Erfurt: Laura Rook und die Rückkehr an einen vertrauten Ort

Hier ist alles so vertraut: Für Laura Rook sind die Räume des Erfurter Sportgymnasiums ein Ort zwischen Vergangenheit und Gegenwart. „Hier hat sich kaum etwas verändert“, sagt sie schmunzelnd. Vor sieben Jahren legte die 27-Jährige an der Sportschule ihr Abitur ab. Sie studierte Lehramt und kehrte im Sommer als Lehrertrainerin für Biologie und Allgemeinen Sport an diesen für sie sehr vertrauten Ort zurück – und erinnert sich mit ihren Schülerinnen und Schülern gern an ihre eigene Schulzeit zurück.

Wenngleich es bei der einstigen Langhürdlerin auf den ersten Blick nicht mit einer Laufbahn an einer Sportschule klappen sollte. Zuerst führte sie ihr Weg zur siebten Klasse ans Jenaer Sportgymnasium. Der eingeschlagene Weg kam für die junge Athletin allerdings zu früh. Sie kehrte der Sportschule nach anderthalb Jahren wieder den Rücken und ging zurück in die Heimat. Die sportliche Karriere war damit längst nicht beendet. Sie wollte dem System Sportschule zu einem späteren Zeitpunkt eine zweite Chance geben. Die Wahl fiel dann auf Erfurt, sie wechselte zur elften Klasse. Der zweite Anlauf hatte Erfolg. Und Erfurt blieb in ihrem Herzen.

Rückkehr nach sieben Jahr an die Erfurter Sportschule

Nach sieben Jahren steht sie plötzlich genau in jenem Raum, in dem sie damals in einer der Stuhlreihen saß. So wie ihre Schülerinnen und Schüler heute. Nur mit dem Unterschied, sie steht jetzt vor ihren Schülerinnen und Schülern - als Biologielehrerin. „Für mich war es im ersten Moment schon ein bisschen ungewohnt. Aber von den Schülerinnen und Schülern sowie den Kolleginnen und Kollegen wurde ich vom ersten Tagen an mit offenen Armen empfangen. Das war alles sehr herzlich.“ Eine eigene Klasse hat sie selbst noch nicht. Im ersten Jahr sollen „die Neuen“ an der Schule erstmal ankommen. „Im Normalfall dürfte es mich zum neuen Schuljahr erwischen, dass ich eine eigene Klasse bekomme.“

Ihre einstige Biolehrerin ebnete ihr den Weg für ihre heutige Schullaufbahn. „Ich hatte eine ganz tolle Biolehrerin, sie unterrichtet heute noch an der Sportschule. Sie hat in mir die Faszination für dieses Fach geweckt.“ Studiert hat Laura Rook Gymnasiallehramt in Marburg. Wenngleich sie dafür auch in Thüringen hätte bleiben können. Das wiederum wollte sie nicht. „Durch die vielen Wettkämpfe als Athletin kannte ich mich in Mitteldeutschland recht gut aus. Als junger Mensch will man dann auch einfach mal raus, etwas neues sehen. Ich war fünf Jahre in Marburg“, berichtet Laura Rook. Abschließend folgte ihr anderthalbjähriges Referendariat in Chemnitz.

Sieben Jahre fernab der Thüringer Heimat. Einfach mal raus aus dem gewohnten Umfeld. Die Verbindung zu ihrer alten Schule und die Kontakte rissen aber nie gänzlich ab. Sie schrieb gelegentlich mal mit ihrer alten Klassenlehrerin und sah ihre alten Trainer Alexander Fromm oder Regelschulkoordinator und Wettkampfsprecher Andreas Möckel zwei- bis dreimal im Jahr bei Wettkämpfen wieder.

Lockdown verhindert Präsenzunterricht

Schon während ihrer Schulzeit leitete sie eine eigene Trainingsgruppe in ihrem Heimatverein LSV Schmölln und führte die Arbeit als Studentin zeitweise fort. „Bei unseren Wiedersehen kam natürlich immer die Frage, wann ich mit meinem Studium fertig bin. Für das Referendariat hatte es mit einer Stelle in Erfurt noch nicht geklappt. Als ich dann fertig war, habe ich mich nochmals beworben und schließlich hat es dann mit der Lehrerstelle geklappt“, erzählt Laura Rook, die ihre zugeteilten Klassen zuletzt nur via Videokonferenz sah.

