Erfurt: Eine glückliche Fügung

Das Landesfinale „Jugend trainiert für Olympia“ in Ohrdruf wurde für Johannes Fleischer einst zum Sprungbrett. TLV-Sichtungstrainer Steffen Droske und Tobias Schneider als Sprint-Stützpunktrainer in Erfurt entdeckten ihn vor gut drei Jahren bei diesem Format. Es folgte der Wechsel ans Erfurter Sportgymnasium sowie eine stetige Steigerung seiner Leistung über 100 und 200 Meter.

Inmitten des südlichen Thüringer Waldes liegt Lauscha, weltbekannt für seine Glaskunst. Der Christbaumschmuck eroberte von hier aus die Welt. Von Lauscha in die Welt: Das gilt ebenso für einige aktive wie ehemalige Wintersportler wie die Skispringer Danny Queck und Pauline Heßler. Als Sportler die Welt entdecken, davon träumt auch Johannes Fleischer (Erfurter LAC). Aber nicht als Wintersportler. Er ist Lauschaer, besuchte bis vor zwei Jahren noch das Gymnasium in Neuhaus am Rennweg. Bis ein sportlicher Auftritt beim Landesfinale „Jugend trainiert für Olympia“ in Ohrdruf für ihn zum sportlichen Sprungbrett wurde. Ganz zufällig, ganz unverhofft.

Eine Zufallsbegegnung

Es sollte einfach so kommen: Johannes Fleischer steckte in der Woche, in der das Landesfinale stattfand, mitten im Praktikum in Kulmbach. Für den Start mit seiner Mannschaft unterbrach er es für einen Tag. „Das war die beste Entscheidung, die ich treffen konnte. Es war wirklich ein glücklicher Zufall, dass ich mich entschieden habe, daran teilzunehmen“, berichtet der 18-Jährige von dieser glücklichen Fügung, als ihn an diesem Finaltag TLV-Sichtungstrainer Steffen Droske und Tobias Schneider als Sprint-Stützpunkttrainer ansprachen.

Johannes Fleischer war an diesem Tag der Schnellste über 75 Meter. Mit seiner Leistung lief er sich ins Blickfeld der beiden Trainer. „Sie kamen mit der Idee zu mir, ich sollte in Erfurt an einem Probetraining teilnehmen. Das kam für mich zu diesem Zeitpunkt völlig überraschend“, erinnert er sich zurück. Die Idee wurde schnell in die Tat umgesetzt. Die Trainer waren begeistert, Johannes Fleischer ebenso. Bis es aber zum Wechsel ans Erfurter Sportgymnasium kam, verging noch ein Jahr. „Ich habe in diesem Jahr bei uns Zuhause nach den Trainingsplänen aus Erfurt trainiert und bin dann zu Beginn der 11. Klasse nach Erfurt gewechselt.“ Im nächsten Jahr folgt bereits das Abitur. Als Leichtathlet.

Ein spezielles Geburtstagsgeschenk

Begonnen hat er als Vierjähriger mit einem runden Leder, er spielte im Verein. Wurde er eingesetzt, dann auf der Position des Verteidigers. „Es hat sich schon gezeigt, dass ich schneller bin als die Gegner.“ Parallel zum Fußball schlug er den Weg des Leichtathleten ein. Dafür sorgte ein nicht alltägliches Geburtstagsgeschenk. „Ich habe mir Spikes gewünscht. Meine Eltern meinten daraufhin, dass das nur Sinn macht, wenn ich auch in einem Leichtathletikverein aktiv bin. Ich bin dann mittwochs nach Sonneberg zum Training gefahren. Das war nur drei Mal. Auf dem Programm stand weniger sprintspezifisches eher Weitsprung“, erzählt Johannes Fleischer von seinen Anfängen und führt weiter aus: „Die Schnelligkeit war vorher schon da, sie kam mit der 8./9. Klasse als ich gewachsen bin und mich entwickelt habe.“ Sein Start beim Landesfinale „Jugend trainiert für Olympia“ läutete überraschend eine sportliche Wende ein. Der Fußball rückte immer mehr in den Hintergrund, bis er mit dem Wechsel auf das Sportgymnasium ganz an Bedeutung verlor.

