Enrico Aßmus: Die Vorfreude auf erste Wettkämpfe

Nach der Hallensaison ging es für 50 Athleten mit ihren Trainern und Betreuern ins Trainingslager nach Südafrika. Ursprünglich wollten sie vier Wochen bleiben – es wurden lediglich zweieinhalb. Sie mussten es Mitte März frühzeitig abbrechen. Einfach war das nicht, berichtet Enrico Aßmus, verantwortlicher DLV-Bundestrainer für die Disziplingruppe Hindernis und TLV-Blocktrainer Lauf/Gehen. „In den Nachrichten haben wir mitbekommen, dass sich die Lage im Zuge der Corona-Krise in Deutschland immer weiter zuspitzt. Daraufhin haben wir uns zur Rückreise entschieden. Außerdem waren ein paar Jugendliche dabei, denen wir gegenüber noch eine größere Verantwortung hatten. Viele Stunden wurden daran gearbeitet, dass wir alle zeitiger als geplant zurück in die Heimat konnten. Das war für alle Beteiligten ein richtiges Mammutprogramm.“

Weiterhin wurde vereinbart, dass sich die Athleten wie die Hindernisläufer Martin Grau, Tim Stegemann, Patrick Karl (TV Ochsenfurt), er gehört zur Erfurter Trainingsgruppe um Enrico Aßmus, sowie die Läufer Lena Posniak (alle LAC Erfurt Top Team) und Marcel Lehmberg (Erfurter LAC) in ihren Heimatorten in häusliche Quarantäne begeben und dann für sich daheim drei Wochen trainieren. In diesen Tagen überschlugen sich die Meldungen: Olympische Spiele in Tokio auf 2021 verschoben. Und auch die Europameisterschaften in Paris wurden abgesagt. Für den Nachwuchs gab es ebenfalls schlechte Nachrichten – keine internationalen Höhepunkte.

„Die Sportler haben die Absagen unterschiedlich schnell akzeptiert. Tobias Rex und Lena Posniak hatten die Möglichkeiten sich für die U20-WM in Nairobi zu qualifizieren. Für die Olympia-Qualifikation waren Martin Grau und Tim Stegemann auf einem extrem guten Weg. Mit Bekanntgabe der Verschiebungen haben wir das Training inhaltlich umgestellt“, berichtet Enrico Aßmus. Mittlerweile sind fast drei Monate seit dem Lockdown vergangen. Die Zahl der Neuinfektionen sank, was Lockerungen nach sich zog. Auch im Sport. Sehr zur Freude der Athleten und Trainer, die seitdem in kleinen Gruppen trainieren können. „Der Landeskader ist ebenfalls wieder mit dabei“, freut sich Enrico Aßmus über die langsame Rückkehr zur Normalität auf und neben der Bahn.

Mit den nächsten Lockerungen sind nun erste Wettkämpfe in Thüringen wieder möglich. Wenn auch ohne Zuschauer und mit einem vorher vom Veranstalter entwickelten Hygienekonzept. Den ersten Wettbewerb gab es in Neustädt, wo Deutschlands beste Kugelstoßer einen erfolgreichen Auftakt feierten. Auch andernorts wird nach Möglichkeiten geschaut. So könnte am 3. Juli in einer Thüringer Kommune der nächste Wettkampf unter anderem mit Sprint und Lauf über die Bühne gehen. Noch verhindern Abstandsregeln Läufe über 1.500 Meter. „Wir sind optimistisch, dass wir eine Kommune finden“, hofft Enrico Aßmus. Noch dazu muss auch das entsprechende Gesundheitsamt grünes Licht geben.

Grünes Licht gab es indes andernorts. Für die Deutschen Meisterschaften in Braunschweig (8./9. August) nämlich. Allerdings zunächst ohne die Mittel- und Langstrecken. Die Ankündigung sorgte unter den Athleten wie Hindernis-Europameisterin Gesa Felicitas Krause (Silvesterlauf Trier) für viel Aufruhr. Mittlerweile wurde nachjustiert. Man hält sich Anpassungen für die Mittel- und Langstrecken offen, wenn die Beschränkungen weiter gelockert werden. Doch ohne Wettkämpfe will Enrico Aßmus seine Athleten nicht durch die nun langsam anrollende Freiluft-Saison schicken. Es gibt vereinzelt schon Optionen. „Erstmal Reinkommen. Die Trainingsgruppe Aßmus freut sich auf Wettkämpfe und hat Lust darauf. Wir wollen uns endlich mit anderen Athleten messen“, spricht der Trainer auch für seine Athleten, die ihre „hervorragende Verfassung“ endlich auf die Bahn bringen wollen.

 

Video Testlauf Rohda zum Waldhaus Erfurt mit Martin Grau und Tim Stegemann: https://www.facebook.com/LeichtathletikThueringen/videos/596760277927603/?__so__=channel_tab&__rv__=all_videos_card