals hängen. Ansonsten sind es natürlich viele individuelle Besonderheiten. So vergessen einige die Arme. Weiterhin ist die Arm-Bein-Koordination nicht immer gegeben.“

Wer keine Möglichkeit hatte, den ersten Termin der Sprint-Fortbildung wahrzunehmen, dem bietet sich am Freitag, 20. Mai, von 16 bis 19 Uhr eine zweite Chance. Der Inhalt des Lehrgangs richtet sich nach den angemeldeten Athleten und Trainern. „Melden sich größtenteils die Teilnehmer, die schon an der ersten Fortbildung teilgenommen haben, werde ich mich thematisch in Richtung Wettkampfsaison orientieren. Sollte die Mehrheit der Teilnehmer neu sein, dann werde ich nochmals die Inhalte aus der ersten Fortbildung wiederholen“, sagt Tobias Schneider.  Das Training wird dabei bedarfsorientiert an die Wünsche der Trainer und Athleten angepasst. -sam-

Informationen zur 2. Sprint-Fortbildung