Erfurt: Ein Fünkchen Hoffnung

WM-Tickets hart umkämpft: Bei den Deutschen Meisterschaften im Straßengehen in Frankfurt erfüllte Karl Junghannß als Dritter über 35 Kilometer die WM-Norm für Eugene (USA; 15. bis 24. Juli). Anstatt sich zu freuen, zeigte sich der 26-Jährigen extrem enttäuscht. Haben sich doch seine Chancen auf einen WM-Start über die „neue Strecke“ mit dieser Platzierung extrem verringert. Eine kleine Hoffnung besteht noch über die kürzere 20-Kilometer-Distanz, wo er Ende Mai im spanischen La Coruna seinen Startplatz für die Weltmeisterschaften in Eugene (USA; 15. bis 24. Juli) absichern möchte.

„Ich bin durchweg unzufrieden. Durch das Nominierungssystem bringt mir der dritte Platz mit der WM-Norm gar nichts. Ich hätte Erster oder Zweiter werden müssen“, machte er seinen Unmut Luft. Die Hoffnung auf einen WM-Startplatz ist für Karl Junghannß (LC Top Team Thüringen) nach den nationalen Meisterschaften in weite Ferne gerückt. Durch Jonathan Hilberts Olympiamedaille über 50 Kilometer war ein internationaler Startplatz für die 35 Kilometer bereits vergeben. Mit Carl Dohmann (SCL Heel Baden-Baden) und Nathaniel Seiler (TV Bühlertal) hatten zwei weitere Athleten die Norm aufgrund ihrer Leistungen über 50 Kilometer im vergangenen Jahr bereits erfüllt. Karl Junghannß brauchte wie Christopher Linke (SC Potsdam) noch die Norm.

Die Marschroute für Frankfurt war klar: gemeinsam die Norm angreifen. Wie auch die WM-Startplätze. Die ersten Kilometer war es ein Nebeneinander. Irgendwann forcierte Christopher Linke das Tempo und ging sein eigenes Rennen, das der Olympia-Fünfte von Tokio in neuer deutscher Rekordzeit mit deutschem Meistertitel beendete. Bei Karl Junghannß verflog die Klarheit von Runde zu Runde. „Ich habe einfach meinen Rhythmus nicht gefunden. Ich habe mich nicht schlecht gefühlt, aber mental war ich an diesem Tag einfach nicht stark genug und habe mich zu sehr ablenken lassen“, analysierte er sein Rennen. Körperlich fühlte er sich stark. Ab Kilometer 25 ging er Seite an Seite mit Carl Dohmann, einem Konkurrenten um den nun dritten WM-Startplatz über 35 Kilometer.

Selbstkritische Töne und Optimismus

„Zwischendurch habe ich mich optimistisch gefühlt und war fest davon überzeugt, dass ich auf den letzten drei Kilometern einen guten Endspurt hinlegen kann. Das gelang mir nicht“, ärgerte sich Karl Junghannß. Stattdessen nutzte Carl Dohmann die Chance und kam als Zweiter mit erfüllter Norm ins Ziel. „Ich hatte früher die Entscheidung suchen müssen. Aus irgendeinem Grund konnte ich nicht an meine Grenzen gehen“, gab sich der Schmöllner Geher selbstkritisch. Im ersten Moment und auch Tage danach überwog die Enttäuschung über die verpasste WM-Chance. In die selbstkritischen Töne mischte sich auch Optimismus: „Selbst an einem schlechten Tag war ich in der Lage, die WM-Norm zu gehen. Das Training konnte ich gut umsetzen. Alle Zubringerleistungen stimmen. Zurückblickend habe ich drei richtig gute Wettkämpfe (Anmerk. Team-WM Oman, Podebrady und Frankfurt) abgeliefert. “

Final entschieden ist zwar noch nichts über die drei WM-Startplätze, aber Karl Junghannß schätzt seine Chance „eher gering“ ein. Umso wichtiger ist es jetzt, nach vorn zu schauen und die vielen hoffnungsvollen Momente mitzunehmen. Gerade auch nach zuletzt leidvollen Jahren, wo es für ihn in den Wettkämpfen nicht immer gut lief oder er nur einen vernünftig ins Ziel bringen konnte. An den Schwachstellen hat Karl Junghannß gearbeitet. Auch mental. „Ich arbeite seit einem guten dreiviertel Jahr mit einem Mentaltrainer zusammen – und habe seitdem in den Wettkämpfen keine Magenprobleme mehr. Das haben wir gut in den Griff bekommen. Das war noch eines meiner Probleme im vergangenen Jahr. Jetzt gehen wir die nächsten Schritte an.“

Letzte WM-Chance in La Coruna

Ein Fünkchen Hoffnung gibt es aber noch: Im spanischen La Coruna will Karl Junghannß am 28. Mai seinen WM-Startplatz über 20 Kilometer absichern. Im innerdeutschen Ranking liegt er momentan hinter dem Potsdamer Duo Christopher Linke und Nils Brembach mit erfüllter Qualifikationsnorm auf Rang drei. Hoffnung machen sich ebenso Hagen Pohle (SC Posdam) und Leo Köpp (LG Nord Berlin), die die Norm noch brauchen.

Nach dem Wettkampf in La Coruna geht es in die finale Vorbereitungsphase für die Weltmeisterschaften. Dafür schlagen die Geher ihre Zelte für vier Wochen im Höhentrainingslager in Flagstaff (USA) auf. Anschließend geht es per Direktflug nach Eugene. Vier Wochen später folgt schon der zweite internationale Höhepunkt: die Heim-EM in München (15. bis 21. August). Auch dort gibt es pro Strecke drei Startplätze, sie sind ebenfalls heiß umkämpft. Karl Junghannß hat für 35 wie 20 Kilometer die Norm erfüllt. Jetzt heiß es abwarten und fokussiert bleiben. Es folgt schließlich noch das Rennen in La Coruna, am Folgetag ist Nominierungsschluss (29. Mai) – und dann weiß Karl Junghannß sicher, wo und über welche Strecke er starten wird. -sam-