Erfurt: Pepe Krause ist Mister Cool

Er selbst hatte mit diesen Erfolgen wohl am wenigsten gerechnet. Pepe Krause stand bei den Thüringer Hallenmeisterschaften völlig perplex im Zielbereich. Soeben hatte er die 60 Meter in der U20 gewonnen, obwohl er dem deutlich jüngeren U18-Jahrgang angehört. Eine Woche zuvor wurde er in seiner Altersklassenwertung Zweiter hinter dem Jenaer Mika Dedekind. Das größte Geschenk machte er sich über 200 Meter.

Erst zwei Mal war Pepe Krause (1. SV Gera) bis zu seinem Start bei den Hallenmeisterschaften (13. Januar) die 200 Meter angegangen, seine Zeit nicht schneller als 23 Sekunden. An diesem Tag drehte er richtig auf und kam in 22,66 Sekunden als Schnellster ins Ziel. Mit dieser Zeit blieb er unter dem Richtwert für die Deutschen Jugend-Hallenmeisterschaften in Dortmund (24./25. Februar). Erfahrungen auf nationalem Parkett durfte er bereits im Sommer sammeln, als er bei den Deutschen U16-Meisterschaften in Stuttgart mit persönlicher Bestzeit von 11,24 Sekunden sensationell Zweiter über 100 Meter wurde.

Dort bewies er bereits, dass er eine richtig „coole Socke“ ist, wie sein Trainer Steven König verrät. „An dem Wettkampfwochenende fand nebenan ein Musikfestival statt. Von der Technomusik hat er sich überhaupt nicht ablenken lassen. Ich habe ihn nach seinem Wettkampf gefragt, ob er davon etwas mitbekommen hat. Er sagte mir, nein. Er war extrem fokussiert.“ Lediglich im Startblock sei Pepe Krause für einen kleinen Moment unsicher, sagt sich dann aber: „Du kannst das, bleib einfach cool. Das ist auch das Beste.“

Der Start als Baustelle

Und das gelingt ihm nicht nur über 100 und 200 Metern, sondern auch über 60 Meter. Seine zwei schnellsten Zeiten lief er zuletzt unter dem Hallendach in Erfurt. Mit 7,18 Sekunden blieb er dabei nur knapp über der DM-Norm für Dortmund, gefordert sind 7,15 Sekunden. „Mit der Zeit bin ich sehr zufrieden. Ich bin dem Wettkampf in der U20 gestartet, obwohl ich mich erst im ersten U18-Jahr befinde. Ich war vom Titel schon sehr überrascht.“ Von der Zeit ist sogar noch ein bisschen mehr drin, wenn der Start mal richtig funktioniert. „Er war schon besser als die letzten Male. Daran haben wir auch im Vorfeld nochmal gearbeitet, dass ich gut aus dem Startblock komme“, berichtet Pepe Krause.

An dieser Baustelle werkelte er mit seinem Geraer Heimtrainer Steven König und Tobias Groenewold in Jena. Die Trainingsintensität hat sich auf vier bis fünf Einheiten in der Woche erhöht, was ebenfalls zur Leistungssteigerung beigetragen hat. Allerdings kommen die Zeiten für die beiden Trainer nicht ganz so überraschend. „Das hat sich bei ihm angedeutet, als er im vergangenen Jahr in Sömmerda eine Zeit von 23,17 Sekunden über 200 Meter gerannt ist. Das war schon ziemlich stark“, berichtet Tobias Groenewold, der mit ihm ein bis zwei Mal die Woche in Jena trainiert und zuletzt verstärkt den Start in den Fokus rückte. „Er kommt zu flach mit seinem Oberkörper aus dem Block, er läuft sehr waagerecht und hat zu viel Vorlage. Das haben wir versucht zu korrigieren.“

Nichts zu verlieren

Wenn er den Start richtig trifft, dann trauen ihm seine Trainer eine Zeit von 7,10 Sekunden zu. Eventuell bei den Mitteldeutschen Hallenmeisterschaften in Erfurt (3. Februar), wo ein Doppelstart über 60 und 200 Meter ansteht. Nach den vergangenen sehr erfolgreichen Wochenenden möchte er an diese Leistungen weiter anknüpfen. „Pepe ist ein freundlicher, hilfsbereiter, wissbegieriger wie sehr ehrgeiziger und zielstrebiger Athlet“, beschreibt ihn sein Heimtrainer. „Es war ein Prozess bis er zielstrebig geworden ist. Er hat jetzt einfach Blut geleckt“, korrigiert Tobias Groenewold seinen Trainerkollegen augenzwinkernd.

Pepe Krause sorgt auf jeden Fall für viel Freude. Momentan ist ein Start bei der Jugend-Hallen-DM (U20) fix, nämlich der über 200 Meter. Der Fokus liegt vorerst auf dieser Strecke. Wenn er eine gute Bahn bekommt, dann kann es für ihn möglicherweise nochmals schneller werden. Viel wichtiger ist, dass er bei dieser nationalen Meisterschaft wichtige Erfahrungen für kommende DM-Auftritte sammelt. Schließlich rennt er dort gegen zwei bis drei Jahre ältere Athleten. Betreut wird er in Dortmund von TLV-Stützpunkttrainer Block Sprint Tobias Schneider. Eins ist sicher, Pepe Krause hat gegen die ältere Konkurrenz nichts zu verlieren und wird mit Sicherheit erneut cool bleiben. -sam-