Erfurt: Fühlt sich wie Fliegen an

Manchmal ist es so einfach: Hab einfach Spaß, an dem, was du tust. Was in Worten so simpel klingen mag, ist gerade im Leistungssport nicht immer einfach. Und dann gibt es diese Momente, wo diese Worte einen tragen. Wo man unbeschwert und locker in den Wettkampf geht, Lust verspürt und keinen Druck. Ein Gefühl der absoluten Vorfreude umgab Benedikt Wallstein vor seinem ersten Hallenstart über 200 Meter. „Sie fühlen sich einfach richtig geil“, sagte er nach seinem Premieren-Rennen, das er mit einer fabelhaften Zeit und neuer deutscher U18-Hallen-Bestleistung beendete.

Bisher war der 16-Jährige die 200 Meter erst einmal gerannt. Im Sommer, in Osterode. Und da auch nur aus dem Training heraus. Jetzt stand sie erstmals in der Hallensaison auf dem Plan. Noch am Freitag hat er mit seinem Trainer Tobias Schneider einige Startübungen gemacht. „Das war sehr wichtig für mich, um überhaupt ein Gefühl dafür zu bekommen. Ich bin ja noch keine 200 Meter in der Halle gelaufen“, erklärte Benedikt Wallstein. Am Wettkampftag zündete er den Turbo und trommelte eine Zeit auf die Bahn, die für eine ganz besondere Stimmung sorgte. Sprachlose Gesichter, wohin man schaute. Auf der Anzeige leuchtete eine Zeit auf, die so unwirklich schien, aber der Wirklichkeit entsprach. Es waren 21,26 Sekunden!

Unerwartet schön

Diese Leistung kam einfach unerwartet, keine hatte diese schnelle Zeit kommen sehen. Nichts deutete darauf hin. Umso größer war die Überraschung. Auch für seinen Trainer Tobias Schneider, der nach Worten rang, um diese Leistung entsprechend einzuordnen: „Es ist einfach unglaublich. Ich hatte mir schon gedacht, dass er mit einer Zeit unter 22 Sekunden startet, aber so deutlich, dass kam mehr als unerwartet. Mit dieser Leistung hat er eine absolute Duftmarke in Richtung Konkurrenz gesetzt. Es zeigt aber auch, dass das System, was wir hier trainieren, nicht das Schlechteste ist. Diese Leistungen machen mich auch stolz. Das ist wirklich ein toller Lichtblick.“

Völlig ausgepumpt lag sein Schützling im Zielbereich und schnappte nach Luft. Während um ihn herum die Athleten, Trainer und Betreuer klatschten. Langsam entspannten sich seine Gesichtszüge und er genoss den Augenblick. Aus den Lautsprecherboxen tönte: „Oh, wie ist das schön“, dabei nahm Benedikt Wallstein zahlreiche Glückwünsche und einige Schulterklopfer entgegen. „Die 200 Meter haben sich richtig gut angefühlt, aber die letzten Meter waren echt die Hölle. Es war trotzdem so ein geiles Gefühl gewesen, wenn du aus der Kurve mit langen Schritten runterläufst und es dich in den Boden reindrückt“, beschreibt er den extremen Moment seines ersten Hallenrennens über 200 Meter. Vielleicht fühlte es sich in diesem Moment auch wie Fliegen an.

Kein perfekter erster Paukenschlag

Für diesen Augenblick hatte er sogar auf das Finale über 60 Meter und den Endkampf im Weitsprung verzichtet. Mit seiner Vorlaufzeit über 60 Meter (6,90 sec) bestätigte er nochmals seine Auftaktzeiten aus der Vorwoche, wo er bereits mit 6,88 Sekunden auf sich aufmerksam machte. Ebenso wie im Weitsprung, als zum Saisonauftakt gleich im ersten Versuch eine Weite von 7,43 Meter im Protokoll stand. „Das Ziel für die Hallensaison war eigentlich eine Weite um die 7,30 Meter. Dabei waren die 7,43 Meter noch nicht einmal perfekt. Ich bin zu flach gesprungen“, gab er zu Protokoll.

In seinem zweiten Wettkampf des Jahres war der Dritte mit 7,21 Metern der beste Sprung. „Es hat sich ein wenig angedeutet, dass es an diesem Tag keine neue Bestleistung geben wird. Ich merke das schon beim Einspringen, wenn ich bei der Anlaufkontrolle hinter dem Brett bin, dann wird es ein guter Wettkampf. Jetzt war der Fuß vor dem Brett.“ Alle Versuche machte er aus dem vollen Anlauf, heißt 19 Schritte, heraus. Schon im Sommer hatten sie von 16 auf 19 Schritten umgestellt.

Nach zwei Wettkampf-Wochenenden hat er jetzt erstmal frei, bevor er am 30. Januar bei den Mitteldeutschen Hallenmeisterschaften in Halle/Saale über 60 Meter starten wird. Nur zwei Tage später wird ihm eine ausgesprochen schöne Ehre zuteil, er steht auf der Meldeliste für das Erfurt Indoor (1. Februar) im Weitsprung. Diese freudige Nachricht erreichte ihn schon im Dezember. „Mein Trainer fragte mich, ob ich starten möchte. Die Einladung war wie ein vorgezogenes Weihnachtsgeschenk, worüber ich mich sehr gefreut habe. Außerdem sehe ich sie auch als Anerkennung für uns junge Sportler.“ Diesem Höhepunkt nicht genug, kreisen die Gedanken bereits über den Starts bei den Deutschen Jugend-Hallenmeisterschaften in Sindelfingen (19./20. Februar). Und wer weiß, vielleicht machen sie dort aus der Not einfach eine Tugend. -sam-

Interview der Woche/La.de