Erst Eisschnellläuferin, jetzt Läuferin: Erst im Frühjahr vollzog Gloria Herold diesen Wechsel – der sich für die „Wahl“-Erfurterin richtig anfühlte. Bis zu ihrem Wechsel glitt die Erfurter Sportschülerin als Eisschnellläuferin über das Eis. Enrico Aßmus als Landestrainer Lauf in Erfurt wurde bereits bei einem früheren Leichtathletiktest auf sie aufmerksam. Im September dann ihr bisher größte Erfolg: deutsche U18-Meisterin im 10 Kilometer Straßenlauf in Siegburg. Sowie im November die Berufung in den Bundeskader NK 1 des Deutschen Leichtathletik-Verbandes.
Ihre Geschichte beginnt in Werdau, eine Kreisstadt mit rund 20.000 Einwohnern im Landkreis Zwickau. Hier wächst Gloria Herold mit ihrer Zwillingsschwester Hailey sowie zwei weiteren älteren Geschwistern auf. Sie alle haben bereits vor ihr zum Eisschnelllaufen gefunden. „Meine Mama meinte, ich solle mit meiner Schwester das doch auch mal ausprobieren“, berichtet Gloria Herold, die zum Training in die Eishalle nach Crimmitschau fuhren. „Ich bin da durch meine älteren Geschwister einfach reingewachsen. Angefangen habe ich mit zwei Jahren, also sehr früh.“
Von München zur Probewoche der Leichtathleten
Vor zwei Jahren dann der Wechsel nach Erfurt an das Sportgymnasium. Dafür verließ sie die Heimat, die Familie und die Freunde. Auf dem Eis waren es vor allem die längeren Distanzen, die sie mit voller Hingabe lief. Besonders angetan haben es ihr die 3.000 Meter. „Ich habe die kurzen Strecken nicht gefühlt, da bin ich nicht richtig reingekommen.“ Doch das sollte für ihren Verbleib am Sportgymnasium nicht reichen. „Es gibt sogenannte Verbleibekriterien über die Kurz- und Langdistanz. Ich hatte dafür vier Strecken zur Auswahl. Davon sollte ich jeweils eine laufen. Entweder 500 oder 1.000 Meter im Sprint und 1.500 oder 3.000 Meter über die längere Strecke. Das waren die Anforderungen“, erklärt die 16-Jährige das Prozedere. Sie schaffte nur die Vorgabe über die Langdistanz.
Damit wäre für sie das Kapitel Erfurt und Sportgymnasium in diesem Frühjahr erledigt gewesen. Wäre. Denn Landestrainer Lauf Enrico Aßmus wusste um die sportlichen Qualitäten einer Gloria Herold. Vor ihrer Aufnahme an die Sportschule absolvierte sie bereits einen Leichtathletiktest, der Eindruck hinterließ. Nun ergriff er die Chance, es gab gute Gespräche mit ihrem Eisschnelllauftrainer Andreas Behr, so dass sie relativ schnell nach ihrem letzten Wettkampf im März eine Probewoche in der Leichtathletik organisiert bekam. „Ich war Sonntag noch in München, am Dienstag ging die Probewoche schon los“, berichtet sie und zeigt sich angetan, ob der Alternative. „Mir hat es sehr gut gefallen. Natürlich war es anfangs sehr anstrengend, weil ich die Belastungen mit dem Laufen nicht gewöhnt war, aber es hat Spaß gemacht.“
Goldener Sommer-Abschluss
Es folgte im Frühjahr der radikale Schnitt. Die Kufenflitzer tauschte sie gegen Laufschuhe ein. Einerseits zeigte sie sich über diesen Schritt erleichtert, anderseits war sie sehr traurig dieses erste sportliche Kapitel schließen zu müssen. „Natürlich tut es weh, es hat mich schon sehr mitgenommen, weil ich mich im Eisschnelllaufen nicht als schlecht angesehen habe. Ich habe 2022 den deutschen Vize-Meistertitel mitgenommen.“ Es gab aber auch die andere Seite. „Ich habe mich in den zwei Jahren auf dem Eis bei den ganzen Wettkämpfen nur noch gestresst gefühlt.“ Dieser fiel mit dem Wechsel zum Laufen scheinbar gänzlich ab. Bei den Deutschen Meisterschaften im Straßenlauf in Siegburg „habe ich mich erstmals frei gefühlt und bin ohne Druck gelaufen“.
