Erfurt: Spendencafé Pamati unterstützt Erfurter Leistungssport

Immer wieder sonntags: Die zwei silbrig glänzenden Maschinen blubbern, zischen und dampfen. Sogleich umweht einem der Hauch von frisch gebrühtem Kaffee. Fast magisch zieht dieser verführerische Duft die Passanten an. Sie bleiben stehen, inmitten eines Innenhofs, an einem weit geöffneten Fenster. Auf der anderen Seite begrüßen drei Jungs lächelnd ihre Gäste: Pascal Unbehaun, Marcel Lehmberg und Tim Stegemann. Zusammen sind sie die Gründungsmitglieder des Erfurter Spendencafés Pamati. Mit den Erlösen aus dem Verkauf soll der Erfurter Gehsport sowie einzelne Sportler unterstützt werden.

An einem Sonntag, am Tag der Verliebten, öffneten sich die weißen Fensterläden erstmals. Für zwei Stunden liefen die silbernen Maschinen zur Höchstleistung auf. Freunde, Bekannte oder Fremde erlebten genussvolle Momente in einer liebevollen Atmosphäre. Ob Espresso, doppelter Espresso, Flat White, Coffee Tonic oder Heiße Schokolade, die Jungs kreierten mit viel Hingabe und guter Laune einen wahren Wohlgenuss. Nicht nur die Liebe zum „schwarzen Gold“ eint die Drei. Kennengelernt haben sie sich über die Leichtathletik. Wenngleich nur noch Tim Stegemann als Hindernisläufer in der Leichtathletik aktiv ist. Wogegen Pascal Unbehaun und Marcel Lehmberg inzwischen dem Triathlon nachgehen.

Drei Sportler, die eine weitere Leidenschaft verbindet. Nämlich die für richtig guten Kaffee. „Wir haben uns in der Zeit zu richtigen Feinschmeckern entwickelt und versuchen die einzelnen Nuancen herauszuschmecken. Wie jüngst die Kirschnote bei der Sorte „Sweet Cherry“, drei Wochen haben wir für unseren Aha-Effekt gebraucht“, sagt Marcel Lehmberg schmunzelnd. Eine Tasse Kaffee trinken und den Moment genießen - das ist dann ihre ganz eigene Auszeit aus dem sportlichen Alltag. Und mit der Zeit entwickelte jeder seine Lieblingssorte. „Während Tim und ich mehr die Arabica-Bohnen-Typen sind, ist Pascal eher der klassische Espresso-Typ.“

Kreativität im Frühjahrs-Lockdown

Der schwarze Wachmacher begleitet die Jungs gut durch den Tag. Ein Tag ohne Kaffee unvorstellbar. „Unsere Maschine läuft rund um die Uhr. Wir trinken sehr viel Kaffee. Es ist unser Lebenselixier. Ich komme durchschnittlich am Tag auf sechs bis zehn Espressi.“ Möglicherweise hält Kaffee nicht nur wach, sondern macht auch kreativ. Wie im Frühjahrs-Lockdown des Vorjahres, der die Kaffeeliebhaber hat noch kreativer werden lassen. „Ich war mit Tim im Trainingslager in Südafrika. Coronabedingt wurde es dann angebrochen. Zurück in Erfurt hat uns der Lockdown ein Stück weit die Bewegung genommen. Es stand vieles still. Und als Sportler wird man dann kreativ, sucht sich einen Ausgleich. Wir haben uns dann intensiv mit unserer Kaffeemaschine beschäftigt“, erklärt Marcel Lehmberg. Es wurde probiert, kreiert und getestet.

Gewöhnlich, täglich, um 14 Uhr gab es ohnehin schon das Ritual der Kaffeezeit. In kleiner Runde entstand aus Jux die Idee für mehr. „Lass uns doch ein Logo, eigene Tassen gestalten und einmal die Woche die Fenster für einen Verkauf öffnen“, herrschte unter den drei Jungs Einigkeit. Die Gedanken mussten pausieren, die Wettkampfsaison begann. Sie ruhten bis zum Ende des Jahres. Das Kennenlernen und die Gespräche mit den Nachwuchs-Geherinnen Lena und Sina Riedel brachte dann gehörig Schwung in die Geschichte. „Wir haben die beiden kennengelernt, sie haben uns von ihrem Jahr erzählt, das kaum sportliche Höhepunkte bereithielt und sie mächtig gebeutelt hat. So entstand zusätzlich zum Café die Idee, alle Einnahmen als Spende dem Erfurter Gehsport und einzelnen Sportlern zukommen zu lassen“, berichtet Marcel Lehmberg.

Berufliche und sportliche Verspflichtungen verhindern geregelte Öffnungszeiten

Sie gründeten einen Spendenverein, öffneten ihr kleines Fenster-Café am Valentinstag und durften sich über regen Zuspruch freuen. Obwohl nur sonntags zwischen 13 und 15 Uhr geöffnet, blubberten und zischten die Kaffeemaschinen im Minutentakt. „Es macht uns einfach Spaß im gastronomischen Bereich zu arbeiten und dabei noch Gutes zu tun.“ Meistens verwöhnt Marcel Lehmberg die Gäste mit frisch gebrühten Kaffee. Allein ist er dabei nur selten. Helfende Elfen wie Sina und Lena Riedel gingen ihm schon zur Hand. Aber nur dann, wenn seine anderen beiden Mitstreiter beruflich oder sportlich verhindert sind. „Aufgrund sportlicher und beruflicher Verpflichtungen können wir das Fenster momentan nur an einem Tag in der Woche öffnen.“

In ferner Zukunft ist ein kleines, gemütliches Hofcafé angedacht. Die Bedingungen dafür könnten nicht besser sein. Das Fenster zum Hof gehört eigentlich zu großzügig angelegten Geschäftsräumen, die nun teils als WG-Räume genutzt werden. „Wir wohnen dort und haben ordentlich Platz. Wir könnten das Café nach oben erweitern, es gibt noch zwei, drei Räume. Oder wir nutzen den Innenhof mit den zwei Garagen“, verdeutlicht Marcel Lehmberg die Option eines Ausbaus. Coronabedingt ist dieser Plan nur in ihren Köpfen. Aber irgendwann. Ja, irgendwann soll die exponierte Lage noch mehr Kaffeeliebhaber anlocken. Und das dann nicht nur sonntags. -sam-

Standort: Pamati, Lange Brücke 36, Erfurt

Öffnungszeiten: Meist am Sonntag von 13 bis 15 Uhr

Instagram: pamaticafe