Erfurt: Regeneration im Sport: Worauf es nach dem Training ankommt

Regeneration nach einem anstrengenden Training ist wichtig. Wie wichtig und wie man am besten regenerieren kann, das erklärte Dagmar Schuh im zweiten Onlinevortrag des neuen TLV-Projekts „High Five“, dass sich insbesondere an die Schüler der Klassenstufen 5 bis 9 der Sportgymnasien in Erfurt und Jena sowie deren Trainer und Eltern richtet.

Den Auftakt des Formats bildete der Buchstabe „F“ wie fundamentales Wissen von Kopf bis Fuß. Weiter ging es nun mit dem Buchstaben „I“, der Inspiration zur individuellen Genesung bedeutet. Als Expertin für das Thema „Regeneration“ konnte Dagmar Schuh gewonnen werden. Sie ist Physiotherapeutin mit mehrjähriger Berufserfahrung, ist Diplom-Sportwissenschaftlerin und war selbst Leichtathletin. Zudem hat sie die Heilpraktik für sich entdeckt. Ihr zusammenfassendes Motto: „Leben in Bewegung“.

Sie begann ihren Vortrag bei Sebastian Kneipp. Die Lehren des einstigen Priesters mit den fünf Säulen sind auch heute immer noch zeitgemäß. „Vor 200 Jahren hat Kneipp als Priester angefangen, die Werte des Wassers als gesundenes Element zu entdecken und anzuwenden“, erklärt Dagmar Schuh. Zurückzuführen auf Kneipp ist die berühmteste Wasseranwendung: das Wassertreten. Auf zwei Säulen wie das Wasser und die Lebensordnung ging Dagmar Schuh etwas detaillierter ein.

Wasser als eine der fünf Säulen von Kneipp

Was könnt ihr tun, um euch nach einer anstrengenden Einheit sowie in oder nach einem Trainingslager zu regenerieren? Da gibt es mehrere Möglichkeiten. Wie ein entspanntes Bad in der Badewanne. „Das Gute an Wasser ist, man kann es sich auf seine Wohlfühltemperatur einstellen. Ein wichtiger Aspekt: warmes Wasser entspannt den Körper. Die Muskeln werden lockerer, die Gefäße erweitern sich.“ Gerade nach einer Schnelligkeitseinheit, bei der man viel Sauerstoff verbraucht und die Muskeln stark macht, braucht es Ruhe und Erholung.

Allein das warme Wasser sorgt schon für einen Entspannungseffekt. Anreichern kann man das Wasser aber auch mit gepflückten Kräutern aus dem Garten, ein bisschen Lavendel oder Olivenöl. Letzteres pflegt gleichzeitig noch die über den Tag stark beanspruchte Haut. Und noch einen kleinen Tipp hat Dagmar Schuh, gerade wenn man einen Tag hinter sich hat, der einen hat sauer hat werden lassen. „Wenn man etwas Saures kompensieren möchte, braucht man etwas Basisches. Da eignet sich basisches Badesalz.“

Eine schnelle und richtige Variante zur Regeneration ist die Dusche. „Warmes Wasser fördert die Durchblutung an der Hautoberfläche. Bei kaltem Wasser ziehen sich die Gefäße zusammen, in der Konsequenz, das Blut muss irgendwo hin. Es gelangt in die Körpermitte, so dass Herz, Lunge Nieren gut versorgt werden.“ Eine weitere Variante zur perfekten Regeneration ist das Baden und Schwimmen. Zudem sei es gut, um Muskelkater zu vertreiben. Dafür mit dem ganzen Körper ins Wasser gehen und im Idealfall noch bewegen.

Die Kneippschen Anwendungen sind nicht nur etwas für ältere Menschen. „Die Wasseranwendungen fördern die Durchblutung“, betont Dagmar Schuh. Wenn es nach einer lockeren Einheit solch ein Becken oder auch Fluss mit Steinen gibt, dann einfach Schuhe und Socke aus, Hosenbeine hochgekrempelt und bis zu den Oberschenkeln ins kalte Wasser gehen. Finnland gilt als Heimatland der Sauna, sie gehört zur Lebensart. Das ist schon sehr speziell. Nach dem warmen Saunieren kommt das Prinzip Wasser zum Tragen. Das Gegensätzliche ist hier entscheidend.

Lebensordung: Schlaf als wichtigstes Element

Die zweite Säule von Kneipp, auf die Dagmar Schuh näher einging, war die Ordnung im Tagesablauf (Lebensordnung). „Je regelmäßiger wir unseren Körper mit immer wieder demselben Reiz konfrontieren, desto besser gewöhnt er sich daran.“ Eins der wichtigsten Elemente in unserem täglichen Ablauf ist der Schlaf. Gerade für Kinder.

Im Altersbereich von 9 bis 11 Jahre ist der Zuwachs an koordinativen Fähigkeiten am größten, die Kinder lernen schnell neue Bewegungen. Umso wichtiger ausreichender Schlaf. „Atmung, Herzfrequenz und Muskulatur sind in den Tiefschlafphasen sehr ruhig. Das Gehirn ruht sich aus. In der Traumschlafphase arbeitet unser Gehirn sehr intensiv, es erfolgt die „Müllabfuhr“ für unser Gehirn. Unnütze Dinge werden rausgeschmissen und das neue Wissen und Bewegungsabläufe werden manifestiert. Wir brauchen beide Phasen“, macht Dagmar Schuh deutlich.

Abschließend folgte ein Symbolbild aus der traditionellen chinesischen Medizin – Yin und Yang. In der Jugend werden Lebensgewohnheiten erfahren und manifestiert. Der Wechsel von Belastung und Regeneration ist bedeutsamer Baustein für die stete Belastbarkeitssteigerung von Körper und Geist. -sam-

TLV-Projekt High Five Teil I