Hindernis-Ass Robin Müller befindet sich auf der Zielgerade. Nicht nur von diesem für ihn sehr erfolgreichen Jahr 2025. Es ist zugleich sein letztes in der Altersklasse U23. Wenn alles so läuft, wie es sich das Trainerteam und er vorstellen, dann stehen bis zum Jahresende noch zwei Rennen im Terminkalender. Zunächst die Deutschen Cross-Meisterschaften in Darmstadt (29./30. November), um sich dort für die Cross-Europameisterschaften in Lagoa (Portugal; 14. Dezember) zu empfehlen.
Zwei internationale Titel kann Robin Müller (LC Top Team Thüringen) in diesem Jahr bereits sein Eigen nennen. Mitte November startete er mehr als erfolgreich bei den Europäischen Polizeimeisterschaften Crosslauf im niederländischen Soest. Der 22-Jährige gewann mit dem deutschen Team den Cross-Titel und ließ ihm Einzel die gesamte Konkurrenz über 10 Kilometer ebenfalls hinter sich. Und das mehr als überraschend. „Ich bin nicht so der Cross-Spezialist“, sagt Robin Müller über sich selbst. Er mag flache wie harte Strecken. Berge und sandige Passagen sind hingehen nicht so seins. Die Strecke in Soest hatte so seine Tücken. Wie eben auch eine sandige Passage.
Sandige Passage als Tücke
Die Führung hatte lange ein Österreicher inne, hinter ihm lauerte bereits die starke deutsche Konkurrenz um den zweifachen Deutschen Meister Florian Bremm (LSC Höchstadt/Aisch), Kurt Lauer (VfL Sindelfingen) und Robin Müller. Auf der letzten Runde ergriff das deutsche Trio die Initiative und übernahm die Führungsarbeit. Und eben jene drei sollten auch den Titel unter sich ausmachen. Nur in welcher Reihenfolge? Auf den letzten 300 Metern befand sich der tiefe, sandige Abschnitt. „Überholen war an dieser Stelle eher schwierig. Dann habe ich innerlich zu mir gesagt, du musst vor dieser Stelle ganz vorn sein und schon Tempo aufbauen“, berichtet der Schleizer. Selbst nach dieser Passage spürte er die beiden Deutschen immer noch in seinem Nacken. „Ich wusste, ich bin in einer guten Form.“ Er kämpfte sich durch und ließ Florian Bremm und Kurt Lauer in einen knappen Finish hinter sich.
„In dem Moment musst du dich auf dich selbst konzentrieren und die großen Namen ausblenden, um einfach das Beste aus dir rauszuholen und den Lauf so gut wie möglich ins Ziel zu bringen“, betont Robin Müller, der sich mit seinen Vorleistungen für einen EM-Platz empfahl. Normalerweise werden alle Athleten ohne Förderung zu einem Sichtungslehrgang eingeladen. Aus anderen terminlichen Gründen war dies Robin Müller nicht möglich. Wie dominant die deutsche Mannschaft bei dieser Polizei-EM auftrat, zeigt, dass die schlechteste Platzierung eines deutschen Läufers der 18. Platz bei 99 Teilnehmern war.
Zwei nationale Titel
Zu diesen zwei internationalen Titeln gesellten sich für Robin Müller noch weitere auf nationalem Parkett hinzu. Herausragend sein Saisoneinstieg über 10.000 Meter, wo er sich auf der Bahn den U23-Titel sicherte. Bei der Straßenlauf-DM in Siegburg folgte über 10 Kilometer der zweite deutsche Meistertitel. Auf seiner Paradestrecke über die Hindernisse musste er sich bei der U23-DM in Ulm nur Silas Zahlten (LG Brillux Münster) geschlagen geben. Bei den Aktiven in Dresden kam er als Vierter in Ziel. Eine neue Bestzeit über 3.000 Meter Hindernis lief er beim Internationalen Leichtathletik-Meeting in Dessau. Diese steht seitdem bei 8:26,72 Minuten. Als i-Tüpfelchen folgte die Nominierung für die U23-Europameisterschaften in Bergen. In einem der schnellsten Meisterschaftsrennen über 3.000 Meter Hindernis kam der von Enrico Aßmus und Nils Schumann betreute Athlet als Sechster ins Ziel.
„Die EM hat mich am meisten in diesem Jahr geprägt. Das war ein ganz wichtiger Moment in meiner Karriere. Ich hatte das erste Mal das Gefühl, ich habe das Zepter selbst in der Hand“, berichtet Robin Müller. Auch angesichts seiner starken Vorleistungen. Sein internationales Debüt bei der U23-EM 2023 im finnischen Espoo war ihm ein guter Ratgeber. „Ich war damals ohne große Erwartungen angetreten. Im Vorlauf ging dann gar nichts. Daran bin ich gereift“, sagt Robin Müller, der es nun besser machen wollte. In seinen Start im Vorlauf mischte sich auch ein wenig Aufregung. Natürlich. Umso schöner, dass dieses Mal alles besser funktionierte wie noch vor zwei Jahren. „Ich habe fast alles richtig gemacht und konnte mich über die Platzierung für das Finale qualifizieren.“
Mit Vollgas aus der U23-Klasse
Dort lief es nicht so wie gewünscht. Es wurde das schnellste Meisterschaftsrennen einer U23-EM über 3.000 Meter Hindernis. Statt einer Medaille wurde es Rang fünf. „Natürlich ist man im ersten Moment enttäuscht, obwohl es nicht schlecht gelaufen ist. Es waren auf jeden Fall einige Learnings dabei.“ Nun neigt sich für ihn der Übergang zu den Aktiven, die sogenannte U23-Klasse, dem Ende entgegen. Der Abschied könnte ihn mit zwei absoluten Höhepunkten noch versüßt werden. Zunächst die Cross-DM in Darmstadt (29./30. November). Gelaufen wird gemeinsam mit den Aktiven. Ein großer Pluspunkt. „Das ist nicht unbedingt ein Nachteil. Da kann man sich gut mit reinhängen. Noch dazu brauche ich mich mit meiner Form nicht zu verstecken“, betont Robin Müller, der auf eine nicht allzu schwierige Strecke – ohne Berge und sandige Passagen – hofft. „Mein Ziel ist es, das Ding zu holen.“ Ums sich dann für die Cross-EM in Lagoa zu empfehlen.
Sein Start bei der Polizei-EM war dafür ein gutes Training. Die Form stimmt ebenso. So wie schon das ganze Jahr über. Er hat gezeigt, dass man auch ohne Kaderstatus erfolgreich sein kann. Zum 1. November wurde Robin Müller vom Deutschen Leichtathletik-Verband in seinen Bundeskader (Perspektivkader) berufen. Er hat wieder einen Kaderstatus. Es hilft ihm. Noch mehr aber die Unterstützung seines Arbeitgebers. Nämlich die der Landespolizei in Meiningen, die ihn auf seinem sportlichen Weg bestmöglich unterstützt, damit er seinen eingeschlagenen Weg erfolgreich weitergehen kann.




