Erfurt: Robin Müller - Ein Sommer voller Ziele

Erinnerungen schaffen und festhalten: Bei der Langen Laufnacht in Karlsruhe hatte dies zuletzt nur bedingt geklappt, als Robin Müller seine Trainingskollegen vor seinem 3.000 Meter Hindernisrennen fragte, ob sie nicht während seines Rennens Fotos machen könnten. Diese waren dann so sehr auf das Anfeuern und Klatschen fokussiert, dass sie es einfach vergaßen. Ein Foto gab es trotzdem. Einige Minuten nach seinem Rennen streifte sich Robin Müller nochmals sein Wettkampfdress über und blickte mit einem zufriedenen Lächeln auf den Lippen in die Kamera.

Soeben war er nämlich über 3.000 Meter Hindernis in 9:02,29 Minuten zu einer neuen Bestzeit gerannt, diese lag satte 30 Sekunden! unter seiner alten Bestmarke. Dem nicht genug, hakte der 18-Jährige – und das war das eigentliche Ziel – die Norm für die U20-Weltmeisterschaften in Cali (Kolumbien; 1. bis 6. August) ab. „Das ist schon ein richtig krasser Sprung, wenn man beide Rennen von Karlsruhe und das aus dem vergangenen Jahr in Koblenz miteinander vergleicht. Es hätte auch schon im Vorjahr theoretisch in die jetzige Richtung gehen können. Was über diese Strecke eine immense Rolle spielt, das ist der Kopf“, sagte Robin Müller (LC Top Team Thüringen).

Zweifel ab Mitte des Rennens

Oftmals überkommen ihn ab der Hälfte des Rennens Zweifel. Und diese können sich negativ auf den weiteren Verlauf auswirken. „Ich denke dann zu viel nach. Das wiederum führt dazu, dass sich die Technik verschlechtert, die Körperhaltung versteift und die Lockerheit fehlt.“ Eine große Herausforderung sind ebenso die Hindernisse, wo von Runde zu Runde und von Hindernis zu Hindernis volle Konzentration gefragt ist. „Besonders herausfordernd ist es, wenn es an den Hindernissen ein Gerangel gibt. Dann sieht man den Balken nicht richtig, muss nach Außen ausweichen oder der Vordermann hat eine andere Geschwindigkeit als man selbst.“ Es gibt einfach noch viel zu lernen. Auch für ihn auf der letzten Runde. „Man sollte sich für die letzten Meter ein paar Körner aufheben und nicht schon vorher alles geben.“

Seine Endzeit bei Weitem noch nicht das Optimum. Trotz dieser fabelhaften neuen Hausmarke ärgerte er sich innerlich ein wenig. „Es war mehr drin.“ Wer Bestzeiten oder sogar Rekorde anstrebt, der braucht vielseitige Helfer: Engagiert wurde ein Tempomacher, um das Rennen eine Zeit lang anzuführen und das Tempo hochzuhalten. Der Pacemaker kam Robin Müller sehr entgegen, lag der ambitionierte Nachwuchsläufer doch bis ungefähr zur Hälfte des Rennens hinter dem schnellen „Hasen“. „Als er dann rausging, wurde ich fester und kam ins Grübeln, ob ich das Rennen überhaupt durchhalten kann. Das war nicht so einfach für mich. Ich war bis kurz vor dem Ziel vorne und habe die Führungsarbeit geleistet“, berichtete Robin Müller.

Mit Zuversicht in Richtung Junioren-Gala

Auf der Zielgeraden rannte überraschend Silas Zahlten (LG Brillux Münster; 9:01,97 min) am führenden Thüringer noch vorbei und blieb ebenfalls unter dem geforderten Richtwert für Cali. „Ich wusste, dass ich die Zeit draufhabe. Mehr konnte ich in Karlsruhe nicht erreichen. Das Wichtigste war die Norm“, zeigte sich Robin Müller sehr erleichtert über den ersten Schritt in Richtung U20-WM. Den zweite soll dann bei der Junioren-Gala in Mannheim (2./3. Juli) folgen, wo der Erst- und Zweitplatzierte mit erfüllter Norm das Ticket für Cali endgültig buchen kann. „Für dieses Rennen bin ich absolut zuversichtlich. Ich denke, es wird taktisch geprägt sein. Als Favorit sehe ich Kurt Lauer, der im vergangenen Jahr auch schon bei der U20-EM dabei war und in Mannheim mit für das Tempo sorgen kann.“

Sollte Robin Müller das Ticket lösen, wäre dies sein erster internationaler Einsatz im DLV-Dress. Für ihn würde diese erste internationale Teilnahme „alles bedeuten“. „Das ist eine Reise, Cali ein Ort, wo man nicht so schnell hinkommen würde. Schon allein der Gedanke, in einem Feld mit den besten der Welt zu starten, hört sich richtig gut an“, ließ er seinen Gedanken freien Lauf. Dieses große Ziel hat er seit Saisonbeginn – und auch bildlich vor Augen. „Ich stelle mir bei jedem Training vor, wie es dann ist, im Stadion in Cali an der Startlinie zu stehen. Ich weiß, dass es bis zu diesem Moment, noch ein hartes Stück Arbeit wird.“

Straffes Trainingsprogramm

Mit einem recht strammen Programm. In der Vorwoche bestand es aus neun Mal Training mit etwa 120 Kilometern an Umfang. „Dazu gehören dann Dauerläufe, Tempoläufe und auch 100 Meter“, erklärte er die Zusammensetzung. Momentan ist die Doppelbelastung mit Leistungssport und Schule besonders hoch, er ist mittendrin in der heißen Abiturphase. Mit der Gewissheit in Karlsruhe die WM-Norm für Cali geschafft zu haben, lässt es sich nun etwas befreiter in die noch anstehenden Prüfungen gehen. Noch bis Mitte Juni kämpft er mit dieser Doppelbelastung. Die berufliche Zukunft ist ebenfalls schon abgesichert. Er eifert seinem Papa nach. „Ich gehe nach der Schule zur Polizei – und bleibe dafür in Thüringen. Polizist war schon immer mein Traumberuf.“

Auf dem Weg zu seinem sportlichen Traum in diesem Sommer stehen noch einige Starts auf dem Plan wie die 1.500 Meter bei den Thüringer Landesmeisterschaften in Gotha (11./12. Juni), die finale Entscheidung über die Vergabe der WM-Tickets in Mannheim sowie ein Doppelstart bei den Deutschen Jugend-Meisterschaften in Ulm (15. bis 17. Juli) mit 2.000 Meter Hindernis und 3.000 Meter. „Es wäre der perfekte Sommer, wenn ich das Abitur schaffe, eine Wohnung für meine Polizei-Ausbildung in Meiningen bekomme sowie das Ticket für die U20-WM in Cali löse.“ Und auf diesem Weg ganz viele Erinnerungen schafft und bildlich festhält. -sam-