„Meine Eltern haben mich in meiner Entscheidung bestärkt und unterstützt. Sie stehen 100 Prozent hinter mir. Ich habe dann die Chance nach Erfurt zu gehen für mich ergriffen und bis heute nicht bereut. Der Wechsel kam zwar sehr spät, aber er hat sich definitiv gelohnt“, betont Johannes Fleischer. Das Paket stimmt. Das beinhaltet nämlich eine starke Trainingsgruppe um den Sprint-Vizemeister Julian Wagner, Luis Brandner (alle LC Top Team Thüringen), Benedikt Wallstein (Gothaer LAC), Friedrich Dietz (Erfurter LAC) sowie die Springer Valentin Brenner und Marie Herre (alle LC Top Team Thüringen). Betreut durch Tobias Schneider.

Starke Trainingsgruppe beflügelt

Angesichts der Trainingsgruppe ist eine gesunde Konkurrenzsituation entstanden, die gegenseitig beflügelt und sich anspornt. Als U18-Athlet startete Benedikt Wallstein im Sommer ausschließlich in den U20-Konkurrenzen und traf dort auf seine Trainingspartner wie eben Johannes Fleischer. „Wenn man jemanden hat, der um einiges schneller ist, hat man auch den Ehrgeiz mitzuhalten und sich dran zu heften“, sagt Johannes Fleischer, der in diesem Sommer seine Bestzeiten auf starke 10,70 und 22,14 Sekunden verbesserte. Im Winter warf ihn eine Corona-Erkrankung ordentlich aus der Bahn, wodurch er nur langsam den Schritt zurück ins Training fand und sich an das alte Niveau herantastete.

Eine Szene bleibt aus dem bisherigen Sommer besonders im Kopf: Im Vorlauf bei der Sparkassen-Gala in Regensburg saßen er und Julian Wagner direkt nebeneinander im Block. „Jeder von uns hat vor seinem Start sein eigenes Ding gemacht, aber ich fand es schon cool, dass er neben mir gestartet ist und wir zusammengelaufen sind.“ Reserven sieht Johannes Fleischer vor allem beim Start. Dieser sei noch zu wechselhaft. „Ich konnte zwar schon einige Dinge verbessern, aber ich bleibe noch relativ lange unten. Außerdem muss ich lockerer laufen.“ Für ihn steht der Saisonhöhepunkt kurz bevor. Bei der Jugend-DM in Ulm (15. bis 17. Juli) ist das Ziel eine Medaille. Über 200 Meter hofft er auf eine Zeit unter 22 Sekunden. „Das ist das große Ziel. Alles andere wäre für mich Bonus“, blickt er voraus. Johannes Fleischer lässt sich gern weiter überraschen. So wie einst vor knapp drei Jahren, als er beim JTFO-Landesfinale gesichtet wurde. -sam-

Einschätzung Trainer Tobias Schneider:

"Johannes war ein kleiner Glücksfall, als wir ihn mit Sichtungstrainer Steffen Droske vor 2,5 Jahren beim Landesfinale Jugend trainiert für Olympia entdeckt und angesprochen haben. Da ging sein leistungssportlicher Weg konsequent los, welcher im Moment bei 10,70 Sekunden über 100 Meter steht. Für einen Quereinsteiger, ohne leichtathletische Wurzeln eine starke Entwicklung. Leider konnte er damals nicht direkt zum Sportgymnasium wechseln, weil seine Klassenstufe voll war. Ich erinnere mich noch gut, dass ich oft beim ihm in Lauscha bzw. Neuhaus am Rennweg war und wir in der Schulturnhalle trainierten. Ein Jahr mit Ferntraining und pendeln zwischen Lauscha und Erfurt hat aber gut geklappt. Inzwischen ist er voll in Erfurt am Bundestützpunkt angekommen und hat sich stets weiterentwickelt. Ein tolles Highlight war der 6. Platz über 100 Meter bei den Deutschen Jugendmeisterschaften 2021, da wollen wir diesen Sommer anknüpfen. Seine Leistungsentwicklung verläuft sehr positiv, eine Zeit unter 10,70 Sekunden wäre ein super Ding in seinem ersten A-Jugend Jahr. Johannes ist aber nur der Typ für die 100 Meter, 200 Meter sind ihm da schon zu lang. Aber trotzdem ist er mit seiner lustigen Art eine schöne Bereicherung für die Trainingsgruppe und ich bin froh, dass wir ihn damals gesichtet haben."