Ein ungewohntes wie komisches Gefühl. Zumal sie ihre Schülerinnen und Schüler lieber vor sich sitzen und nicht nur digital zugeschaltet hat. „Man verliert ein Stück weit den Draht zu seinen Schülerinnen und Schülern. Das Persönliche geht auf diesem Weg absolut verloren. In der Schule kommen die Schülerinnen und Schüler zu dir, fragen dich auch mal persönliche Dinge und du kannst ihnen individuell helfen. Das funktioniert digital in einer großen Runde nicht.“

Das Persönliche bleibt auf der Strecke, das Normale bleibt. Sie ist für ihre Schülerinnen und Schüler da, beantwortet Fragen, erstellt Erklärvideos und Arbeitsblätter. Seit Februar sind die Abschlussklassen wieder im Präsenzunterricht in der Schule und seit Anfang März sind auch die Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe zeitweise im Präsenzunterricht zu beschulen. „Es ist ein schönes Gefühl, die Schülerinnen und Schüler endlich mal wieder von Angesicht zu Angesicht unterrichten zu können.“

Das Leichtathletik-Gen der Familie Rook

Zugleich ist sie eine sehr engagierte Trainerin. Dies wiederum kommt nicht von ungefähr. Sie bekam es sprichwörtlich in die Wiege gelegt, Der Opa leitete eine Leichtathletik-Abteilung in einem großen Thüringer Verein, ihre Oma eine Trainingsgruppe. Ihre Eltern lernten sich bei einem Leichtathletiktraining kennen und stiegen später ebenfalls in das Trainergeschehen mit ein. Mit dem Umzug nach Schmölln fingen ihre Eltern als Übungsleiter beim TuS Schmölln an. Später gründeten sie den LSV Schmölln, wo Laura Rook auch heute noch Mitglied ist.

„Das ist wirklich ein Familiending“, sagt Laura Rook, die wie ihre jüngere Schwester auf dem Sportplatz groß geworden ist. Sie entwickelte sich in jungen Jahren zur Langsprinterin (U16). „Sprinten ging ganz gut und Ausdauer war okay, also war der Langsprint für mich die logische Konsequenz. Ich habe mich aber besonders auf der Hürdenstrecke wohlgefühlt. Ich brauchte immer Ziele. Bei mir waren es die einzelnen Hürden. Auf dieser Strecke musst du dich unheimlich quälen. Jeder hat seine eigene Bahn, du läufst für dich alleine. Das war meins.“ Drei Mal schaffte sie es zu Deutschen Jugendmeisterschaften, sie platzierte sich meist im Mittelfeld.

Keine Leistungssportlerin, aber Lehrertrainerin

Irgendwann war ihr klar, sie schafft es nicht bis ganz nach oben. Eine Leistungssportlaufbahn war in diesem Moment passé. Eine andere nicht. Sie ging in sich, überlegte und fand in der Kombination aus Lehrerin und Trainerin die perfekte Mischung. Das Gesamtpaket kommt seit sieben Monaten an der Erfurter Sportschule zum Tragen. Zudem arbeitet sie beim Thüringer Leichtathletik Verband als Honorartrainerin mit den Schülerinnen und Schülern der siebten wie achten Klasse. Gemeinsam mit Steffen Droske und Tobias Schrock. „Du versuchst andere Athletinnen und Athleten besser zu machen. Das ist nochmal aufregender, als selbst Sportler zu sein.“ Sie hat ihren Weg gefunden.

Ihr Tag ist schon recht gut ausgefüllt. Weitere Hobbies? „Die Leichtathletik ist schon das Wichtigste und bei uns Zuhause das Gesprächsthema Nummer eins“, sagt Laura Rook. Außerdem fieberte sie an den vergangenen Wintersport-Wochenenden gehörig am Fernseher mit. Daumendrücken für einen Athleten: den ehemaligen Dreispringer Marcel Kornhardt, der als Anschieber für Bobpilot Hans-Peter Hannighofer aktiv ist. „Ich habe mit Marcel die Schulbank gedrückt. Das ist schon ziemlich cool, ihn jetzt im Bob und sogar im Weltcup zu sehen.“ In diesem Augenblick wird die Sportschule für sie wieder zu einem Ort der Vergangenheit. -sam-

Vorstellungsvideo II Beitrag Tobias Schrock

Aktion: Gemeinsam bewegen mit Laura Rook und Benedikt Wallstein