Dudince: Karl Junghannß peilt Olympia-Norm an

„Ja, ich starte jetzt!“ Bei diesen Worten schwingt in seiner Stimme eine gewisse Erleichterung mit. Nach einjähriger Wettkampf-Pause startet Karl Junghannß (LAC Erfurt Top Team) am Samstag beim traditionellen europäischen Geher-Meeting im slowakischen Dudince über 50 Kilometer. „Der Start musste erstmal von allen Verantwortlichen genehmigt werden“, sagt der 24-Jährige. Die Slowakei gilt als Risikogebiet. Für die Teilnahme ist ein negativer Corona-Test erforderlich, nicht älter als 72 Stunden. In Dudince will er sich den Traum von Olympia erfüllen.

Die Olympischen Spiele in Tokio (Japan) sind das große Ziel. Der erste Versuch der Normerfüllung klappte nicht. Rückblick: Oktober 2019 musste der Altenburger einen Wettkampf im niederländischen Tillburg nach 33 Kilometer abbrechen, wegen Magenproblemen. Nun erhält er die nächste Chance. Die geforderte Olympia-Norm liegt bei 3:50:00 Stunden, seine Bestzeit aufgestellt bei den Weltmeisterschaften in London (Großbritannien) 2017, wo er den 13. Platz belegt hatte, steht bei 3:47:01 Stunden.

Form stimmt für den ersten und letzten Wettkampf des Jahres

Auch wenn er in diesem Corona-Jahr noch kein Wettkampf bestreiten konnte, gibt sich Karl Junghannß zuversichtlich. „In den vergangenen Monaten lief alles gut und auch nach Plan. Ich denke, ich habe die Form, um mit einem guten Gefühl in den Wettkampf gehen zu können“, sagt der Vize-Europameister der U23 über 20 Kilometer (2017). Mit der Wiederaufnahme des Trainings begann er im Juni, es schlossen sich Trainingslager in Österreich und Kienbaum an. Zuletzt weilte er mit seinem Bruder Otto Junghannß für drei Wochen im italienischen Livigno, auf 2.000 Meter Höhe. Mit Blick auf die schneebedeckten Alpengipfel. „Für ein Höhentrainingslager sind drei Wochen ein gutes Maß. Man sagt, eine Woche braucht man, um sich anzupassen und die zwei weiteren Wochen, um normal zu trainieren“, erklärt er.

Nun kann er erstmals in diesem Jahr seine Form testen. Wenngleich dieser Wettkampf in Dudince nicht wie die vorherigen Auflagen verlaufen wird. Ursprünglich war der Termin im Frühjahr angesetzt. Aufgrund der Corona-Pandemie abgesagt. Mit dem Bekanntwerden, dass die Olympia-Qualifikationsphase der Geher früher als zuletzt geplant im September beginnt, keimte plötzlich Hoffnung auf. Der Termin wurde verlegt. Das Programm durch die aktuelle Corona-Lage stark reduziert. Nur die 50 Kilometer sind geblieben. Genehmigt wurden 20 Teilnehmer. Im kleinen erlesenen Zwölfer-Feld finden sich mit Karl Junghannß, dem WM-Siebten Carl Dohmann (SCL Heel Baden-Baden) und Nathaniel Seiler (TV Bühlertal) drei deutsche Langstrecken-Geher wieder. Zuschauer sind nicht erlaubt.

Online-Studium am Trainingsstandort Erfurt

Für Karl Junghannß, der in Erfurt bei Pedro Zaslavsky trainiert, beginnt die Reise am Freitag. Seine zweite Chance. Er will sie nutzen. Wohl auch mit der Gewissheit im Hinterkopf, dass es danach nur noch wenige Qualifizierungs-Möglichkeiten geben wird. Wettkämpfe über die Langdistanz sind rar. Auch schon vor der Corona-Pandemie. Keiner weiß, was das Frühjahr bringen wird. „Ich fühle mich bereit“, sagt Karl Junghannß mit kräftiger Stimme. Mit einer erfüllten Norm lässt es sich viel entspannter auf die kommenden Monate blicken.

Um sich optimal auf die Olympischen Spiele vorzubereiten, hatte er sich vom Studium freigestellt, Urlaubssemester eingelegt. Diese Zeit neigt sich nun dem Ende entgegen. Montag beginnt das neue Semester. Dafür kann er in Erfurt bleiben. Die Seminare werden online durchgeführt. „Ich bin schon ein bisschen froh darüber, dass ich nicht nach Leipzig muss. Zumal ich meinen Trainingsstandort in Erfurt habe. Die Online-Vorlesungen kommen mir sehr entgegen“, kann er für sich etwas positives aus der Situation ziehen.

Ebenso wie über seine bis dato einjährige Zugehörigkeit zur Sportfördergruppe der Bundeswehr. „Für mich ist das eine beruhigende Situation. Ich kann nebenbei studieren, Lehrgänge habe ich alle zwei Jahre – es war die richtige Entscheidung, diesen Schritt zu gehen.“ Und erneut schwingt in seiner Stimme eine gewisse Erleichterung mit.

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