Trotz des sehr anspruchsvollen Kurses meisterte sie die 10 Kilometer mit Bravour, sie sicherte sich in der U18-Wertung den deutschen Meistertitel. „Mit dem Titel habe ich überhaupt nicht gerechnet, er kam schon sehr überraschend für mich. Obwohl mein Trainer meinte, ich hätte eine Medaillenchance, und meine Schwester meinte auch, vielleicht wird es was“, sagt Gloria Herold (Erfurter LAC), die im Ziel noch gar nicht wusste, auf welchem Platz sie lag. Umso größer dann die Freude nach Bekanntwerden der Platzierung. Mit diesem Titelgewinn verabschiedete sie sich golden aus ihrer ersten Sommersaison als Leichtathletin. „Für mich war es ein goldener Schlusspunkt aus meinem letzten U18-Jahr. Zugleich hoffe ich, dass es auch ein goldener Auftakt für die anstehende Crosssaison ist.“
Diese hat bereits begonnen. Ein noch unbekanntes Terrain für die ehemalige Wintersportlerin. Doch auch diese Herausforderung will sie angehen und meistern. „Ich freue mich total darauf, Cross laufen zu dürfen. Es wird anspruchsvoller.“ Nach nun etwas mehr als einem halben Jahr fühlt sie sich mehr als angekommen in der Leichtathletik. Erleichtert haben ihr den Schritt das Trainergespann Enrico Aßmus und Nils Schumann sowie die Trainingsgruppe. „Herr Aßmus hat immer wieder nachgefragt, wie es mir geht und ob es für den Anfang nicht zu viel ist“, berichtet Gloria Herold, die von Anfang an voll integriert wurde. Sowohl in das erste Trainingslager in Zinnowitz wie in die ersten Wettkämpfe – regional wie national.
Umso länger die Strecke desto besser
Erstmals national startete sie über 3.000 Meter bei den Deutschen U18-Meisterschaften. „Das ist schon etwas anders, wenn du in diesem großen wie neuen Stadion von Bochum-Wattenscheid stehst und deine ersten Deutschen Meisterschaften in der Leichtathletik bevorstehen.“ Scheinbar unbeeindruckt lief sie in neuer Bestzeit von 10:04,50 Minuten auf den fünften Platz. Noch erfolgreicher ihr Start bei der DM-Straßenlauf über 10 Kilometer. „Die 3.000 Meter fühlen sich für mich eher an wie ein Sprint. Je länger die Strecke desto besser. Ich bin einfach ein Ausdauertyp“, meint Gloria Herold, die sogar schon drei Mal einen Halbmarathon gelaufen ist. Ihren letzten bei der Langen Laufnacht in Erfurt – und das nur wenige Tage vor ihrem DM-Start in Siegburg. Einen Marathon zu laufen, das könnte sie sich ebenfalls vorstellen. Ein Ziel, dass sie gern in den nächsten zwei Jahren angreifen möchte – wenn es denn zeitlich passt.
Jetzt stehen erstmal die Crossläufe im Mittelpunkt. Ab Januar dann die Hallensaison. Die Vorfreude könnte größer, auf alles was jetzt kommt, nicht sein. „Ich freue mich wahnsinnig auf die neue Saison, gesund dort an den Start zu gehen, jeden Wettkampf mitzunehmen und neue Leute kennenzulernen. Ich bin einfach dankbar dafür, meinen sportlichen Weg mit und in der Leichtathletik weitergehen zu können.“ Noch dazu mit reichlich Rückenwind. Sie wurde nämlich Anfang November in den Bundeskader NK1 über 5.000 Meter des Deutschen Leichtathletik-Verbandes berufen. Das neue Kapitel hat sie wahrhaftig mit offenen Armen empfangen.




